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Blick in die Ausstellung im Ruhr Museum in Essen. Foto: Ruhr Museum / Deimel + Wittmar Blick in die Ausstellung im Ruhr Museum in Essen. Foto: Ruhr Museum / Deimel + Wittmar

Ausstellung "Das Zeitalter der Kohle"

Auf den Spuren des "Schwarzen Goldes"

Im Dezember ist Schicht im Schacht. Dann stellen mit "Prosper-Haniel" in Bottrop und "Ibbenbüren" im Tecklenburger Land die letzten Steinkohlenbergwerke in Deutschland die Förderung ein. Anlass für das Ruhr Museum Essen und das Deutsche Bergbau-Museum Bochum, dem "Zeitalter der Kohle" eine große Sonderausstellung zu widmen.

Teilschnittmaschine. Foto: Deutsches Bergbau-Museum Bochum, montan.dok Teilschnittmaschine. Foto: Deutsches Bergbau-Museum Bochum, montan.dok

Auf dem Gelände des Welterbes Zollverein in Essen, der ehemals größten Steinkohlenzeche der Welt, präsentieren sie bis zum 11. November eine umfangreiche Schau zum "Schwarzen Gold" und seiner wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Bedeutung für Europa. "Kohle ist so was wie Aladdins Wunderlampe", sagte der Freiburger Historiker Franz-Josef Brüggemeier vor dem Start der Schau.

Oder "der Grundstoff der Moderne", wie Michael Farrenkopf vom Bergbaumuseum formuliert. Zunächst nur als Energielieferant durch einfaches Verbrennen genutzt, habe sie mit dem technischen Fortschritt in den letzten 250 Jahren immer wieder die Welt verändert.

Die Entdeckung der Kohlevergasung brachte Gaslampen: "Die Städte wurden hell." Mit der Erfindung der Dampfmaschine folgten Eisenbahnen und Dampfschiffe, mit der Kohlechemie synthetische Farben, Medikamente, Kunststoffe oder Dünger.

All diese Aspekte will die Ausstellung zeigen, dazu die wirtschaftliche und politische Bedeutung der Kohle für Krieg und Frieden in Europa. Rund 1.200 Exponate aus den beiden Museen sowie von rund 100 internationalen Leihgebern wurden für die Schau zusammengetragen, die nun in den gewaltigen Bunkeranlagen der ehemaligen Mischanlage der Kokerei Zollverein präsentiert werden.

Fahrt mit der Standseilbahn in die Ausstellung. Foto: Ruhr Museum, Rainer Rothenberg Fahrt mit der Standseilbahn in die Ausstellung. Foto: Ruhr Museum, Rainer Rothenberg

Die Besucherinnen und Besucher folgen auf dem Ausstellungsparcours dem ehemaligen Weg der Kohle durch die Anlage: Am Wiegeturm neben dem Parkplatz starten sie mit einer Standseilbahn in umgebauten Transportwagen aufwärts bis zur obersten Ebene des Gebäudes. Dort begrüßt sie der mit rund sieben Tonnen Gewicht größte Kohlebrocken des Ruhrgebiets, umgeben von einem "Karbonwald" aus Baumfarnen.

Anschließend geht es treppab durch die drei Ebenen des einstigen Kohlenbunkers. Im ersten Bereich können die Besucher die Funktionsweise des Bergbaus kennenlernen, die Welt untertage, "die teilweise auch eine Hölle war", wie der Direktor des Ruhr Museums, Heinrich Theodor Grütter, sagt. Werkzeuge und Maschinen illustrieren technische Abläufe. Guckkästen lassen die harten Arbeitsbedingungen der "Kumpel" erahnen, die mehrere hundert Meter unter der Erde bei großer Hitze schuften mussten.

Kohlechemie. Ruhr Museum / Deimel + Wittmar Kohlechemie. Ruhr Museum / Deimel + Wittmar

Auf der mittleren Ebene fächert die Ausstellung die vielschichtigen Aspekte des Rohstoffs Kohle auf: Lieferant für Wärme, Licht und Energie, Ausgangsstoff der chemischen Industrie, Motor der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung. 4.000 historische Farbstofffläschchen nehmen eine ganze Wand ein und verweisen auf die Nutzung der Kohle zur Herstellung synthetischer Stoffe.

Büsten und Porträts von "Schlotbaronen", den Zechenbesitzern, stehen Fahnen von Arbeitervereinen und Gewerkschaften aus den europäischen Kohleregionen gegenüber. Auch die politische Bedeutung des Rohstoffs Kohle greift die Ausstellung auf. "Um und mit Kohle sind Weltkriege geführt worden", sagt Grütter. Das veranschaulicht etwa das monumentale Sandsteinrelief "Bergmann, Soldat, Hüttenmann" von 1939, das die Bedeutung von Kohle und Stahl für den Krieg und die nationalsozialistische "Volksgemeinschaft" hervorhebt.

Original der Vertrags für die Montanunion

Für den Frieden in Europa steht dagegen ein anderes Exponat, auf das die Ausstellungsmacher sehr stolz sind: Das Original des Gründungsvertrages der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) aus dem Nationalarchiv Luxemburg. Mit der 1951 gegründeten Montanunion stellten Deutschland, Frankreich, die Benelux-Länder sowie Italien ihre nationalen Kohle- und Stahlproduktionen unter eine gemeinsame Kontrolle. Sie gilt als Wurzel der Europäischen Union.

Im dritten Teil schließlich widmet sich die Schau dem Erbe des Steinkohlenbergbaus und den Hinterlassenschaften der Kohlenutzung. Filme, Fotos und Plakate verweisen auf Landschaftszerstörung, Bergsenkungen und Kohlendioxidausstoß.

Folgen des Strukturwandels

Dokumentiert werden auch die gesellschaftlichen Folgen des Strukturwandels, die in den europäischen Kohleregionen unterschiedlich heftig ausfielen. Auf der untersten Etage schließlich kommen in kurzen Videos Menschen zu Wort, deren Leben von Kohle geprägt war.

Die Kosten der Schau belaufen sich nach Angaben der Ausstellungsmacher auf rund 2,5 Millionen Euro. Mit 1,5 Millionen Euro unterstützt die RAG Stiftung das Projekt im Rahmen ihrer Initiative "Glückauf Zukunft" zum Ende des Steinkohlenbergbaus. Eine halbe Million Euro kommt aus den Etats der beiden beteiligten Museen, der Rest soll durch Eintrittsgelder eingespielt werden.

Nicht diese Ausstellung, aber das Ende der Steinkohleförderung begleiten die Kirchen, auch die Evangelische Kirche im Rheinland. Im Dezember wird ein ökumenischer Gottesdienst im Essener Dom gefeiert.

"Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte". Zeche Zollverein, Essen. Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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ekir.de / Esther Soth (epd), neu / 02.05.2018



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