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Mit dem Bewilligungsbescheid des Landes, den der Minister mitbrachte, kann die neue Fortbildungsreihe starten: Martina Dhom (v.l.), Annette Fürst, Murtaza Safie, Konrad Wolf, Stefanie Bartlett und Pfarrer Ralf Anacker. Mit dem Bewilligungsbescheid des Landes, den der Minister mitbrachte, kann die neue Fortbildungsreihe starten: Martina Dhom (v.l.), Annette Fürst, Murtaza Safie, Konrad Wolf, Stefanie Bartlett und Pfarrer Ralf Anacker.

Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis An Nahe und Glan

Vor Burnout bewahren, politisch bilden

Stressmanagement und politische Bildung - das kombiniert eine Fortbildung für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit, die häufig von Burnout bedroht sind. Das neue Modell der Erwachsenenbildung startet im Kirchenkreis An Nahe und Glan – finanziell unterstützt durch das Land Rheinland-Pfalz.

Die Bewilligung der entsprechende Mittel des Landes Rheinland-Pfalz für die Fortbildung ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer in der Flüchtlingsarbeit hatte Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, im Gepäck, als er das Pfarramt für Ausländerarbeit des Kirchenkreises An Nahe und Glan besuchte. 3.500 Euro sind nun für eine neue Fortbildungsreihe mit dem Titel „Fluchtursachen verstehen – Flüchtlinge unterstützen“ vorgesehen.

Pfarrer Ralf Anacker, als Skriba der Vertreter des Kirchenkreises, betonte beim Ministerbesuch: „Die Betreuung von Flüchtlingen steht und fällt mit dem Engagement von Ehrenamtlichen.“ Deren Zurüstung sei immer schon ein wichtiger Aspekt der christlich-diakonischen Arbeit des Kirchenkreises gewesen.

Minister: "Dringend notwendig"

Minister Konrad Wolf bezeichnete die Weiterbildung als gesellschaftliche Kernaufgabe, die das Land zusammen mit verschiedenen Trägern, darunter das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Rheinland-Süd, erfülle. Neu in diesem Bereich sei der Aspekt der politischen Bildung. „Die Weiterbildung in Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit ist dringend notwendig“, unterstrich Wolf. Dafür stelle Rheinland-Pfalz jetzt Haushaltsmittel bereit. 

Einen Vorläufer gibt es: Im vergangenen Jahr hatte das Land über sein Programm „Innovative Formate der gesellschaftspolitischen Erwachsenenbildung“ ein Projekt der Ehrenamtsinitiative „Aktiv für Flüchtlinge“ des Ausländerpfarramts gefördert. In fünf ganztägigen Workshops unter dem Motto „Gemeinsam für Flüchtlinge“ vermittelte die Psychologin Annette Fürst Menschen, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit engagieren, Kenntnisse und Strategien zum Umgang mit Stress und Konflikten, stärkte sie in der Fähigkeit, sich auch einmal abgrenzen zu können. Ziel war es, insbesondere Ehrenamtlichen mit eigener Fluchtbiografie ihr Engagement zu erleichtern und sie zu ermutigen, sich aktiv politisch einzubringen.

"Das geht an die Nieren"

Burnout ist leider nicht selten: Als Malteser-Helferin bei der Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft in einer Bad Kreuznacher Turnhalle im Jahr 2015 hat Martina Dhom nach eigenen Worten „sehr berührende und auch bedrückende Dinge erlebt“. Von Fluchterlebnissen traumatisierte Männer, Frauen und Kinder, Konflikte, die mit Gewalt ausgetragen wurden, Versuche, sich das Leben zu nehmen - das sind Eindrücke, die sie auch mit nach Hause nahm. „Das geht an die Nieren.“

Diese Erfahrungen teilt sie mit Murtaza Safie, der selbst vor drei Jahren aus dem Iran floh und jetzt ehrenamtlich als Dolmetscher tätig ist. Darüber hinaus wird er von Flüchtlingsfamilien als Ratgeber, Begleiter oder Lehrer in Anspruch genommen, manchmal rund um die Uhr. Er sagt: „Für uns Helfer ist es ganz wichtig zu lernen, ‚nein‘ sagen zu können, denn in anderen Kulturen gilt das als extrem unhöflich.“

Wie auch Martina Dhom hat Murtaza Safie enorm von der Fortbildung profitiert. Dhom: „Ich sehe das Angebot auch als Wertschätzung für unsere Arbeit.“

Nachhaltige Unterstützung

Die Reihe will das Ausländerpfarramt jetzt weiterentwickeln. Stefanie Bartlett, Leiterin von „Aktiv für Flüchtlinge“: „Wir wollen die Ehrenamtlichen nachhaltig unterstützen, indem wir einen Rahmen geben für Reflexion und Austausch, für Begegnung und persönliche Beziehungen.“

Die neue Fortbildungsreihe soll nach ihren Worten über Fluchtursachen aufklären sowie das Thema Rassismus zur Sprache bringen. Zudem wolle man auch in politische Aktionen – etwas Demonstrationen – einsteigen.

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ekir.de / Marion Unger (Text und Foto) / 01.08.2018



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