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Aus bunten Leinwänden wird ein gemeinsames Kunstwerk: Jessica, Franzi, Nora, Alexandra und Ronja (v.l.) sind in ihrem Element. Emely und Antonia unterstützen die Kinder beim Gestalten. Aus bunten Leinwänden wird ein gemeinsames Kunstwerk: Jessica, Franzi, Nora, Alexandra und Ronja (v.l.) sind in ihrem Element. Emely und Antonia unterstützen die Kinder beim Gestalten.

Jungschararbeit in Unterbarmen

Endlich wieder die Gemeinschaft spüren

Mehr als zwei Monate boten Gemeindepädagogin Katja Spitzer und ihr Team eine „Jungschar to go“ in Unterbarmen an. Dann reagierten sie auf die Lockerungen der Corona-Regeln und luden zum Jungschartreffen in die Rotter Kirche ein – unter besonderen Bedingungen. Ein Besuch.

Franzi ist die Erste, die an diesem Nachmittag an die Türen der Rotter Kirche klopft. Die Sechsjährige lacht übermütig und als Gemeindepädagogin Katja Spitzer ihr die Tür öffnet, spaziert Franzi zum ersten Mal nach zehn Wochen wieder in die Rotter Kirche. „Wann geht’s denn endlich los?“ fragt sie dann und lässt sich zum Händewaschen begleiten. Franzi kann es kaum erwarten. „Endlich wieder Jungschar“, sagt sie und dann sucht sie sich einen Platz in dem großen Kreis, den das Jungschar-Team in Unterbarmen im Kirchenraum vorbereitet hat.

„Eigentlich treffen wir uns im Jungscharraum“, erklärt Katja Spitzer, „aber da können wir die Abstände nicht einhalten.“ Und deswegen hat sie gemeinsam mit Diakonin Gudrun Haarmann von der benachbarten Hauptkirche und dem großen Team ehrenamtlicher Helfer ein Hygienekonzept ausgetüftelt, das aus Platzgründen die Nutzung beinahe aller Räume an der Rotter Kirche vorsieht.

„Ich möchte nicht, dass die Kinder uns vergessen“

Nach zehn Wochen laden sie zum ersten Mal wieder zum Jungschartreffen ein. „Uns war es wichtig, ein einmaliges Treffen vor den Sommerferien zu organisieren“, sagt Katja Spitzer, „die Zeit wird so lang und ich möchte nicht, dass die Kinder uns vergessen.“ Dazu kommt noch ein anderer Gedanke, der der Gemeindepädagogin von Woche zu Woche wichtiger wurde: „Wir müssen endlich wieder die Gemeinschaft spüren können.“

Seit der Schließung der Kirchen und Gemeindehäuser hat das Jungschar-Team an der Rotter Kirche jede Woche eine „Jungschar to go“ angeboten – das Angebot wird bis zu den Sommerferien fortgesetzt. Vor der Kirche lädt die Gemeindepädagogin mit ihrem Team jede Woche zur Jungscharzeit zum Basteln und Begegnen ein. Wer will, kann sich eine Basteltüte mitnehmen, seit die Lockerungen es zulassen, basteln die Kinder auch vor der Kirche.

Viele nehmen das Angebot an – nicht nur Kinder und Familien. „Aber das ist nicht vergleichbar mit unseren Jungscharstunden“, sagt Katja Spitzer, „wir wollten einfach mal wieder in einem Kreis sit-zen“. Und weil Gudrun Haarmann den gleichen Wunsch hegte, setzten sich die Beiden mit den Eh-renamtlichen zusammen und planten eine Präsenzjungschar – im großen Team, mit vereinten Kräf-ten und Pizza. „Das war schön, aber wir musste so viel bedenken“, sagt Katja Spitzer.

„Im letzten Moment kam uns noch die Lockerung der Regeln entgegen“

 Absperrungen und aufgeklebte Pfeile: Nora und Alexandra wissen, wo es lang geht. Absperrungen und aufgeklebte Pfeile: Nora und Alexandra wissen, wo es lang geht.

Das umfangreiche Hygienekonzept beachtet nun die Vorgaben der Stadt ebenso wie die Empfehlungen der Landeskirche. Das Team hat eine Einbahnregelung in der Kirche eingerichtet und die Wege mit Klebepfeilen markiert. Gleich am Eingang steht ein Empfangstresen, an dem die Kinder sich in Listen eintragen sollen, um anschließend einen Abstecher zum Händewaschen zu machen.

„Dann kam uns im letzten Moment noch die Lockerung der Regeln entgegen“, erzählt Katja Spitzer. Gruppen von bis zu zehn Personen sind seitdem erlaubt. Deswegen ist der Kreis im Kirchenraum nun in Zehnergruppen unterteilt. „Und während der Jungschar bewegen wir uns in diesen Gruppen“, erklärt die Gemeindepädagogin. In den vergangenen Tag hat sie eine lange Liste von Spielen erstellt, die ohne Körperkontakt, höheren Bewegungsaufwand oder Singen auskommen.

Franzi kann es inzwischen kaum noch erwarten. Ungeduldig blickt sie zur Uhr. Und dann kommt endlich Freundin Fiona um die Ecke. „Hierhin, ich habe dir einen Platz freigehalten“, ruft die Sechsjährige und das Wiedersehen fällt laut und fröhlich aus. Insgesamt zehn der sonst 22 Jungscharkinder folgen schließlich der Einladung. „Viele Eltern sind noch etwas zurückhaltender“, sagt Katja Spitzer. Und auch viele der Kinder schauen erstmal etwas unsicher um die Ecke, orientieren sich und suchen nach bekannten Gesichtern.

Das Jungschargefühl ist wieder da

Gemeindepädagogin Katja Spitzer desinfiziert Kleber und Stifte, bevor die nächsten Kinder zur Bastelstation kommen. Gemeindepädagogin Katja Spitzer desinfiziert Kleber und Stifte, bevor die nächsten Kinder zur Bastelstation kommen.

„Alles ist heute etwas anders“, erklärt die Gemeindepädagogin und ermutigt die Kinder, sich einen Platz zu suchen. Um punkt halb vier geht es los – und Franzi jubelt ausgelassen. Die Begrüßung fällt vor lauter Wiedersehensfreude besonders herzlich aus und dann dürfen die Spiele beginnen. „Erin-nert ihr euch noch an die Spielregeln“, fragt Katja Spitzer. Die Kinder brauchen einen Augenblick und dann sind sie in ihrem Element. „Jungschargefühl“, sagt Katja Spitzer lachend.

Die beiden Zehnergruppen, die sich jeweils aus Jungscharkindern und Teamern zusammensetzen, wandern an diesem Nachmittag zu drei verschiedenen Stationen. Die Kinder spielen Bingo, bemalen kleine Leinwände, die am Ende zu einem großen, gemeinsamen Kunstwerk zusammengefügt werden und sie treffen sich zum Spielen. „In der Zwischenzeit haben wir die Möglichkeit, die Plätze zu desinfizieren und zu putzen“, erzählt Katja Spitzer und nimmt sich die Klebestifte und Farben vor, die gerade noch in den Kinderhänden für viel Kreativität gesorgt haben.

Nach anderthalb Stunden treffen sich alle wieder im Kreis. Die Gemeindepädagogin spendiert ein Eis zum Abschluss und dann stehen die Kinder auf und sprechen fröhlich und laut den vertrauten Segensvers – fast so als habe es nie eine Corona-Pause gegeben.

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ekir.de / Text und Fotos: Theresa Demski / 10.06.2020



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