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Aufführund des Theaterstücks '95 Thesen für eine andere Welt'. Aufführung des Theaterstücks "95 Thesen für eine andere Welt".

Ehrenamtspreis 2018

Ein Stück erarbeitet, ein Stück weit zusammen gelebt

Wie ein roter Faden zieht sich das Symbol einer geöffneten Tür durch das Theaterstück „95 Thesen für eine andere Welt“, das ein Ensemble der Evangelischen Jugend An Nahe und Glan zum Reformationsjubiläum 2017 erarbeitete. Eine Tür zu einer anderen Welt, wie sie auch die Reformation aufgestoßen hat.

21 Jugendliche aus verschiedenen Gemeinden des Kirchenkreises An Nahe und Glan haben 21 Tage lang in dem Projekt gearbeitet. Unter der Anleitung von Theaterpädagogin und Regisseurin Julia Hahn sowie Bühnenbildner Roy Müller entwickelten 16 von ihnen auf der Bühne den Text, fünf gestalteten Bühnenbild und Technik. Das Ergebnis ist ein im wahrsten Sinn des Wortes starkes Stück, in dem sich Wünsche und Träume, aber auch Ängste und Anfragen der Jugendlichen an die Gesellschaft widerspiegeln. Die Evangelische Kirche im Rheinland zeichnet das Projekt mit dem Ehrenamtspreis aus.

„Wir verbrennen heute keine Hexen mehr, wir machen aber immer noch Jagd auf jene, die anders sind.“ Dieser Satz aus einer der eindrücklichen und von den jungen Leuten selbst erdachten und getexteten Szenen verknüpft ihren Blick auf die Herausforderungen unserer Zeit und ihr eigenes Lebensumfeld mit Sichtweisen aus der Zeit Martin Luthers.

Wünsche, Ängste, Hoffnungen

Ihre Wünsche, Ängste und Hoffnungen drücken sie mit unterschiedlichen Stilmitteln aus. Homophobie und Körperkult, die Jagd nach möglichst vielen „Likes“ in den sozialen Medien thematisieren sie ebenso wie Widerstand und freien Willen sowie den Wunsch zur Bewahrung der Schöpfung.

Dabei sparen sie nicht mit Selbstkritik. „Meine Freunde finden das alle blöd, wieso sollte ich das dann machen?“ – heißt es in einer Szene und die Schlussfolgerung lautet: „Wenn niemand anfängt, kann man auch nie einen Fortschritt erzielen. Wir müssen den Mut haben, ‚unser Ding‘ zu machen und nicht nur auf die anderen zu hören.“

Ein eigenes Stück zu schaffen war spannend und cool

Dieses Projekt komplett selbstständig zu realisieren, war für die Jugendlichen eine begeisternde Erfahrung. „Es ist so, dass man sich selber aus seinen eigenen Gedanken etwas aufbaut und nicht vorgefertigte Texte  hat, die man auswendig lernt,“ sagt Marie-Sophie, 16. „Wir können sagen: Wir haben das wirklich zusammen verfasst, ein Theaterstück gemacht und allein auf die Beine gestellt. Und das hat jetzt eine ganz besondere Form – was sehr spannend und sehr cool ist.“

Die Federführung des Theaterprojekts hatte das Jugendreferat des Kirchenkreises mit den drei hauptamtlichen Fachkräften Anika Weinsheimer und Günter Kistner vom Jugendreferat sowie Christine Budschat aus der Kirchengemeinde Roxheim.

Ein Jahr der Vorbereitung

Fast ein Jahr lang trafen sich die jungen Leute immer wieder mehrere Tage mit dem Leitungsteam. „In den einzelnen Projektphasen wurde nicht nur am Stück gearbeitet, sondern auch zusammen gelebt, gekocht, gegessen, übernachtet, gebetet und gesungen - ein Stück Alltag  miteinander geteilt“, berichtet Jugendreferentin Anika Weinsheimer.

Auch in die Kirchengemeinden hinein entfaltete das Projekt seine Wirkung. Die Botschaft der jungen Leute erreichte und berührte die Menschen während der drei Aufführungen. Starke Botschaften wie die von Hadassa bleiben im Gedächtnis: „Wenn ich etwas auf dieser Welt ändern könnte, dann wäre es das Lachen. Ein Lächeln kostet weniger als Elektrizität, aber es gibt so viel Licht! Ich möchte Menschen zum Lachen bringen und glücklich sehen.“

Zum Ehrenamtspreis
Mit dem Ehrenamtspreis, der alle zwei Jahre vergeben wird, sollen sowohl bewährte als auch neue Formen ehrenamtlicher Arbeit in Kirche und Diakonie gefördert werden. Die Verleihung der mit je 1.000 Euro dotierten Preise durch Präses Manfred Rekowski findet am Sonntag, 23. September, in der Kölner Kartäuserkirche statt.

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ekir.de / Marion Unger, Foto: Ev. Jugendreferat An Nahe und Glan / 24.08.2018



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