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Konfirmanden-Teams spielten im landeskirchlichen Finale des KonfiCups um den Einzug ins EKD-Endspiel. Klick aufs Foto: zum Fotoalbum Konfirmanden-Teams spielten im landeskirchlichen Finale des KonfiCups um den Einzug ins EKD-Endspiel. Klick aufs Foto: zum Fotoalbum

Fußballturnier KonfiCup

Wenn Haltung und Leistung zählen

Der EKiR-Konfi-Cup 2019 geht an die Konfirmandinnen und Konfirmanden der Evangelischen Kirchengemeinde Soonblick im Kirchenkreis Simmern-Trarbach: Gegen 15 andere Teams setzte sich die Mannschaft am Samstag in der Kölner Soccer World mit 4:3 durch und beendete damit ein nervenzerreißendes Spiel plus Siebenmeterschießen.

Kreischend, jubelnd und hüpfend feiern die eigenen Fans und mitfiebernden anderen Teams die Mannschaft im gelben Trikot, als endlich der Sieger des EKiR-KonfiCup feststeht: Das Endspiel kostete einiges an strapazierten Nerven. Spätestens während des Siebenmeterschießens hatte jede Zuschauerin, jeder Zuschauer in der Halle ernsthaft „Puls“.

Das Team Soonblick, also die Siegermannschaft auf Landeskirchen-Ebene, tritt nun am 1. Mai beim EKD-Finale an. Auf Platz zwei kamen die Mädchen und Jungen aus Leverkusen-Schlebusch.

Der Sieg ist verdient – beide Teams sind völlig verausgabt, aber das nervenstärkere hat gewonnen. Als Hauptpreis heimgebracht wird ein Mannschaftswochenende in Dortmund inklusive eines Besuchs des Deutschen Fußballmuseums und einigen Überraschungen, die natürlich noch nicht verraten werden dürfen. Jetzt greifen alle „Gelben“ erstmal nach ihren Wasserflaschen.

Präses: Fußball von seiner besten Seite

Sieger gibt es nur einen, gewonnen haben alle. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland Manfred Rekowski bringt den Eindruck auf den Punkt, der heute auf alle gewirkt hat: „Das hier ist Fußball von seiner besten Seite. Ohne befremdlichen Kommerz, mit echten Talenten unter den Mädchen und Jungen und als Gemeinschaftserlebnis.“

Während er spricht, wird einer der Spieler mit Schmerzen im Oberschenkel auf dem Arm seines Trainers vom Platz getragen und versorgt. Wie immer im Fußball gibt es auch beim KonfiCup ein paar kleinere Verletzungen, die in der Hitze des Gefechts nicht zu vermeiden sind.

Fans nah dran

Gespielt wird in der Soccer World in Köln-Lövenich, also auf Kunstrasen und auf kleineren, durch grüne Netze von einander abgetrennten Feldern unter Neonröhren. Aber auch wenn die Frühlingssonne nach draußen zieht und die Luft dort entsprechend frischer wäre, liegt der Charme des Hallenturniers auf der Hand – die Fans stehen nur wenige Zentimeter vom Spielfeldrand entfernt und können in ihrer Rolle als zwölfter Mann voll aufgehen.

Und das tun sie auch mit Anfeuerungsrufen, Trommeln, Rasseln und viel Applaus für gelungenes Ballspiel und Fairplay. Wer foult oder sich anderweitig nicht im Griff hat, wird vom Publikum direkt mit Buh-Rufen abgemahnt, ebenso wie von den routinierten Schiedsrichtern.

„Nicht nur Leistung zählt – auch wie man miteinander umgeht“

Auf Fairplay, sprich die gezeigte Haltung und Umgangsweise miteinander legt Manfred Rekowski großen Wert. Seit geschlagenen 53 Jahren ist der Präses BVB-Fan, und auch wenn er es in seiner freien Zeit höchstens noch einmal im Jahr schafft, ins Stadion zu gehen, hat er genügend Spiele verfolgt, um sich vor Ort ein Urteil über spielerische Fähigkeiten wie auch den Sportsgeist erlauben zu können.

Hier beim EKiR-Entscheid ist er zwar offiziell zur Preisverleihung, eigentlich ist dies für ihn aber ein „just for fun“-Termin, wie er es nennt. Er ist gerne dabei und freut sich jedes Jahr auf den Wettkampf. „Hier muss nicht nur Leistung, sondern auch Haltung gezeigt werden“, betont er nachdrücklich von seinem Beobachterplatz im Schatten eines Mannschaftstors.

Auch Stürmerqualitäten

Überzeugend ist für ihn neben dem Engagement der Spielerinnen und Spielern, dem einen oder anderen gekonnten Fallrückzieher und einzelnen Stürmerqualitäten vor allem die gelungene Planung rund um den KonfiCup. „Diesen Event zu organisieren ist allein logistisch eine beeindruckende Leistung“, lobt er die Verantwortlichen und Ehrenamtlichen.

Der reibungslose Ablauf bei den vielen zu bedenkenden Details – von den extra angefertigten Fair-Trade-Bällen bis zu den zu koordinierenden, anreisenden Mannschaften – gibt ihm recht. Ganz nebenbei: Die bei der GEPA bestellten silbernen Bälle, von denen die Gewinnermannschaften jeweils ein Netz mit nach Hause nehmen dürfen, sind ein echter Hingucker.

In diesem Jahr Konfirmation

Nach den Regeln des KonfiCup dürfen nur gemischte Teams mit Spielerinnen und Spielern antreten, die noch in diesem Jahr konfirmiert werden und nach 2004 geboren sind. Gemischt heißt, dass mindestens zwei Mädchen bzw. Jungen im Team sein müssen, sonst darf es nicht antreten. Der SV Hösel aus dem Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann war sogar mit fünf Spielerinnen gemeldet, mehr als in den meisten anderen Teams.

Leider ist eine von ihnen kurzfristig krank geworden. Dass die Mädchenquote so hoch ist, ist immer noch selten. Eines der Mädels spielte vorher schon im Fußballverein, die anderen haben sich überzeugen lassen. „Wir fanden die Idee am Anfang nicht so toll“, gibt eine von ihnen ehrlich zu und strahlt. „Aber das Training machte echt voll Spaß!“

Extra Fußballspielen gelernt

Ihre Mannschaft hat sich bis zum Viertelfinale vorgekämpft, bevor sie ausgeschieden ist. Jetzt sitzen und liegen alle kichernd und reif für die Dusche auf einem freien Spielfeld und können eigentlich gar nicht glauben, dass sie es bis hierhin geschafft haben.

Zwei von ihnen lehnen an der Bande und tickern Freunden per WhatsApp, dass sie fast bis ins Halbfinale gekommen wären. „Dabei haben wir innerhalb von zwei Monaten extra Fußballspielen lernen müssen“, erzählt eine der Konfirmandinnen mit blondem Pferdeschwanz und Zahnspange stolz.

Länger geblieben

„Sonntags haben wir uns getroffen, Basti hat die Mannschaft trainiert und wir sind jedes Mal noch länger geblieben, damit es auch klappt.“ Basti ist schon 19 Jahre alt, Jugendtrainer und sitzt mitten in seinem hochmotivierten Team. „Ich überlege schon, wer im nächsten Jahr mitmachen könnte, wenn jetzt einige nach ihrer Konfirmation ausscheiden“, sagt er. Die Gemeinde kommt wieder.

Elke Wieja, Dezernentin für Kirche und Sport im Düsseldorfer Landeskirchenamt, und Pfarrer Karl Hesse, Leiter der Jugendbildungsstätte Hackhauser Hof, gehören beide zum Organisationsstab des KonfiCup. Sie hören zu, als der Leiter des Jugendreferats im Kirchenkreis Jülich Dirk Riechert die Andacht vor Turnierstart hält. Erstaunlich ruhig und gesammelt sind die 16 Mannschaften vor dem ersten Anpfiff, als er betont, wie wichtig es neben allem Siegeswillen sei, „… den Tag gemeinsam als Kirche zu erleben“.

Mut machen zählt

„Das Miteinander und Fairplay, darum geht es uns nunmal vor allem“, betont Elke Wieja. Der Fairnesspreis außer spielerischer Konkurrenz geht dieses Jahr sogar an zwei Mannschaften, weil es unmöglich war, eine Entscheidung zu treffen. Elke Wieja erklärt, wie ermittelt wurde: „Unter den Zuschauern sind elf jugendliche Beobachter, die anonym bleiben und sich die Spiele nur unter den Gesichtspunkten Fairplay und Haltung ansehen." Geguckt wird ausdrücklich nicht nur auf die Teams, sondern auch auf ihre Fans.

Was das genau heißt, ergänzt Karl Hesse: „Das fängt schon bei der Begrüßung an. Wie begegnet man den Gegnern, wie unterstützt man sich gegenseitig im Team? Und sind die eigenen Fans mitgekommen, um ihrer Mannschaft Mut zu machen oder um die anderen zu demoralisieren? All das sind Punkte, auf die unsere Jurymitglieder so genau schauen, dass manche interessanterweise gar nicht mitbekommen, wie das Spiel selbst ausgeht.“

Fairplay: Übung fürs ganze Leben

Die Mannschaften aus den Kirchengemeinden Köln-Lindenthal und Werdorf fahren beide als Fairness-Sieger nach Hause, mit jeweils 300 Euro im Gepäck, die für einen Gemeinschaftsevent verwendet werden sollen. Der zweite, fehlende Pokal wird nachgearbeitet. Die Teams bestachen durch ihre hervorragende aufbauende Unterstützungsmoral einerseits und ein vorab ausgearbeitetes Konzept, sich selbst einzuwechseln, wenn Einzelne zu erschöpft sind, auf Seiten der anderen Konfi-Mannschaft.

Sie zeigen, dass Ehrgeiz und Rücksichtnahme sich nicht ausschließen. Pfarrer Karl Hesse fasst das so zusammen: „Wie mit etwas schwächeren oder müden Spielern umgegangen wird, wie sehr sie einbezogen oder vielleicht übergangen werden – auch so etwas bestimmt die Stimmung untereinander. Nicht nur Sieg oder Niederlage sind entscheidend auf dem Fußballplatz. Das Turnier hier ist eine hervorragende Fairplay-Übung fürs ganze Leben.“

Ergebnisse im Überblick

Platz 1: Kirchengemeinde Soonblick, Kirchenkreis Simmern-Trarbach
Platz 2: Kirchengemeinde Leverkusen-Schlebusch, Kirchenkreis Leverkusen
Platz 3: Spielgemeinschaft Kirchengemeinden Ehrang und Saarburg, Kirchenkreis Trier
Fairplay-Preise: Köln-Lindenthal, Kirchenkreis Köln-Mitte (gleichzeitig Platz 4), und Kirchengemeinde Werdorf, Kirchenkreis An Lahn und Dill

Ausgespielt wurden die Preise unter 16 Mannschaften. Gesponsort wurde der KonfiCup vom „Versicherer im Raum der Kirchen, Bruderhilfe-Pax-Familienfürsorge“ mit einer Spende in Höhe von 4000 Euro. Die Versicherung stellte für das Finale auch eine Torschussgeschwindigkeitsmessanlage zur Verfügung. Die Spielerinnen und Spieler mit dem höchsten gemessenen „Schwung“ bekamen zur Belohnung ein kleines Präsent.

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ekir.de / Text und Fotos: Claudia Keller / 31.03.2019



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