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Jung, aktiv, evangelisch: Archivfoto vom Jugendcamp 2014. Foto: Meike Böschemeyer Jung, aktiv, evangelisch: Archivfoto vom letzten Jugendcamp. Foto: Meike Böschemeyer

Studie "Junge - aktiv - evangelisch in NRW!"

Konfirmandenarbeit leistet wertvollen Beitrag

Die evangelische Kirche leistet mit ihrer Konfirmanden- und Jugendarbeit einen wertvollen Beitrag zur Vitalität des Gemeinwesens. Dies zeigt die Studie „Jung – aktiv – evangelisch in NRW!“, die heute in Essen vorgestellt worden ist.

„Ehrenamtliches Engagement in der Kirche ist nicht nur eine binnenkirchliche Angelegenheit“, sagte Prof. Dr. Friedrich Schweitzer, Religionspädagoge an der Evangelischen Fakultät der Universität Tübingen und zuständig für die Studie, bei der Präsentation der Ergebnisse. Vielmehr engagierten sich junge Menschen in vielen Bereichen innerhalb und außerhalb der Kirche in einem hohen Maße.

Die Studie habe gezeigt, dass Ehrenamt keineswegs etwas für das dritte Lebensalter sei, wie vielfach auch in der Kirche angenommen werde. Vielmehr seien es gerade die 14- bis 24-Jährigen, die sich am stärksten ehrenamtlich engagierten.

Woher kommen die Impulse für dieses starke Engagement? Ein Grund liege in der Konfirmandenarbeit. „Junge Erwachsene in Nordrhein-Westfalen messen der Konfirmandenzeit dabei eine höhere Bedeutung zu als der Bundesdurchschnitt“, sagt Schweitzer.

„Ehrenamt ist erblich“

In den Praktika, die in vielen nordrhein-westfälischen Kirchengemeinden zur Konfirmandenzeit gehörten, könnten Jugendliche Ehrenamt ausprobieren, was sich sehr positiv auf ein späteres Engagement auswirke. Als zweiten Grund nannte Schweitzer die ehrenamtlichen Aktivitäten in christlichen Familien. „Ehrenamt ist erblich“, lautete seine These.

Die evangelischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen hatten die Studie „Jung – aktiv – evangelisch in NRW!“ im Rahmen einer bundesweiten Studie über das Engagement junger Menschen beim Lehrstuhl für Religionspädagogik an der Universität Tübingen in Auftrag gegeben. Die repräsentative NRW-Studie umfasst Befragunge von 1100 Personen im Alter von 18 bis 26 Jahren. Sie gibt Aufschluss darüber, wie die Konfirmandenzeit nachwirkt.

In den nordrhein-westfälischen Kirchengemeinden beeinflussen vor allem die Praktika während der Konfirmandenzeit nachhaltig die Einstellung zum Ehrenamt. Die Konfirmandenarbeit leistet so einen wertvollen Beitrag auch zur Zivilgesellschaft.

Glaube als Motiv spielt stärkere Rolle

Im Unterschied zu den Jugendlichen in anderen Landeskirchen und Bundesländern stellt die Studie heraus, dass sich junge Erwachsene mit kirchlichem Hintergrund in Nordrhein-Westfalen in allen gesellschaftlichen Bereichen stärker engagieren als die Gesamtheit ihrer Altersgruppe. „Ehrenamtlichkeit junger Menschen ist auch ein bundesweites Phänomen, insofern lassen sich viele der Befunde aus NRW auch auf andere Bundesländer übertragen“, sagte Friedrich Schweitzer.

„Für die jungen Menschen in NRW spielt der Glaube als Motiv aber eine stärkere Rolle. Zugleich fühlen sie sich in den Gemeinden stärker gebraucht.“ Außerdem hätten sie hier besonders gute Möglichkeiten, in ihrer Konfirmandenzeit ehrenamtliches Engagement auszuprobieren, was sich sehr positiv auf ein späteres Engagement auswirke.

Schlechter als andere Landeskirchen stehen die evangelischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen bei Angeboten in der Zeit nach der Konfirmation da. Hier seien die Kontakte der Gemeinden zu den Jugendlichen unterdurchschnittlich, weshalb Schweitzer Klärungsbedarf formulierte. Zudem fühlten sich junge Erwachsene von ihren Kirchengemeinden weniger wertgeschätzt als in anderen Kirchen. Sie hätten kaum Möglichkeiten, ihre Fähigkeiten einzubringen.

Freude über großes Engagement

Kirchenrat Dr. Stefan Drubel, Leitender Dezernent für außerschulische Bildung im Düsseldorfer Landeskirchamt, erklärte: „Die evangelischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen freuen sich über das große ehrenamtliche Engagement junger Menschen." Im Namen der drei evangelischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen erklärte er weiter bei dem Pressegespräch, dass sich junge Erwachsene, die der evangelischen Kirche verbunden sind, überproportional in unserer Gesellschaft engagieren, "ist auch Konsequenz unserer Bildungsangebote“.

„Insbesondere Konfirmandenarbeit und kirchliche Jugendarbeit leisten hier einen wesentlichen Beitrag.“ Die außerschulische Bildungsarbeit beginne in den evangelischen Kindertagesstätten und setze sich mit Angeboten für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene fort.

Die Studie markiert für Drubel auch Handlungsbedarf: „Das große Engagement Jugendlicher und junger Erwachsener sollte insgesamt auch in den Kirchen größere Beachtung und Wertschätzung erhalten. Mehr Fortbildung und Unterstützung für die junge Generation, das ist jetzt die Herausforderung auf allen Ebenen unserer Kirchen.“

Ehrenamt braucht Zeit und Freiräume

Ehrenamtliches Engagement brauche zudem Zeit und Freiräume. „Im Diskurs mit den politisch Verantwortlichen müssen wir die Wichtigkeit außerschulischer Bildung betonen. Außerdem könnte das Ehrenamt junger Menschen eine formale Anerkennung durch die Schule erfahren.“

Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in NRW (aej-NRW) weist mit Blick auf die Studie auf die Bedeutung der Jugendarbeit insgesamt für das Engagement junger Menschen hin. Simone Enthöfer, Landesjugendpfarrerin der rheinischen Kirche, sagte im Namen der aej-NRW vor der Presse: „Eine Kirche, die auch zukünftig von gesellschaftlicher Relevanz sein möchte, tut gut daran, sich über die Konfirmandenarbeit hinaus mit ihren Angeboten auch an junge Menschen zu wenden, die nicht evangelisch getauft sind und es vielleicht auch nie werden.“

Gemeinschaft, Spaß, Sinn

Sie ist überzeugt: „Was junge Menschen motiviert, sich zu engagieren, ist nach wie vor die untrennbare Trias aus Gemeinschaft, Spaß und Sinnvolles für sich und andere zu tun. Es ist für sie wichtig, nicht nur Teilnehmende zu sein, sondern selbst Akteure."

Dazugehören und attraktive Angebote in der Kinder- und Jugendarbeit zu bekommen, um sich mit anderen Jugendlichen zu engagieren, rege dazu an, etwa über politische, ökologische, gesellschaftliche oder religiöse Werte nachzudenken. "Bei manch einem jungen Menschen wächst daraus auch Glaube und ein kirchliches Zugehörigkeitsgefühl.“

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ekir.de / wb / 21.06.2018



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