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Evangelischer Raiffeisenkongress in Bonn eröffnet/#raiffeisen18ekir

Präses Rekowski: „In Genossenschaften schlummert viel Potenzial“

Pressemitteilung Nr. 98/2018

Bonn. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, hat zu Beginn des Evangelischen Raiffeisenkongresses die Bedeutung des Genossenschaftswesens für Kirche, Wirtschaft und Gesellschaft hervorgehoben. „Der Genossenschaftsgedanke überzeugt mich, weil er eine Einflussnahme auf die Steuerung eminent wirtschaftlicher Aktivitäten möglich macht“, sagte Präses Rekowski heute Vormittag zur Eröffnung des Raiffeisenkongresses, der am 18. und 19. Juni in Bonn stattfindet. Gerade von Genossenschaftsgründer Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818–1888) seien wichtige Impulse ausgegangen. „Ich sympathisiere sehr mit dem genossenschaftlichen Ansatz von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, weil er Menschen in Not nicht entmündigt, sondern weil er sie unterstützt und befähigt.“

Da Raiffeisen als „evangelischer Christenmensch“ in Genossenschaften nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ gehandelt habe, sei er „nicht nur der Kirche, sondern auch der sozialen Arbeit praktisch und konzeptionell“ weit voraus gewesen, sagte Rekowski in seinem Grußwort vor rund hundert Anwesenden beim Raiffeisenkongress im Bonner Gustav-Stresemann-Institut. Erst in den 1980er-Jahren seien Konzepte wie das sogenannte Empowerment entwickelt worden; es zielt darauf ab, Menschen zu Autonomie und Selbstbestimmung zu verhelfen. „In der Kirche und ihrer Diakonie wächst erst langsam aus der Idee einer ‚Kirche für andere’ die einer ‚Kirche mit anderen’“, sagte Rekowski. „Da gibt es keine paternalistische Vorherrschaft mehr, kein Besser-Wissen oder Besser-Können.“

Vorausschauend gedacht, aber auch in seiner Zeit verhaftet

So sehr Raiffeisen mit seinen Ideen vorausschauend gedacht und gehandelt habe, so sehr sei er andererseits in seiner Zeit verhaftet gewesen, sagte Präses Rekowski. Bei seiner Kritik an den Profiteuren von Menschen in Not habe der christliche Sozialreformer aus dem Westerwald im 19. Jahrhundert „antisemitische Klischees übernommen und in einer Weise antisemitisch argumentiert, wie es – jedenfalls für die evangelische Kirche heute – nicht akzeptabel ist“. Zu Respekt und Würdigung des Werkes und der Person Friedrich Wilhelm Raiffeisens gehöre daher auch, „seine Grenzen und das, was wir heute als Kirche nicht mittragen können, zu benennen“.

Potenziale für Kirchengemeinden

Durch die Beschäftigung mit Raiffeisen sei die eigene Sympathie für Genossenschaften „sowohl differenziert als auch vertieft“ worden, sagte Rekowski. „Ich staune, welche Potenziale hier schlummern, und sehe Chancen und Herausforderungen für unser kirchliches Handeln.“ Kirchengemeinden könnten sich beispielsweise noch stärker in Genossenschaften engagieren, um beispielsweise Menschen in Notlagen zu Selbsthilfe zu ermutigen. „Um solche kreativen Ideen unterstützen zu können, müssen wir im Landeskirchenamt selber noch wesentlich kreativer werden. Aber dazu bin ich wild entschlossen.“

Mit dem Evangelischen Raiffeisenkongress erinnert die Evangelische Kirche im Rheinland zum 200. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Raiffeisen an den christlichen Sozialreformer und Genossenschaftsgründer. Veranstalter der internationalen und interdisziplinären Tagung ist die Evangelische Akademie im Rheinland in Kooperation mit dem Sozialwissenschaftlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Stiftung Sozialer Protestantismus und dem Seminar für Genossenschaftswesen der Universität Köln.

Das Thema der Tagung lautet „Teilhabe und Teilnahme – Zukunftspotenziale der Genossenschaftsidee“. In fünf Themensträngen diskutieren mehr als 30 Fachleute aus Wissenschaft und Praxis, aus Genossenschaftsverbänden und Genossenschaften, aus Diakonie, Entwicklungsarbeit, Finanzwirtschaft und Kirchenorganisation sowie aus Ökonomie und Theologie über die Zukunft der Genossenschaftsidee. Der Schwerpunkt liegt auf neueren Entwicklungen von Genossenschaften, vor allem im Bereich der Sozialwirtschaft, sowie auf Formen nachhaltigen und selbstbestimmten Wirtschaftens etwa in der Finanz- und Energiewirtschaft, im Welthandel und der partizipativen Quartiers- und Gemeindegestaltung. Zugleich wird an Raiffeisens Frömmigkeit als Grundlage für sein ökonomisches und soziales Engagement erinnert.

Die Evangelische Akademie im Rheinland und die Social-Media-Redaktion der Evangelischen Kirche in Deutschland twittern unter dem Hashtag #raiffeisen18ekir über den Kongress.

Mehr Informationen zu Friedrich Wilhelm Raiffeisen und zum Evangelischen Raiffeisenkongress: raiffeisen.ekir.de

 

Hinweis an die Redaktionen: Das Grußwort von Präses Manfred Rekowski hängt zu Ihrer Verwendung an. Bitte beachten Sie Sperrfrist und Wortlautvorbehalt!

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Bonn / EKiR-Pressestelle / 18.06.2018



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