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Maiyana Manovola mit ihrer fünfjährigen Tochter Nicole. Durch das Power-Projekt fand sie eine neue Stelle. Maiyana Manovola mit ihrer fünfjährigen Tochter Nicole. Durch das POWER-Projekt fand sie eine neue Stelle.

Kinderarmut

Mütter stärken, Armut verhindern

In Wuppertal gilt jedes dritte Kind als arm. Um dagegen anzugehen, setzt das neue Quartiersprojekt POWER des diakonischen Bildungs- und Beschäftigungsträgers GESA gezielt bei erwerbslosen Müttern an. Ganz alltagsnah unterstützt es sie beim schwierigen Weg in einen Job.

Mit einer Postkarte stand ihre Nachbarin Anfang des Jahres vor Mariyana Manolovas Tür. „Sie wusste, dass ich lange krank war und Arbeit suchte“, erzählt die Bulgarin, die seit acht Jahren in Deutschland lebt und zwei Töchter im Alter von 5 und 16 Jahren hat. Die Postkarte hatte die Nachbarin auf der Straße in die Hand gedrückt bekommen – mit der Adresse des diakonischen Bildungs- und Beschäftigungsträgers GESA.

Mariyna Manolova zögerte nicht lange. Ein paar Tage später meldete sie sich bei den Mitarbeiterinnen des Ende 2018 gestarteten Projekts POWER für erwerbslose Mütter. „Vor der Geburt meiner kleinen Tochter Nicole habe ich drei Jahre in einer serbischen Firma in Wuppertal gearbeitet“, erzählt sie. „Doch dann bekam ich so schlimm Osteoporose, dass ich sogar im Rollstuhl saß und mein Mann mich pflegen musste.“ Beide verloren ihren Job.

Unterstützung bei Bewerbungsgesprächen

Seit drei Monaten arbeitet die 40-jährige Bulgarin in einer Reinigungsfirma. Auch ihr Mann fand eine neue Stelle. „Ich hatte solche Angst vor den Bewerbungsgesprächen“, erzählt sie. „Die Mitarbeiterinnen von POWER haben alles mit mir geübt - vom Telefonat bis zum Vorstellungstermin.“ Sie halfen auch bei weiteren Behördengängen und Fragen rund um Kita, Schule oder Arztterminen.

Nicht immer sei es wie bei Mariyna Manovola das erste und direkte Anliegen erwerbsloser Mütter, Arbeit zu finden, erzählt Vanessa Scharmansky, GESA-Fachbereichsleiterin für Beratung und Vermittlung. „Viele kommen zunächst mit anderen Themen zu uns wie die Suche nach einer größeren Wohnung, Schulprobleme der Kinder, Schwierigkeiten mit dem Finanzamt oder Jobcenter.“ Dabei stehe für alle Mütter eines im Mittelpunkt: ihren Kindern soll es besser gehen. Gegen Kinderarmut aber, so zeigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, hilft vor allem die Berufstätigkeit der Mütter.

Mit dem Bus zu den Müttern

In den Wuppertaler Stadtteilen, in denen Vanessa Scharmansky und ihre vier Mitarbeiterinnen regelmäßig auf der Straße, in Schulen und Kitas mit Infoständen unterwegs sind, gibt es besonders viele von Armut betroffene Haushalte. In Oberbarmen wachsen knapp 47 Prozent der Kinder unter 18 Jahren in diesen Familien auf. In Wichlinghausen sind es knapp 37 Prozent.

„Die Scheu, eine Beratung aufzusuchen, ist bei vielen groß“, erzählt die Psychologin. „Deshalb verteilen wir nicht nur Postkarten mit einer Beratungsadresse, sondern bieten die Beratung direkt im eigenen Bus und bestimmten Cafés an.“ Über 500 Mütter haben die Mitarbeiterinnen des Projekts, das bis Ende nächsten Jahres läuft, bislang erreicht. Fünf konnten bereits in Arbeit oder Ausbildung vermittelt werden, über 100 nehmen an einem Einzelcoaching teil.

Unkomplizierte und schnelle Hilfe

POWER-Mitarbeiterin Jasna Grünwald hilft Joy Imade bei der Jobsuche und Behördengängen. POWER-Mitarbeiterin Jasna Grünwald hilft Joy Imade bei der Jobsuche und Behördengängen.

Dazu gehört auch Joy Imade. Die Nigerianerin floh vor fünf Jahren mit ihren drei Kindern nach Deutschland. Zuerst arbeitete sie als Zimmermädchen in München. Doch dort waren die Mieten so teuer, dass sie 2017 mit ihrer Familie nach Wuppertal umzog. Hier fand sie zwar ein günstiges Haus, aber nur eine Putzstelle in einem Familienbetrieb mit einem Einkommen, das kaum zum Leben reicht. „Bei POWER habe ich zum ersten Mal erlebt, dass mir jemand sofort geholfen hat“, erzählt sie auf Englisch.

Mitarbeiterin Jasna Grünwald vermittelte den Kindern, die Probleme in der Schule hatten, eine Hausaufgabenbetreuung. Sie half Joy Imade dabei, ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld geltend zu machen. Und die 25-jährige Psychologin sorgte dafür, dass Joy Imade bald an einem Deutschkurs teilnehmen kann. „Sie hat Ordnung und Hoffnung in mein Leben und das meiner Familie gebracht“, sagt die Nigerianerin. „Meine Kinder sind der Grund, warum ich lebe und alles tue, damit es ihnen besser geht.“

Kindern Zukunft geben

Auch das Projekt POWER will die Kinder und Jugendlichen stärken. Die Mitarbeiterinnen bieten in verschiedenen Schulen „Resilienz-Workshops“ an, in denen die Schülerinnen und Schüler Stress und private Probleme reflektieren und Zukunftsperspektiven entwickeln können, um selbst handlungs- und entscheidungsfähig zu werden.

Dass zu einer guten Zukunft in Deutschland auch eine gute Bildung gehört, macht Joy Imade ihren Kindern immer wieder klar. „Ich bin in Nigeria nur kurz zur Schule gegangen“, erzählt sie. „Das war den Jungen vorbehalten, denn es gab zu wenig Lehrer und Schulbücher.“ Umso stolzer ist sie, dass ihre Mädchen den Weg aufs Gymnasium schon geschafft haben.

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ekir.de / Text und Foto: Sabine Damaschke/Diakonie RWL / 25.06.2019



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