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Der Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Michael Szentei-Heise, zeigt den Entwurf des Karnevalswagenbauers Jacques Tilly für den „Toleranzwagen“ der evangelischen, jüdischen, katholischen und muslimischen Religionsgemeinschaften für den Der Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Michael Szentei-Heise, zeigt den Entwurf des Karnevalswagenbauers Jacques Tilly für den „Toleranzwagen“ der evangelischen, jüdischen, katholischen und muslimischen Religionsgemeinschaften.

Karneval

Mit Kippa und Tee in den Karneval

In Köln gibt es erstmals seit der NS-Zeit wieder einen jüdischen Karnevalsverein, in Düsseldorf wollen sich Muslime närrisch organisieren. Sie möchten im Karneval sichtbar sein – und jenseits von Herkunft und Religion einfach gemeinsam feiern. In Düsseldorf wird das beim Rosenmontagszug auf einem „Toleranzwagen“ geschehen.

Eigentlich haben ja alle Kölner einen Migrationshintergrund. So heißt es zumindest in der Karnevals-Hymne „Unser Stammbaum“ der Kölsch-Band „Bläck Fööss“: Schließlich habe die Geschichte der Domstadt vor rund 2.000 Jahren mit der Ankunft der Römer am Rhein begonnen. Vielfalt und Toleranz gehört inzwischen zum Selbstverständnis des gesamten rheinischen Karnevals. „Dennoch trauen sich viele Muslime nicht mitzumachen“, beobachtet Ataman Yildirim. Der Düsseldorfer Pädagoge ist derzeit damit beschäftigt, den ersten muslimischen Karnevalsverein ins Leben zu rufen.

Diesen Schritt haben einige jüdische Jecken in Köln schon getan: Sie haben die „Kölsche Kippa Köpp“ gegründet, den ersten jüdischen Karnevalsverein seit der Nazi-Zeit. In dieser Session laden sie erstmals zu einer Veranstaltung ein.

Der Verein sehe sich in der Tradition des „Kleinen Kölner Klubs“, eines jüdischen Karnevalsvereins, der unter den Nationalsozialisten aufgelöst wurde, sagt Vorsitzender Aaron Knappstein. Den beiden Vereinsgründern, Willi und Max Salomon, gelang es, rechtzeitig nach Palästina und in die USA auszuwandern. Andere Mitglieder aber wurden von den Nazis ermordet.

Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit des Karnevals

Während der NS-Diktatur beteiligten sich auch Karnevalisten an judenfeindlicher Hetze. Bereits 1934 rollte der erste antisemitische Mottowagen im Kölner Rosenmontagszug. Lange Zeit hätten die Vereine die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit des Karnevals abgelehnt, sagt der Kölner Historiker Marcus Leifeld.

Seit einigen Jahren finde die Beschäftigung mit diesem Thema jedoch verstärkt statt, angeregt unter anderem durch die Ausstellung „Kölle Alaaf unterm Hakenkreuz“ im Kölner NS-Dokumentationszentrum 2012. „Inzwischen schaut man genau hin und tritt für Toleranz ein“, beobachtet Leifeld.

Der Vorschlag zur Gründung eines jüdischen Vereins kam sogar von höchster karnevalistischer Stelle. Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festausschusses des Kölner Karnevals, habe jüdische Karnevalisten darauf angesprochen, die Tradition wieder aufleben zu lassen, sagt Aaron Knappstein.

„Wir wollen aber gar nichts Spezielles sein“, betont Knappstein, der wie einige andere der zwölf Gründungsmitglieder bereits seit Jahren im Kölner Karneval aktiv ist. „Es gibt keinen jüdischen Karneval.“ Den Mitgliedern gehe es nicht um Abgrenzung, sondern darum, an den historischen Verein zu erinnern und wieder sichtbar zu werden.

Es gibt bereits einige nicht-jüdische Interessenten

Der Verein stehe auch Nicht-Juden offen. „Es gibt bereits einige nicht-jüdische Interessenten“, sagt Knappstein. Durch das gemeinsame Feiern von Juden und Menschen anderer Religionen könne der Verein auch zum gegenseitigen Verständnis beitragen.

In eine ähnliche Richtung denkt auch Ataman Yildirim. Ihm gehe es darum, Muslime in den Karneval zu integrieren, sagt der Pädagoge, der seit vielen Jahren in der Migrationsarbeit tätig ist. Dafür brauche es eine Struktur wie einen Verein. „Denn auch viele Muslime finden Karneval toll und würden gerne mitfeiern. Allerdings denken viele, dass sie dann Alkohol trinken müssen.“

Mit dem neuen Verein wolle er sich nicht abgrenzen, betont Yildirim. „Der Verein soll Menschen jeder Religion offenstehen. Mir geht es um das Gemeinsame.“ In dem Verein solle sich einfach jeder wohlfühlen, ganz gleich ob er beim Feiern Tee oder Bier trinke.

Juden, Muslime und Christen gemeinsam auf Karnevalswagen in Düsseldorf

Unterstützt wird Yildirims Idee vom Kreis Düsseldorfer Muslime (KDDM). Und der mischt schon in diesem Jahr im Karneval mit: Am Rosenmontag fahren KDDM-Vertreter auf einem „Toleranzwagen“ mit,  gemeinsam mit Teilnehmern und Teilnehmerinnen der Jüdischen Gemeinde sowie der katholischen und evangelischen Kirchen. Vom Kirchenkreis Düsseldorf fährt eine siebenköpfige Delegation mit, darunter auch Superintendent Heinrich Fucks. Mit diesem bislang einmaligen Projekt wollen die Religionsgemeinschaften ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen.

Organisiert wird die Initiative von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Deren Gemeindemitglieder hatten sich im vergangenen Jahr erstmals mit einem eigenen Wagen am Zug beteiligt. „Dafür bekamen wir eine sehr positive Resonanz“, sagt der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde, Michael Szentei-Heise. Doch statt alleine weiterzumachen, sei die Idee entstanden, Muslime und Christen mit ins Boot zu holen und daraus eine interreligiöse Aktion zu machen.

Auf dem „Toleranzwagen“ nach einem Entwurf des bekannten Karnevalwagenbauers Jacques Tilly werden Geistliche der vier Religionsgemeinschaften mit roten Pappnasen Arm in Arm vor ihren jeweiligen Düsseldorfer Gotteshäusern zu sehen sein. Frei nach dem Motto der Bläck Fööss-Karnevalshymne, in der es heißt: „Mir sprechen hück all die selve Sproch“ ("Heute sprechen wir alle dieselbe Sprache").

Allerdings stimmt das nicht ganz. Denn im rheinischen Karneval gibt es durchaus noch Sprachbarrieren. Die verlaufen aber nicht zwischen den Religionen oder Herkunftsländern, sondern zwischen den konkurrierenden Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf: Während es in der Domstadt „Alaaf“ heißt, rufen die Düsseldorfer „Helau“.

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ekir.de / epd/Claudia Rometsch, Foto: epd-bild/Hans-Jürgen Bauer / 28.02.2019



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