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Bild für Bild, Szene für Szene lässt Konstanze Ebel mit dem Papiertheater die Geschichte lebendig werden. Bild für Bild, Szene für Szene lässt Konstanze Ebel mit dem Papiertheater die Geschichte lebendig werden.

Papiertheater

Kino im Kopf mit Kamishibai

Gespannt betrachten viele Augenpaare den schwarzen Holzrahmen auf dem kleinen Tisch. Gleich soll hier eine besondere Form von Theater beginnen. Erzählerin Konstanze Ebel macht sich bereit. In der Paulusbücherei der evangelischen Thomas-Kirchengemeinde Bonn-Bad Godesberg ist Kamishibai-Zeit für Kita-Kinder und ihre Eltern.

Im Halbkreis sitzen die Kleinen auf dem Boden um das Tischchen und schauen gebannt auf den Holzrahmen. Was da wohl drin ist? Doch die geheimnisvolle Kiste lässt sich nicht öffnen, so sehr die Erzählerin sich auch müht. Da muss erst ein Zauberspruch her: „Eins, zwei, drei, in der Bücherei, ene, mene, miste, steht 'ne Kiste – nicht zu klein, nicht zu groß, jetzt geht’s los!“ Gemeinsam mit Konstanze Ebel sprechen die Kinder die Zauberformel. Und siehe da, jetzt öffnen sich die Flügeltüren.

Bild für Bild entsteht die Geschichte

Ein Theatervorhang hebt sich und das erste Bild erscheint. Auf einer Wiese tummeln sich pinkfarbene Hausschweine und braune Wildschweine. Konstanze Ebel trägt die Geschichte „Die Anderen“ vor. Darin geht es um Vorurteile, Stärken und Schwächen. „Habt ihr schon mal ein Wildschwein gesehen?“, fragt sie in die Runde? „Jaaaa“, schallt es ihr entgegen.

Mit Feuereifer sind die Kinder sogleich bei der Sache. Konzentriert verfolgen sie Bild für Bild, das Konstanze Ebel aus dem Holzrahmen zieht. Szene für Szene erzählt sie dazu die Geschichte. „Die sind blöd“, grunzen die Hausschweine. „Bestimmt sind die doof“, sagen die Wildschweine. Um herauszufinden, wer die besseren Schweine sind, tragen die Tiere einen Wettkampf aus. Geschickt zieht Ebel die Kinder durch Fragen in die Geschichte hinein. So entsteht Kino im Kopf.

Das „Papiertheater“ kommt aus Japan

Kamishibai heißt diese Form des Geschichtenerzählens. „Das ist ein Erzähltheater aus Japan“, sagt Helga Schwarze, Leiterin der Büchereifachstelle der Evangelischen Kirche im Rheinland. Wörtlich übersetzt bedeutet es Papier (kami) Theater (shibai). „Die bildgestützte Form des Erzählens im Dialog mit Kindern fördert die Phantasie und eignet sich besonders gut auch für biblische Geschichten“, erklärt Schwarze.

In Japan hat Kamishibai eine lange Tradition. Dort zogen bis ins 20. Jahrhundert sogenannte „Kamishibai-Männer“ als fahrende Händler durchs Land und erzählten auf der Straße den Menschen ihre Geschichten. In Europa wurde das „Papiertheater“ für die Kinderpädagogik neu belebt. Auch im Zeitalter von Computer und Fernsehen kommt es gut an.

Eine Alternative zum klassischen Vorlesen

Der Kamishibai-Rahmen ist leicht zu handhaben, braucht keinen Strom und kann überall unkompliziert aufgebaut werden – in der Kita, im Park, im Kindergottesdienst. Kamishibai eignet sich besonders zur Sprach- und Leseförderung. Es hilft, ganzheitlich zu lernen, trainiert Spracherwerb und Sprechen. „Kinder lassen sich durch diese Alternative zum klassischen Vorlesen schnell faszinieren und gehen konzentriert mit, vor allem, wenn die Erzählerin sie durch gezielte Fragen in die Geschichte hineinzieht“, sagt Helga Schwarze. Und wer sich als Kamishibai-Anfänger noch nicht zutraue, eine Geschichte ganz frei zu erzählen, könne natürlich den dazugehörigen Text auch vorlesen. Und noch eine kreative Möglichkeit bietet das Kamishibai: Kinder können ihre eigenen Geschichten erfinden und die passenden Bildkarten selbst malen und gestalten.

In der Paulusbücherei ist Konstanze Ebel am Ende ihrer Geschichte angekommen. Die kleinen Zuschauer sind begeistert. Wie die Schweine in der Erzählung hopsen sie zum Abschluss noch wild auf den Sitzmatten herum und singen ein Schweinelied: „Drei Schweine saßen an der Leine...“.

Kamishibai braucht keine aufwändige Technik

Jeden ersten Donnerstag im Monat bietet die vierfache Mutter eine Kamishibai-Veranstaltung in der Paulusbücherei an. Der Holzrahmen sei einfach zu handhaben, keine aufwändige Technik nötig. „Ich nehme einfach meinen Kasten unter den Arm und fahre in die Bücherei oder zu Kitas“, berichtet sie. Wichtig sei, frei zu erzählen und die Fragen und Kommentare der Kinder spontan einzubeziehen. Das erhöhe die Aufmerksamkeit und halte die kleinen Zuschauerinnen und Zuschauer bei der Stange. „Ich mache sehr gute Erfahrungen mit dem Kamishibai, denn Kinder sehnen sich danach, dass man sich ihnen zuwendet“, hat Konstanze Ebel festgestellt.

Kamishibai-Sets zum Ausleihen

Die Büchereifachstelle der rheinischen Kirche verleiht Kamishibai-Rahmen und Bildkarten kostenlos. Bildkarten-Sets im Format DIN A3 gibt es zu vielen verschiedenen Themen – von Märchen über Sachgeschichten bis zu Religion und Bibel. Im elektronischen Katalog der Büchereifachstelle können sich Interessierte das Angebot anschauen. Auch Kamishibai-Fortbildungen für Erzieherinnen und Erzieher sowie Büchereimitarbeitende werden angeboten.

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ekir.de / Frida Saar, Foto: Meike Böschemeyer / 02.01.2020



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