Kirchentag

Engel auf der Nadelspitze, Jesus am Kreuz

Wie viele Engel fänden Platz auf einer Nadelspitze? Würde sich schon einziger empfindlich pieksen oder brächte Gott in seiner Allmacht eine unendliche Zahl dort unter?

Darum stritten die Scholastiker der frühen Christenheit. Seit zwei Jahren streiten evangelische Christinnen und Christen in Deutschland, ob der grausame Foltertod Jesu als Sühnopfer zur Voraussetzung der Aussöhnung Gottes mit den Menschen zu deuten ist. Der emeritierte Berliner Theologieprofessor Klaus-Peter Jörns bezweifelt das - auch auf dem Kirchentag, wo er mit seinem ebenfalls emeritierten Kollegen Erhard Gesternberger (Gießen) und der rheinischen Vizepräses Petra Bosse-Huber diskutierte. Motto: "Keine Versöhnung ohne Opfer?" Die Vizepräses freute sich: "Wie schön für die evangelische Kirche, dasss wir über Theologie diskutieren können."

Die Theologin warnte davor, überlieferte Glaubenssätze "voreilig und hochmütig über Bord zu werfen". Weiter mahnte sie zu Respekt gegenüber "Menschen, die mit der Vorstellung vom zürnenden, strafenden Gott aufgewachsen sind". Es gebe eben mehr als nur eine Deutung des Todes Jesu. Das Kreuz wirke zwar verstörend und anstößig, sei aber auch ein "Mahnmal, dass wir Menschen in Sünde verstrickt sind". Die eigentliche Botschaft sei, dass Jesus durch die Auferstehung den Tod überwunden habe. 

Alttestamentler Gerstenberger wandte sich gegen jegliche dogmatische Lehrmeinung. Die Bibel kenne eine Vielfalt von Wegen und Ritualen der Versöhnung, mit Blutopfern verbunden ebenso wie unblutige. Jörns meinte, die frühen Christen hätten die Vorstellung der blutigen Sühne gebraucht, um "die Schande, dass ihr Religionsstifter als gewöhnlicher Verbrecher hingerichtet wurde", in den Opfertod umdeuten zu könne. Dieser Gedanke sei in der Theologie der Gegenwart hinfällig. "Was ist das für ein Gott, der so schlecht mit sich selbst umgehen kann, dass er den Tod seines Sohnes braucht, um seinen Zorn zu überwinden?" Opfer zum Ausgleich von Schuld sorgten für neues Leid, nicht für Versöhnung.

"Aus Leidenschaft für uns" heißt die Handreichung der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) zum Thema Kreuzestheologie.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Samstag, 4. Juni 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Samstag, 4. Juni 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / dekt, neu / 04.06.2011



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