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Amtshilfe im Großen: Symbolisch wird der Atomwaffenverbotsvertrag unterschrieben. Beim Aktionstag im vergangenen Jahr wurde der Atomwaffenverbotsvertrag zumindest schon symbolisch unterschrieben.

Friedensaktion

„Die nukleare Teilhabe ist völkerrechtswidrig“

Beim zweiten kirchlichen Aktionstag gegen Atomwaffen am 7. Juli in Büchel werden sich zahlreiche Christinnen und Christen für den Abzug von Atomwaffen und für den Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertag einsetzen. Deutschland könnte ein viel beachtetes Beispiel geben, sagt Mit-Organisator Rüdiger Lancelle im Interview.

Rüdiger Lancelle ist Mitglied im Initiativkreis gegen Atomwaffen Büchel. Rüdiger Lancelle ist Mitglied im Initiativkreis gegen Atomwaffen Büchel.

Am 7. Juli findet in Büchel zum zweiten Mal ein kirchlicher Aktionstag gegen Atomwaffen statt. Was zeichnet den Tag aus?

Rüdiger Lancelle: Christinnen und Christen aus Kirchen und Organisationen setzen ein deutliches Zeichen für den Abzug der Atomwaffen aus Deutschland und den Beitritt unseres Landes zum Atomwaffenverbotsvertrag. Deutschland könnte ein viel beachtetes Beispiel geben.

Sie engagieren sich im Initiativkreis gegen Atomwaffen in Büchel, der mit dem Aachener Friedenspreis 2019 ausgezeichnet wird. Seit 1996 setzt sich die Initiative für den Abzug der auf dem Eifeler Fliegerhorst gelagerten Atomwaffen ein. Was sind die Motive?

Lancelle: Wir setzen uns dafür ein, dass die Lagerung von 20 US-amerikanischen Atombomben auf dem Fliegerhorst in unserer Nähe in der Bevölkerung bekannt wird. Zudem üben Soldaten der Bundeswehr deren Einsatz. Unserer Überzeugung nach verstoßen sowohl die Lagerung als auch das Einüben des Transportes und des Abwurfs dieser Bomben gegen geltendes Völkerrecht. Unser Land hat sich durch den Beitritt zum Atomwaffensperrvertrages (NVV) verpflichtet, Atomwaffen weder herzustellen noch zu besitzen. Auch ihre Verwahrung für andere ist ausdrücklich nicht gestattet. Wir fordern die Einhaltung dieser Verpflichtung. Die nukleare Teilhabe im Rahmen der NATO halten wir für völkerrechtswidrig.

Dieses Jahr könnten wir feiern, dass unser Land den Vertrag vor 50 Jahren unterzeichnet hat – die Umsetzung lässt leider immer noch auf sich warten. Vor Jahren konnte ich die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland für einen Beschluss gewinnen, von der Bundesregierung den Abzug dieser letzten Atomwaffen auf unserem Staatsgebiet zu verlangen. Deutlicher wird nun das Friedenswort 2018 der Evangelischen Kirche im Rheinland „Auf dem Weg zum gerechten Frieden“.

In dem Friedenswort ruft die rheinische Kirche zum friedlichen Protest gegen Atomwaffen und Rüstung generell auf. Welchen Einfluss hat die Kirche damit?

Lancelle: Wir sind dankbar für dieses Friedenswort und freuen uns über die Teilnahme verschiedener Landeskirchen und des Bistums Trier an den Protesten. Eine breite Auseinandersetzung mit dem Friedenswort in Gemeinden und Gruppen ist zu wünschen. Aber bisher ist sie nicht zu beobachten. Aktionen des zivilen Ungehorsams finden in der Öffentlichkeit mehr Beachtung als Mahnwachen und Gebete.

Wie gestalten Sie und der Initiativkreis Ihren Protest?

Lancelle: Wir haben in der unmittelbaren Nähe des Haupttores des Fliegerhorstes mit der „Friedenswiese“ einen Ort zur Mahnung und zum Gebet geschaffen. Hier wurde ein Bildstock errichtet, in dem eine Schiefertafel mit dem bekannten Motiv von Otto Pankok „Christus zerbricht das Gewehr“ (1950) daran erinnert, dass Atomwaffen ein Verbrechen gegen Gott und die Menschheit sind. Neben diesem Bildstock hängt eine Kopie der Friedensglocke von Hiroshima, die uns ein Moselwinzer gestiftet hat. An diesem Ort treffen sich Christinnen und Christen zu Mahnwachen und zum Gebet. Wie wäre es, wenn viele Gemeinden dem Beispiel der Evangelischen Kirchengemeinde Maifeld folgen würden, die jährlich dort einen Friedensgottesdienst feiert?

Statt eines Abzugs scheint die politische Diskussion derzeit auf eine Modernisierung der Atomwaffen hinauszulaufen. Wie beurteilen Sie die Entwicklung?

Lancelle: Schon die Lagerung der nun wohl als veraltet eingestuften 20 Bomben mit jeweils der vierfachen Sprengkraft der Hiroshimabombe ist nicht zu rechtfertigen. Deutsche Soldaten ihren Einsatz üben zu lassen, ist ein Skandal. Nun planen die USA die Modernisierung, d. h. den Austausch gegen Bomben mit geringerer Sprengkraft, die sich zudem nach dem Abwurf noch zum Ziel lenken lassen. Das soll die Einsatzbereitschaft erhöhen. Sollten diese Waffen in Büchel gelagert werden, erhöht sich die Gefahr auch für unser Land, denn der Flugplatz wäre ein lohnendes Angriffsziel.

Zur Person:

Rüdiger Lancelle ist Mitglied im Initiativkreis gegen Atomwaffen Büchel. Mehr als 40 Jahre war er im Presbyterium seiner Kirchengemeinde Cochem an der Mosel aktiv, lange Jahre auch als dessen Vorsitzender. Er gehörte bis zum Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren dem Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises Koblenz an und war Mitglied der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland, seit 1973 zudem ordinierter Prädikant. Der ehemalige Realschullehrer für Mathematik und Biologie wuchs in Wuppertal auf und lebt seit 1967 in Cochem, in dessen Nähe der Fliegerhorst Büchel liegt.

Stichwort: Aktionstag am Fliegerhorst Büchel/Eifel

Der Aktionstag am 7. Juli 2019 vor dem Fliegerhorst tritt öffentlich und gewaltfrei für den Abzug und das Verbot von Atomwaffen ein und wirbt für den Umstieg auf eine friedenslogische Außen-und Sicherheitspolitik. Er beginnt um 10 Uhr. Um 14 Uhr gibt es einen ökumenischen Gottesdienst mit Margot Käßmann als Predigerin. Der Aktionstag wird aus Christinnen und Christen der Deutschen Sektion pax christi sowie aus den evangelischen Kirchen in Baden, Bayern, Hessen-Nassau, Kurhessen-Waldeck, der Pfalz, im Rheinland und in Württemberg vorbereitet.

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ekir.de / Wolfgang Beiderwieden, Fotos: Dieter Junker, Christoph Müller / 01.07.2019



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