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Der Probenabend beginnt auch beim Troisdorfer Ferienchor mit dem gemeinsamen Einsingen. Der Probenabend beginnt auch beim Troisdorfer Ferienchor mit dem gemeinsamen Einsingen.

Musik macht’s möglich - Teil 1

In den Ferien zusammen singen

In Troisdorf wird sommerabendleicht mit Tönen gespielt. Drei muntere Proben, dann sitzen die Lieder für einen Auftritt. Der Ferienchor macht zwei Gottesdienste zu kleinen Festen mitten in der Urlaubszeit.

Die Sänger sind in der Kürze der Zeit konzentriert bei der Sache. Die Sänger sind in der Kürze der Zeit konzentriert bei der Sache.

„Liebe Tenöre, liebe Bässe, was können wir besser machen?“, fragt Brigitte Rauscher entwaffnend fröhlich. „Singen“, sagt einer. Alle lachen, und sie nimmt das auf: „Ja, die Einsätze. Wir probieren es nochmal.“ Gerade hat der Ferienchor die Noten erstmals in die Hand genommen: die 1944 entstandene „Missa Tertia“ von Lajos Bárdos, damals Kantor an der Matthiaskirche in Budapest, der ungarischen Krönungskirche. „Inventarverzeichnis Nr. 26“ ist aufs gilbende Papier gestempelt. Brigitte Rauscher begleitet auf dem Flügel statt auf der Orgel. Unter ihren Händen verwandelt sich die archaisch-karge Melodie in eine schwebende Tonfolge, sommerabendleicht, und die 30 Sängerinnen und Sänger setzen die Töne immer sicherer. Nicht viele können vom Blatt singen, doch heute Abend versuchen es alle. Und freuen sich, dass es klappt.

„Ich hätte Lust, dass wir das Stück schaffen“, sagte Brigitte Rauscher zu Beginn. Mit Sätzen wie diesen nimmt sie dem Übungsabend jede Schwere. Es wird gelingen. „Bei der dritten und letzten Probe treffen wir uns im Bonhoeffer-Haus, damit wir auch dort den Raum kennenlernen“, sagt sie zum Abschied. Allmählich leert sich die Johanneskirche mitten in Troisdorf südöstlich von Köln. Manche stehen noch bei einem Glas Wasser zusammen, das tut gut bei der Hitze.

Ein Thema, das zur Ausstellung „und … Licht“ im Kirchenschiff passt

Zum neunten Mal gibt es an der Troisdorfer Stadtkirche das Ferienchor-Projekt. In diesem Jahr wird Pfarrer Philipp Augustin zum Schluss des Sommerchors über das Thema „In Deinem Licht“ predigen. Denn „und … Licht“ ist die derzeitige Wanderausstellung der Evangelischen Kirche im Rheinland betitelt; sie macht gerade Station in Troisdorf. So findet die Probe an diesem Abend zwischen den Exponaten statt. Im Kirchenschiff reckt die Plastik „Shine On“ des Künstlers Christoph Dahlhausen ihr neonröhrenbewehrtes Alugestänge in die Luft, an der Empore hängt die Installation „Lichtzeit“ von Ursula Molitor und Vladimir Kuzmin. Zum Probenende singen die Frauenstimmen eine Vertonung von Psalm 36,10: „Bei Dir ist die Quelle des Lebens, und in Deinem Lichte sehen wir das Licht.“

Nicht viele können vom Blatt singen, aber alle versuchen es beim Probenabend. Nicht viele können vom Blatt singen, aber alle versuchen es beim Probenabend.

Am 4. August werden die in drei Proben gelernten Lieder gesungen, nacheinander in den Gottesdiensten in der Johanneskirche und dem knapp zwei Kilometer südlich gelegenen Bonhoeffer-Haus. „Das ist mein schöner Abschluss, bevor ich mich selbst in den Urlaub verabschiede“, sagt Philipp Augustin. Gemeinsam mit der Kantorin hat er den Gottesdienst geplant. Das mache zwar mehr Arbeit, doch aus der Kooperation entstehe ein Fest mitten in der Urlaubszeit.

Mit Events kennt sich Brigitte Rauscher aus. Sie ist Mitglied des Ständigen Ausschusses Kultur des Deutschen Evangelischen Kirchentags. In Troisdorf arbeitet sie seit 2001. Zudem ist sie Kreiskantorin des Kirchenkreises An Sieg und Rhein und Vorsitzende des Chorverbands in der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Ein Projekt, das seit Jahren Verbindung schafft

Zum Ferienchor gehören Menschen, die in der Ferienzeit noch oder wieder zuhause sind, aber auch eine Studentin, die zurzeit das Elternhaus hütet. Eine ganze Reihe kommt aus Nachbargemeinden. Manche sind schon seit ein paar Jahren beim Sommerchorprojekt dabei, wenn ihr eigener Chor pausiert. Das schafft Verbindungen, ohne dass Konkurrenz aufkommt.

„So stelle ich mir Stadtkirche vor“, sagt Augustin, „dass sie mit Highlights in die Region wirkt.“ Rauscher hat beobachtet, dass die Teilnehmenden sich beim gemeinsamen Singen kennenlernen, Spaß haben – und wiederkommen. „Auch das ist Teil unserer Überlegung: Wie lässt sich das Geschäft beleben, gerade in der Ferienzeit?“

Brigitte Rauscher sucht die Musik sorgfältig aus. Gut singbar soll sie sein, aber auch Ansprüche stellen, dann mache das Erarbeiten in der kurzen Zeit mehr Freude. Vor vier Jahren hat sie das sperrige Bonhoeffer-Gedicht „Stationen auf dem Weg zur Freiheit“ zum Thema gemacht, davor einen Mix aus westlichen und östlich-orthodoxen Stücken zur Betrachtung einer Ikone. Dazu meldeten sich 36 Leute an. Das war Rekord. Jetzt hat sich die Zahl um die 30 eingependelt, berichtet Brigitte Rauscher im Café, das früher einmal das Foyer der Kirche war.

Die Gottesdienste, in denen der Ferienchor zu hören ist

Sonntag, 4. August 2019: 9.30 Uhr, Abendmahlsgottesdienst in der Johanneskirche, Viktoriastraße 1, 53840 Troisdorf; 10.45 Uhr,  Abendmahlsgottesdienst im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Bonhoefferstraße 4, 53840 Troisdorf. Liturgie und Predigt: Pfarrer Philipp Augustin, Musik: Ferienchor, Leitung und Orgel: Kantorin Brigitte Rauscher.

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ekir.de / Text: Wolfgang Thielmann / Fotos: Martin Magunia / 01.08.2019



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