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Landessynode: Erinnerung an wechselvolle gemeinsame Geschichte

Gedenkzeremonie für Kirchen in Südafrika mit rheinischen Wurzeln

Pressemitteilung Nr. 18/2019

Bad Neuenahr. Mit „Ceremony of Remembrance“, einer Zeremonie des Gedenkens, hat die Evangelische Kirche im Rheinland ihre neuen Partnerkirchen in Südafrika  auf der Landessynode 2019 willkommen geheißen. Die Rhenish Church in South Africa (RCSA) und die Uniting Reformed Church in Southern Africa (URCSA) gehören seit September zur Vereinten Evangelischen Mission (VEM) und sind damit offizielle Partnerkirchen.

Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, Leiterin der Abteilung der Theologie und Ökumene, erklärte, dass es „angesichts der bewegenden Geschichte der südafrikanischen Kirchen eines besonderen Willkommensgrußes bedarf, der Zeit gibt für die nicht immer leichten Erinnerungen und die Gelegenheit, diese Erinnerungen vor Gott zu bringen.“

„Eine schmerzvolle Erfahrung“

Die Gedenkzeremonie beinhaltete neben einem gemeinsamen Ruf zum Gebet, einen Interviewteil, in dem die Journalistin Bettina von Clausewitz mit Vertretern der südafrikanischen Kirchen einen Blick auf die Geschichte warf. Mit dabei waren auch der VEM-Generalsekretär Volker Dally, ein Vertreter der rheinischen Kirche Hongkongs und der Doktorand Malte Stollewerk, der die Geschichte der rheinischen Kirche in Südafrika erforscht.

Denn die südafrikanischen Partnerkirchen, oder zumindest Teile ihrer Gemeinden, haben rheinische Wurzeln. Diese gehen auf die „Rheinische Missionsgesellschaft“ zurück, die im Jahr 1829 ihre Arbeit in Südafrika aufnahm und in der Region Kapstadt mehrere Missionsstationen geründete. In den nächsten 100 Jahren entstanden um die 20 Gemeinden. In den 1930-er Jahren kam dann der schmerzvolle Umbruch: Die „Rheinische Missionsgesellschaft“ zog sich aus Südafrika zurück und übergab ihre Gemeinden an die Niederländisch-Reformierte Kirche, eine Kirche, die die Apartheidsregierung stützte.

„Es war eine schmerzvolle Erfahrung“, erklärt Tommy Solomons von der RCSA. „Unsere geistlichen Mütter und Väter haben uns verlassen und als Waisen zurückgelassen.“ Die schwarzen Gemeinden hatten kein Mitspracherecht und der als großer Vertrauensbruch empfundene Schritt hatte geistliche und wirtschaftliche Folgen:  „Wir haben unsere Identität und unseren Besitz verloren. Die Kirche hat das gleiche mit uns gemacht wie die Apartheidsregierung.“

Volker Dally, Generalsekretär der VEM, die ihre Ursprünge in der „Rheinischen Missionsgesellschaft“ hat, erklärte, dass die Entscheidung, die Gemeinden an die Niederländisch-Reformierte Kirche zu übergeben, von der Vollversammlung in Deutschland getroffen wurde – und gegen den Willen der Gemeinden und der Missionare in Südafrika. „Die Missionsgesellschaft war in einer komplizierten finanziellen Situation. Sie musste ihren Haushalt konsolidieren und dafür Missionsgebiete abgegeben“, so Dally.

Dass diese Geschichte zur Sprache kommt und in der Gedenkzeremonie durch ein Versöhnungsritual mit Wasser und Öl vor Gott gebracht wurde, bedeutet den afrikanischen Partnern viel: „Es werden die Missetaten der Vergangenheit zugegeben und  wir drücken die Bereitschaft aus, eine neue Beziehung zu beginnen“, sagt Tommy Solomons.

Llewellyn MacMasters, Moderator der URCSA, ergänzt: „Ich finde es wichtig,  kritisch zurückzublicken. Und gemeinsam nach vorne zu sehen. Wir sind eine Kirche Christi. Die Welt stellt uns vor Herausforderungen, denen wir uns als Kirchen gemeinsam stellen müssen.“

 

 

 

 

 

Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland tagt vom 6. bis 11. Januar 2019 in Bad Neuenahr. Sie ist das oberste Leitungsgremium der mit mehr als 2,5 Millionen Mitgliedern zweitgrößten Landeskirche in Deutschland. Die Synode hat 206 stimmberechtigte Mitglieder (sowohl Theologinnen und Theologen als auch Nichttheologinnen und -theologen) aus den 37 Kirchenkreisen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland.

 

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Bad Neuenahr / EKiR Pressestelle / 11.01.2019



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