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Die zerstörte Ludwigskirche. Foto: Sammlung Fritz Mittelstaedt/Stadtarchiv Saarbrücken Die zerstörte Ludwigskirche. Foto: Sammlung Fritz Mittelstaedt/Stadtarchiv Saarbrücken

Nagelkreuzgemeinschaft

Ludwigskirche wird Nagelkreuzzentrum

Die Saarbrücker Ludwigskirche wird zum 75. Jahrestag ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg Teil der Internationalen Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry. „Das ist ein Zeichen der Verbundenheit“, sagt Pfarrer Thomas Bergholz. Und dies sei auch eine Selbstverpflichtung der Kirchengemeinde, das Thema Versöhnung wachzuhalten.

Die ökumenische Nagelkreuzgemeinschaft sei durch „die ausgestreckte Hand der Versöhnung“ Coventrys ausgegangen, nachdem die deutsche Luftwaffe die englische Stadt im November 1940 in Schutt und Asche gelegt hatte, betonte Bergholz. Noch während des Krieges hätten der damalige Dompropst und seine Nachfolger auf Versöhnung gesetzt.

Der damalige Pfarrer Arthur Wales formte den Angaben zufolge aus drei Zimmermannsnägeln aus den Dachbalken der verbrannten mittelalterlichen Kathedrale ein „Nagel-Kreuz“. Die heutige Coventry Cathedral, die neben den Ruinen des Vorgängerbaus errichtet wurde, ist der Sitz des anglikanischen Bischofs von Coventry und der Diözese.

Beim Festgottesdienst am 6. Oktober in der Saarbrücker Ludwigskirche werde ein Vertreter aus Coventry ein solches Kreuz überreichen, welches seinen festen Platz in der Ludwigskirche finden werde, sagt Bergholz. Die britischen Luftstreitkräfte hatten in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober 1944 Alt-Saarbrücken in weitgehend zerstört und dabei auch die Ludwigskirche schwer getroffen. Die Kirche und fast alle Häuser am Platz brannten nieder.

„Der Aufbau war schwierig und langwierig“, erzählt Thomas Bergholz. Noch heute fehlten einzelne Figuren auf dem Dach der Ludwigskirche. „Aber auch viele andere Wunden und Zerstörungen brauchten lange, bis ein normales Leben wieder möglich war.“

Solch einen Krieg dürfe es nicht mehr geben, so Bergholz. „Deshalb beten wir schon seit 2017 jeden Samstag in unserm Mittagsgebet die sogenannte Nagelkreuz-Litanei. Mit der Aufstellung einer damals zerstörten Figur in der Ludwigskirche wollen auch wir einen Beitrag dazu leisten, dass aus dem Leid der Vergangenheit Versöhnung und Frieden wachsen kann.“

„Das Saarland war das letzte Bundesland in dem es bisher kein Nagelkreuzzentrum gab“, erklärt Bergholz.  Weitere evangelische Nagelkreuzzentren auf dem Gebiet der rheinischen Kirche sind in Nordrhein-Westfalen: die Kreuzeskirche in Essen, die Antoniter-Citykirche in Köln, die Hauptkirche Rheydt in Mönchengladbach und die Gemarker Kirche in Wuppertal.

 

Begleitende Veranstaltungen in der Ludwigskirche

 

Ausstellung mit historischen Fotos und Zeitzeugenberichten. Bilder und Texte aus dem Jahr 1944/45 und der Zeit des Wiederaufbaus. Geöffnet bis 18. Oktober, Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

 

Zeitzeugengespräch über die Kriegszeit in Saarbrücken, Donnerstag, 3. Oktober, 11 Uhr. Weitere Zeitzeugen sind willkommen. Weitere Infos bei  Iris Fohr vom Verein „Freunde der Ludwigskirche“ , Telefon 0157 89390298.

 

Musikalische Gedenkstunde mit Statements von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Gesellschaft, Samstag, 5. Oktober, 18 Uhr. Erwartet werden: die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), der neue Oberbürgermeister der Stadt Saarbrücken, Uwe Conradt, und die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger. Umrahmt wird die Feier unter anderem von der Kantate „Dona nobis pacem“ (Gib uns Frieden) von Ralph Vaughan Williams, die er 1936 als Antwort auf die Schrecken des 1. Weltkriegs geschrieben hatte. Es singen und musizieren Ruth Ziesak (Sopran) und Peter Schöne (Bariton), der Figuralchor der Ludwigskirche und der Rheinland-Pfalz International Choir sowie die Kammerphilharmonie Mannheim, Leitung: Ulrich Seibert

 

Festgottesdienst mit Überreichung des Nagelkreuzes durch einen Vertreter der Kathedrale aus Coventry, Samstag, 6. Oktober, 10 Uhr.  Predigt: Hans-Dieter Osenberg. Der Figuralchor singt Motetten von Charles Villiers Stanford.

 

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ekir.de / epd, evks, red / 23.09.2019



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