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Foto: Dieter Junker Weihbischof Franz Josef Gebert und Präses Manfred Rekowski mit Eva-Marie Vorster und Karl-Adolf Schneider vor den Gräbern von Margarete und Paul Schneider.

Dickenschied

Gedenkgottesdienst würdigt "Prediger von Buchenwald"

Der Trierer Weihbischof Franz Josef Gebert und der rheinische Präses Manfred Rekowski haben in Dickenschied den vor 80 Jahren im KZ Buchenwald ermordeten evangelischen Pfarrer Paul Schneider gewürdigt.

Das Engagement des als "Predigers von Buchenwald" bekannten evangelischen Pfarrers sei ein "Zeugnis der Ermutigung" für alle Christen, sagte Gebert am Donnerstagabend in seiner Predigt bei einem ökumenischen Gedenkgottesdienst auf dem Friedhof in Dickenschied. Paul Schneider sei ein Beispiel für solche Zeugen, die unter die Wölfe gefallen seien, aber die das Vertrauen hätten, dass Gottes Wort die Menschen bewegen könne.

An dem Gottesdienst mit rund 100 Besuchern nahmen auch zwei der drei noch lebenden Kinder Schneiders teil. Der rheinische Präses Manfred Rekowski bezeichnete Schneider als "einen christlichen Überzeugungstäter, der sehr konsequent für sich die Entscheidung getroffen hat, Gott mehr zu gehorchen als den nationalsozialistischen Machthabern".

Für diese Haltung habe er, der als erster evangelischer Pfarrer von den Nazis ermordet wurde, einen sehr hohen Preis gezahlt, sagte der Präses am Rande des Gottesdienstes. Beklemmend sei es, dass die damalige Kirchenleitung im Fall Paul Schneider getan habe, was der Staat von ihr erwartete. Der Hinweis auf den seit November 1937 ununterbrochen andauernden Aufenthalt im Konzentrationslager sei dabei sogar als Begründung für Schneiders Versetzung in den Wartestand angeführt worden.

Der evangelische Pfarrer Paul Schneider (1897-1939) wurde am 18. Juli 1939 von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Buchenwald als eines der ersten Mitglieder der Bekennenden Kirche ermordet. Der Pfarrerssohn stammte aus Pferdsfeld bei Bad Kreuznach.

Wegen seiner konsequenten Ablehnung der Nazi-Diktatur wurde er mehrmals festgenommen und kam 1937 in das KZ Buchenwald bei Weimar. Mitgefangenen hatte er aus der Zelle heraus als "Prediger von Buchenwald" das Evangelium verkündigt. Nach Folter und Misshandlung tötete ihn der Lagerarzt Erwin Ding mit einer Überdosis des Herzmittels Strophanthin. Er wurde auf dem Friedhof in Dickenschied beigesetzt.

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ekir.de / epd / Foto: Dieter Junker / 19.07.2019



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