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Kirchenköpfe

Georg Maus: Ein mutiger, fest zu seinem Glauben stehender Lehrer

Der Religionslehrer Georg Maus (1888-1945) starb im Nazi-Terror, weil er Jesu Gebot der Feindesliebe lehrte. Die Bibel, das Wort Gottes, war ihm unbedingte Richtschnur. Diese Konsequenz bezahlte er mit dem Leben.  Sein Porträt hat die Künstlerin Kristina Kanders nun auf einer  Wand im Düsseldorfer  Landeskirchenamt verewigt.

Georg Maus wurde 1888 als Sohn eines Pfarrers im oberhessischen Bottendorf geboren. Nach dem Abitur studierte er Theologie, Deutsch und Geschichte, unterbrochen durch den Wehr- und anschließenden Kriegsdienst. In der Nachkriegszeit unterrichtete Maus an verschiedenen Schultypen im Rheinland, bevor er 1936 eine feste Anstellung am Hindenburg-Realgymnasium (heute Gymnasium Bayreuther Straße) in Wuppertal erhielt.

Als die Deutschen Christen im November 1933 in der Sportpalastkundgebung in Berlin ihren wahren Charakter offenbarten, zog Maus für sich die Konsequenzen: Im November 1934 unterschrieb er als einer der ersten die „Mitgliedskarte“ der Bekennenden Kirche. Das Wort Gottes war ihm unbedingte Richtschnur für sein Leben.

Einen ersten Zusammenstoß mit der Gestapo hatte Maus im Juni 1943. Einen Phosphorangriff auf Wuppertal-Elberfeld soll er zornig mit den Worten kommentiert haben: „Diese Feuersbrunst ist das rechte Zeichen für das Dritte Reich. Aus den höllischen Flammen ist es gekommen und in Flammen wird es untergehen. Dies schreckliche Feuer ist Gottes Gericht über unsere angeblich so fromme Stadt.“ Ein Gestapo-Mann hörte das. Der Vorfall hatte aber keine Folgen, da nach einer Verordnung parteifeindliche Äußerungen innerhalb von 48 Stunden nach Luftangriffen zwar notiert, aber nicht weiter verfolgt werden sollten.

Als Familie Maus bei einem Luftangriff alles verlor und auch das Gymnasium zerstört war, versetzte die Schulverwaltung Georg Maus im September 1943 nach Idar-Oberstein. Auch dort eckte er an, weil er im Unterricht seine christliche Haltung nicht verleugnete. Im Frühjahr 1944 äußerte er sich im Religionsunterricht der Unterstufe zur Feindesliebe. Auf die Frage einer Schülerin, ob das denn auch für die Engländer gelte, die deutsche Städte bombardierten und von denen Joseph Goebbels gesagt habe, man müsse sie hassen, entgegnete er: „Auch Dr. Goebbels kann Jesu Gebot nicht aufheben!“ Maus wurde angezeigt und am 16. Mai 1944 in der Schule von Gestapo-Beamten verhaftet.

Wegen „Wehrkraftzersetzung“ verurteilte ihn der Volksgerichtshof in Berlin zu zwei Jahren Gefängnis. Im Februar 1945, als sich alliierte Truppen Berlin näherten, wurde Maus mit einem Gefangenentransport im Güterwaggon auf den Weg ins Konzentrationslager Dachau geschickt. Bei Plauen im Vogtland starb der körperlich sehr Geschwächte in der Nacht vom 14. auf den 15. Februar, in Hochstadt/Main wurde seine Leiche aus dem Zug geworfen.

Heute wird in der KZ-Ehrenstätte Flossenbürg an Georg Maus erinnert, und in Idar-Oberstein trägt eine kurze Straße den Namen des mutigen, fest zu seinem Glauben stehenden Lehrers.

Das Porträt von Georg Maus im Landeskirchenamt ist der dreizehnte von geplanten zwanzig „Kirchenköpfen“. Mit den Wandgemälden soll an Menschen erinnert werden, die die evangelische Kirche geprägt und verändert haben.

Auszüge aus einem Porträt Georg Maus‘ von Prof. Dr. Siegfried Hermle, erschienen in dem Buch „Zwischen Bekenntnis und Ideologie. 100 Lebensbilder des rheinischen Protestantismus im 20. Jahrhundert“, herausgegeben von Thomas Martin Schneider/Joachim Conrad/Stefan Flesch, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, ISBN 978-3-374-05617-0

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ekir.de / red, Video: Marcel Kuß / 17.02.2020



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