EKiR von A-Z
EKiR von A-Z Themen, Arbeitsfelder, kirchliche Einrichtungen von A-Z mehr

Im Einsatz für die Patientinnen  und Patienten im Evangelischen Krankenhaus in Mettmann: Christine Heddrich, Ilse Kleine-Doepke, Marlis Meinhard und Luise Kliss (v.l.). Im Einsatz für die Patientinnen und Patienten im Evangelischen Krankenhaus in Mettmann: Christine Heddrich, Ilse Kleine-Doepke, Marlis Meinhard und Luise Kliss (v.l.).

Grüne Damen und Herren

„Was kann ich Ihnen Gutes tun?“

Die Grünen Damen in Deutschland sind seit 50 Jahren in Krankenhäusern im Einsatz, um Menschen geistliche Stärkung und ganz praktische Hilfe anzubieten – wie im Evangelischen Krankenhaus in Mettmann. Ein Ortsbesuch.

Ein leises Klopfen, dann öffnet Christine Heddrich die Tür und wirft einen vorsichtigen Blick in das Krankenzimmer. „Guten Morgen“, sagt sie dann freundlich, „ich komme von der Evangelischen Krankenhaushilfe. Kann ich Ihnen etwas Gutes tun?“ Auf die Gesichter der beiden älteren Damen, die auf Station 3 im Evangelischen Krankenhaus in Mettmann liegen, schleicht sich ein Lächeln. Sie kennen die großen geflochtenen Körbe und die Damen und Herren in den grünen Kitteln bereits und wissen, wen sie vor sich haben. Schließlich kommen die Grünen Damen im Krankenhaus zweimal in der Woche auf die Zimmer.

Und bei den beiden älteren Damen sind sie willkommen. Sie sei gerade operiert worden, aber sie habe genug zu Lesen und auch sonst keine Fragen oder Wünsche, sagt eine der beiden Frauen. Christine Heddrich fragt nach: Ob alles gut gelaufen sei? Wer sie operiert habe? Und dann hebt sie lachend ihre Knie: „Beide neu“, sagt sie, „das hat alles hervorragend geklappt.“

Kleine Dinge, große Hilfe

Und schon sind die beiden im Gespräch – über dieses und jenes. Und irgendwann fällt der Damen im Krankenbett ein, dass gestern beim Telefonat mit der Tochter plötzlich die Wertkarte leer gewesen sei. Schon ist Christine Heddrich in ihrem Element. „Ich lade die Karte für Sie auf“, sagt sie kurzerhand, lässt sich das entsprechende Geld aushändigen und ist schon unterwegs in die Eingangshalle. „Es sind so kleine Dinge“, sagt die Grüne Dame aus Mettmann, während sie die Karte auflädt, „aber damit können wir Menschen eine große Hilfe sein.“

Genau deswegen ist sie schon vor Jahrzehnten zu dem besonderen Ehrenamt angetreten. Sie will helfen – ganz praktisch und wenn Patienten sich das wünschen auch mit einem ehrlichen Gespräch und geistlicher Ermutigung. „Aber das entscheidet jeder selbst“, sagt sie, „wir sind hier nicht, um zu missionieren.“ Viel mehr wollen die Grünen Damen im Krankenhaus in Mettmann Patientinnen und Patienten bei den Fragen unterstützen, für die das Pflegepersonal keine Zeit mehr hat. Zeitschriften kaufen, Telefonkarten aufladen, sich um das Internet kümmern. „Manchmal machen wir uns auch auf den Weg in die Stadt, weil ein Patient seine Brille verloren hat und nun ein Ersatzmodell braucht“, sagt Marlis Meinhard, die ebenfalls als Grüne Dame im Einsatz ist. Vor allem dann, wenn Menschen keine Angehörigen haben, nehmen sie die Frage der Ehrenamtlichen ernst: „Kann ich Ihnen etwas Gutes tun?“

Mut und Gottes Segen zusprechen

Als Christine Heddrich in das Krankenzimmer zurückkehrt, strahlt die Dame. „Toll“, sagt sie, „das war eine große Hilfe.“ Die beiden sprechen nur kurz, dann bricht Christine Heddrich auf – schließlich hat sie noch viele Zimmer vor sich. Aber bevor sie die Türe hinter sich schließt, wirft sie einen letzten Blick in das Zimmer: „Bleiben Sie behütet“, sagt sie noch. Erst dann geht sie weiter. Und was sie sagt, das meint sie auch. Sie will den Menschen, die Angst vor der Zukunft haben, vor einer Operation stehen oder mit ihrer Krankheit hadern, Mut zusprechen und Gottes Segen.

Im nächsten Zimmer liegt ein junger Mann. Nein, mit Kirche, Grünen Damen oder Seelsorge wolle er nichts am Hut haben, sagt er empört und verweist Christine Heddrich laut des Zimmers. Sie geht, erklärt noch kurz, dass sie nur helfen wolle und ist dann auch schon vor der nächsten Tür. „Das gehört dazu“, sagt sie, „nicht jeder will uns bei sich haben.“ Als persönlich verletzend empfinde sie das nicht mehr. Die meisten Patientinnen und Patienten sind an diesem Vormittag aber sehr höflich und freuen sich über den Besuch. Viele empfangen die Grüne Dame bereits mit den Worten „Ich brauche nichts“. Andere werfen einen Blick in den großen Korb und lassen sich die Liste der kleinen Bücherei geben, die die Grünen Damen pflegen.

Menschen erinnern, dass sie nicht alleine sind

Als Christine Heddrich an der nächsten Türe anklopft und den Raum betrifft, erkennt sie schnell den Operationskittel, der schon bereit liegt. „Sie werden heute operiert?“ fragt sie die Dame in dem Krankenhausbett. Ein Nicken, ein ängstlicher Blick. Christine Heddrich kramt in ihrem Korb. „Dann seien sie sicher, wenn Sie im OP ankommen, ist Gott schon da“, sagt sie. Und dann überreicht sie der Dame eine kleine Karte mit einem Segenswunsch. Es ist nur ein leises Nicken, das sie als Antwort erhält. „Aber vielleicht war es trotzdem gut, diese Frau in dieser Situation daran zu erinnern, dass sie nicht alleine ist“, sagt die Grüne Dame.

Als Christine Heddrich in einem der Krankenzimmer auf einen älteren Herrn trifft, der keine Angehörigen mehr hat, sich aber ein Gespräch wünscht, da setzt sie sich auf die Fensterbank und hört zu. Sie ermutigt den Mann, dem Leben gegenüber wieder offen zu sein, lädt ihn in die Gemeinde ein und verabschiedet sich schließlich. „Bleiben Sie behütet.“

17 Grüne Damen und ein Grüner Herr

Mehr als zwei Stunden ist sie an diesem Vormittag unterwegs – erst auf Station 3 und dann auf der Intensivstation. Währenddessen haben ihre drei Kolleginnen die anderen Stationen unter sich aufgeteilt – immer in Absprache mit dem Pflegepersonal. Insgesamt 17 Grüne Damen und ein Grüner Herr gehören zu der Gruppe der Ehrenamtlichen, die im Krankenhaus in Mettmann im Einsatz ist – mit ihnen lassen sich die drei Einsätze pro Woche bisher gut besetzen. „Wir werben sehr auch für den Einsatz der Männer“, sagt Reinhard Fluß – der einzige Grüne Herr in Mettmann. Aber vielleicht sei die Scheu bei Männern oft größer, sich der sensiblen Aufgabe zu stellen.

Dabei habe er selbst gute Erfahrungen gemacht – vor allem auch im Gespräch mit männlichen Patienten. Ins kalte Wasser geworfen wird in Mettmann keiner der Ehrenamtlichen. Jeder könne so lange die erfahrenen Grünen Damen begleiten, bis er sich traue, auch alleine eine Runde zu übernehmen. Was man als Ehrenamtlicher mitbringen solle, um Grüne Dame oder Grüner Herr zu werden? „Einfühlungsvermögen und viel Zeit“, sagt Fluß, „wir sollten nicht unter Zeitdruck stehen, wenn wir zu den Patienten gehen.“

Mit Fremden reden ist manchmal leichter

Denn die Grünen Damen lassen kein Zimmer aus, sie verteilen die Zeitschrift „Sonntagsgruß“ dort, wo sie willkommen ist. Sie hinterlassen gute Wünsche für Operationen. Sie nehmen sich Zeit. „Es ist uns wichtig, den Menschen zu signalisieren: Da ist einer, der hat Zeit für dich und lässt sich auf ein Gespräch ein“, sagt Marlis Meinhard. Ruhe und Gelassenheit sei wichtig für diese Aufgabe, denn man wisse nie, welcher Mensch mit welcher Geschichte sich der Tür warte. „Das können Menschen sein, die völlig rausgerissen sind aus ihrem Leben durch eine Krankheit oder einen Unfall“, sagt auch Ilse Kleine-Doepke, die sich als Grüne Dame engagiert. Junge Menschen und Senioren. Und oft habe man den Eindruck, dass ihnen etwas auf der Seele liege, was sie mit einem Fremden deutlich besser besprechen können als mit der Familie. „Wenn die Frage nach Gott kommt, dann scheuen wir nicht davor zurück, von unserem eigenen Glauben zu erzählen“, sagt Christine Heddrich. Und dann ergänzt Ilse Kleine-Doepke noch: „Aber vor allem hören wir aber zu und geben den Menschen so die Gelegenheit, sich selbst zu ordnen.“

 

Stichwort: Die Grünen Damen und Herren
Die Ehrenamtlichen-Organisation der Grünen Damen und Herren wird 50 Jahre. Die Evangelische Kranken- und Alten-Hilfe (eKH) mit Sitz in Bonn feiert das Jubiläum am 15. und 16. Oktober mit einer Bundestagung mit abwechslungsreichem Rahmenprogramm. Highlights sind unter anderem der Festgottesdienst am 15. Oktober um 16 Uhr in der Bonner Kreuzeskirche, bei dem Präses Manfred Rekowski predigt und anschließendem Vortrag zum Thema „Glück und Dienst“ vom Theologen und Autor Manfred Lütz, sowie Kabarett mit Bill Mockridge am 16. Oktober, 15.15 Uhr in der Stadthalle Bad Godesberg. 
Brigitte Schröder gründete 1969 nach dem Vorbild des US-amerikanischen „Volunteer Service“ die Evangelische Krankenhaushilfe. Deren ehrenamtlich Mitarbeitende wurden wegen ihrer grünen Kittel von den Patienten dann „Grüne Damen“ genannt. Längst gehören auch Männer zu den Teams in den Krankenhäusern, sie machen bundesweit 619 von 7646 Freiwilligen aus. Grüne Damen und Herren sind derzeit in 396 Krankenhäusern und 133 Altenhilfeeinrichtungen aktiv.
Sie arbeiten unter folgenden Leitsätzen: 1. Sie tun Ihren freiwilligen Dienst im Sinne christlicher Nächstenliebe und gegenseitigem Vertrauen in der Gruppe. 2. Sie übernehmen nur Aufgaben, die sie mit Freude tun, und haben ein Gespür für seelsorgerische Tätigkeiten. 3. Sie passen sich verlässlich ein in die Organisation des Hauses. 4. Sie verinnerlichen die Schweigepflicht. 5. Sie übernehmen keine Arbeiten, die Hauptamtliche von ihrem Arbeitsplatz verdrängen. 6. Sie nehmen sich Zeit für Gedankenaustausch in der Gruppe und Fortbildungsangebote.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

ekir.de / Text und Foto: Theresa Demski / 11.10.2019



© 2019, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.