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Evangelische Kitas sind  offen für die Kinder im jeweiligen Sozialraum. Dadurch unterstützt die Kirche ein Bildungssystem, das von Anfang an durchlässig ist  und allen Kindern Bildungschancen bietet. Evangelische Kitas sind offen für die Kinder im jeweiligen Sozialraum. Dadurch unterstützt die Kirche ein Bildungssystem, das von Anfang an durchlässig ist und allen Kindern Bildungschancen bietet. Foto: Fotolia.com/oksix

Kindertagesstätten

„Wir lassen nicht nach, uns für hochwertige Bildungsarbeit einzusetzen“

Um Qualität und Finanzierung von Kitas sicherzustellen, sind die beiden Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz auf dem Weg zu neuen Gesetzen. Was die Reformen beinhalten müssten und wie sich die Kirchen einbringen, erklärt Oberkirchenrätin Henrike Tetz, Leiterin der Abteilung Erziehung und Bildung, im Interview.

Oberkirchenrätin Henrike Tetz ist Leiterin der Abteilung 3 - Erziehung und Bildung im Landeskirchenamt. Oberkirchenrätin Henrike Tetz ist Leiterin der Abteilung 3 - Erziehung und Bildung im Landeskirchenamt.

Am 1. August startet das neue Kitajahr. In welcher Situation befinden sich die evangelischen Kitas im Bereich der rheinischen Kirche?

In Nordrhein-Westfalen herrscht in den Kitas erst einmal Erleichterung darüber, dass es eine weitere Übergangsfinanzierung für das neue Kitajahr gibt, die ihre Arbeit weitestgehend sicherstellt. In Rheinland-Pfalz herrscht noch eine gewisse Unsicherheit, was das neue Kita-Zukunfts-Gesetz für die Träger bringen wird. Wir sind insbesondere in diesen beiden Bundesländern in spannenden Prozessen hin zu neuen Gesetzen. Diese dauern an und das strapaziert manchmal die Geduld aller Beteiligten. Doch wir lassen als Verantwortliche in den Landeskirchen nicht nach, uns für eine angemessene Finanzierung qualitativ hochwertiger Bildungsarbeit mit Kindern einzusetzen.

Die rheinische Kirche hat aufgrund ihres Gebietes Kitas in insgesamt vier Bundesländern.

Neben Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gibt es auch noch evangelische Kitas im Saarland und in Hessen. In allen vier Bundesländern setzt sich die Finanzierung aus Landesmitteln, kommunalen Geldern, Elternbeiträgen und Trägeranteilen zusammen. Aber es gelten überall auch die  jeweiligen Landesgesetze. Und diese sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich auskömmlich, was auch an ganz unterschiedlichen Finanzierungsstrukturen liegt. Aber man kann sagen, dass alle Träger evangelischer Kitas sich für die Arbeit in den Einrichtungen mehr Geld aus der öffentlichen Hand wünschen.

In Nordrhein-Westfalen soll der Gesetzesentwurf für die geplante Reform des Kinderbildungsgesetz (KiBiz) im Januar vorliegen, in Rheinland-Pfalz wurde der Gesetzentwurf der Landesregierung für ein Kita-Zukunftsgesetz gerade veröffentlicht. Was müssen Reformen der jeweiligen Gesetze Ihrer Einschätzung nach auf jeden Fall beinhalten, damit die Qualität der Kinderbetreuung verbessert wird?

Sie müssen eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung beinhalten, die eine angemessene Personalausstattung ermöglichen. Eltern haben unterschiedliche Bedarfe, wie lange die Kinder in den Einrichtungen sein sollen oder müssen und ab welchem Alter sie in die Kita kommen. Deshalb müssen die Betreuungsschlüssel überprüft und gegebenfalls angepasst werden. 
Die neuen Regelungen müssen vorsehen, dass die Leitungen der Kitas anteilig oder ganz, je nach Größe der Einrichtung, freigestellt sind, um die Teams zu leiten, Eltern- und Vernetzungsarbeit zu machen, aber auch den vielen Verwaltungsaufgaben nachkommen zu können. In die Finanzierungstruktur müssen die Finanzierung der Fachberatungen fest aufgenommen werden, die nicht nur Fortbildungen anbieten, sondern beratend zur Verfügung stehen. Wir haben einen hohen Bedarf an Fachkräften, so dass Ausbildungsplätze finanziert werden müssen.

Welche Chancen sehen Sie für die Kirchen, sich lenkend in den Prozess einzubringen?

Durch die Arbeitsgemeinschaft der Kirchen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind wir sehr gut aufgestellt. Dazu gehören die anderen evangelischen Kirchen im jeweiligen Bundesland, die Diakonie RWL, die Fachverbände  und die evangelischen Büros in den Landtagen. Wir sind beteiligt an den Anhörungsverfahren und werden dort die Punkte einbringen, die wir für wichtig halten – für unsere evangelische Kita-Arbeit und grundsätzlich für die Qualität von Kindertagesstätten.

Mit wem reden Sie konkret?

Wir sind im Gespräch mit den zuständigen Ministerien, mit den Bistümern der katholischen Kirche, mit der Liga der Wohlfahrtverbände, den Kommunalen Spitzenverbänden und den Gewerkschaften.  Intern beziehen wir die unterschiedlichen Trägergruppen in die Diskussion ein und fragen deren jeweiligen Bedarfe ab. Es gibt einen großen Abstimmungsbedarf, damit am Ende Gesetze verabschiedet werden, die mehrheitsfähig sind und vor allen dem Ziel dienen, eine sehr gute Qualität der Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern zu gewährleisten.

Haben Sie Hoffnung, dass am Ende  bei den anstehenden Reformen etwas Gutes herauskommt?

Absolut. Ich sehe bei allen Landesregierungen den deutlichen Willen, dass diese Novellierungen wirklich gut gelingen. Und dass alle beteiligten Träger ihre Kitas im Sinne einer Trägervielfalt in Zukunft gut weiterführen können.

Vor welchen Herausforderungen stehen speziell evangelische Kitas? 

Eines der großen Themen ist sicherlich, wie sich der Trägeranteil gestaltet. Ich denke, es ist wichtig,  immer wieder deutlich zu machen, dass die evangelische Kirchen mit ihren Gemeinden hier auch eine Aufgabe stellvertretend für die Kommunen übernehmen und deswegen eine auskömmliche Finanzierung mit den entsprechenden Ressourcen für die qualifizierte Begleitung und Bildung der Kinder einfach notwendig ist.

Warum halten Sie es für wichtig, dass die evangelische Kirche diese staatliche Aufgabe übernimmt?

Das berührt die  Frage des gesellschaftlichen Zusammenhalts in unserem Land. Dass bürgerschaftliche Gruppen solche Aufgaben übernehmen dürfen, ist rechtlich durch das Subsidiaritätsprinzip geregelt. Für uns als Kirche ist es selbstverständlich, uns in gesellschaftlichen Fragen und Aufgaben zu engagieren.
Deswegen sind unsere evangelischen Kindertagesstätten auch grundsätzlich offen für die Kinder im jeweiligen Sozialraum. Wir unterstützen dadurch, dass das Bildungssystem von Anfang durchlässig ist  und allen Kindern Bildungschancen bietet. Wir beteiligen uns daran,  Kinder frühzeitig in ihrer Entwicklung zu fördern. Und wir haben die Familien als wichtigen Ort der frühkindlichen Bildung ebenfalls im Blick.

Stichwort Qualität: Wie wird diese bei evangelischen Kitas sichergestellt?

Die Qualifikation der Mitarbeitenden  ist ein wichtiger Schlüssel für eine hohe Qualität. Diese wird durch entsprechende Fortbildungsmöglichkeiten sichergestellt. Und das nicht allein pädagogisch-fachlich, sondern auch mit Blick auf religiöse Themen und die eigene persönliche Entwicklung. Alles drei geht Hand in Hand.
Ebenso wichtig ist es, für die Kinder unterschiedliche Erlebnisräume zu eröffnen, besonders auch religiöse Erlebnisräume. Auch deshalb ist uns  die enge Anbindung von Kita und Gemeinde ein großes Anliegen. Kinder und ihre Familien hören biblische Erzählungen, erleben gottesdienstliche Feiern und erfahren etwas über die eigene religiöse Tradition und oft auch über die Bräuche anderer Religionen. Denn interreligiöses Lernen beginnt heute schon in der Kindertagesstätte. Solche Erfahrungsräume gehören zum dem, was die Qualität von evangelischen Kindertagesstätten ausmacht.

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ekir.de / cs, Fotos: Fotolia.com/oksix, Thomas Goetz / 01.08.2018



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