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Der Posaunenchor Friedrichsthal bei der Probe. Der Posaunenchor Friedrichsthal bei der Probe.

Rheinischer Landesposaunentag

Eine große Bläserfamilie

Der Posaunenchor Friedrichsthal übt das Stück „Nun jauchzt dem Herrn alle Welt“. Sie bereiten sich auf den rheinischen Landesposaunentag vor. Vom 24. bis 26. Mai treffen sich in Trier unter dem Motto „HimmelHochJauchzen“ mehr als 400 Bläserinnen und Bläser aus allen Regionen der Evangelischen Kirche im Rheinland.  

Chorleiterin Andrea Lehmann gibt den Einsatz. Chorleiterin Andrea Lehmann gibt den Einsatz.

Jeden Dienstag kommen die Friedrichsthaler Bläserinnen und Bläser zur Chorprobe im Lutherhaus der saarländischen Kirchengemeinde zusammen. 27 Aktive zählt der 1952 gegründete Chor aktuell, inklusive der Jungbläser. So nennt man die Anfänger, egal welchen Alters. „Wir sind einer der größten Chöre im Saarland“, berichtet Chorleiterin Andrea Lehmann. Die 47-Jährige leitet den Posaunenchor seit 2002. Schon mit 14 Jahren hat sie mit dem Posaunenspiel angefangen.

Heute ist sie selbst die Chefin, leitet im Auftrag der Kirchengemeinde die Chorproben und bildet auch den Nachwuchs aus. Letzteres ehrenamtlich. „Wir bieten den Musikunterricht kostenlos an“, sagt sie. Die Kirchengemeinde stellt Instrumente und Noten zur Verfügung und bezuschusst Lehrgänge.

Nachwuchswerbung wird schwieriger

Trotzdem wird es zunehmend schwieriger, Bläsernachwuchs zu gewinnen. Kindern und Jugendlichen stünden heute viel mehr Freizeitangebote zur Auswahl, der Schulunterricht sei zeitlich umfangreicher und kirchliche Angebote hätten es heute schwerer, sagt Andrea Lehmann. „Viele können sich unter einem Posaunenchor nichts mehr vorstellen“, bedauert sie. Deshalb bietet sie Schnuppernachmittage an und macht Werbung in der Grundschule. Jungbläser finden sich inzwischen hauptsächlich über die persönliche Schiene – ältere Mitglieder bringen ihre Kinder und Enkel mit, oder auch umgekehrt Kinder ihre Mütter oder andere Verwandte und Freunde.

Von Chorälen bis Pop

Claudia Lehmann-Heck Claudia Lehmann-Heck

Im Chor erklingen nicht mehr nur Posaunen, sondern auch Trompete, Tuba und Horn. Auch das Repertoire hat sich gewandelt. Neben der Kirchenmusik mit Chorälen und klassischen Stücken stimmen die Musikerinnen und Musiker heute öfter mal jazzige Rhythmen, Filmmusiken oder Poparrangements an. „Als Jugendliche war ich eine Exotin als Posaunenbläserin, die Kirchenmusik macht. Ich musste mein Hobby mitunter gegen Einwände verteidigen“, erzählt Claudia Lehmann-Heck. Als sie 1982 mit 16 in den Friedrichsthaler Posaunenchor kam, war sie erst die zweite Frau, die mitspielen durfte.

Frauen durften nicht mitspielen

Lange Jahre waren Posaunenchöre reine Männersache. „Damals galt in den Kirchengemeinden: Männer spielen im Posaunenchor, Frauen singen im Kirchenchor“, erzählt die 52-jährige Zahnärztin. Ihr machte das Posaunenblasen von Anfang an großen Spaß. „Der Probendienstag war heilig für mich“, sagt Lehmann-Heck.

Heute gehört sie zu den Routiniers im Chor, spielt auch im Bezirkschor Saar. Das ist ein Auswahlchor, den Landesposaunenwart Jörg Häusler leitet. Rund 200 Posaunenchöre mit 2000 Mitgliedern gehören zum Posaunenwerk der Evangelischen Kirche im Rheinland; seit 1986 ist es ein eingetragener Verein. In diesem Jahr blickt er auf sein 70-jähriges Bestehen zurück.

Typisch evangelisch

„Posaunenchöre sind eine typisch evangelische Form der Kirchenmusik“, erläutert der Landesobmann des rheinischen Posaunenwerks, Friedemann Schmidt-Eggert. Sie entstanden im Umfeld der Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts und waren Teil der Jugendarbeit des Pietismus. „Die Bläserchöre hatten von Beginn an den Auftrag, Jugendlichen den Glauben näher zu bringen und mit ihrem Spiel in der Öffentlichkeit für die Ideale und Ziele des christlichen Glaubens zu werben“, so Schmidt-Eggert.

Organisatorisch waren die Posaunenchöre der Diakonie zugeordnet und nahmen nur Männer auf. Ihr Auftrag war die Volksmission. Erstaunlicherweise durften sie lange Zeit nicht im Gottesdienst spielen, galten als zu laut. „So warteten die Chöre vor den Portalen und spielten nach dem Gottesdienst“, erzählt Schmidt-Eggert.

Freundschaften und Ehen gestiftet

Anne Altmeyer Anne Altmeyer

Der Friedrichsthaler Posaunenchor hat seine festen Einsätze in der Kirchengemeinde. Gespielt wird in den Gottesdiensten zur Konfirmation, zu Ostern, an Weihnachten, am Reformationstag und an Erntedank. Jedes Jahr im Advent gibt der Chor ein Konzert. Was die Aktiven zusammenhält, ist neben der Freude am Musizieren das Gemeinschaftserlebnis. „Wir sind eine Bläserfamilie. Im Chor geht es sehr familiär zu, es entstehen Freundschaften und es wurden auch schon Ehen geschlossen. Und das ist nicht nur bei uns in Friedrichsthal so“, sagt Andrea Lehmann.

Auch Anne Altmeyer ist froh, „dass ich in dieser Gruppe gelandet bin“. Die Schülerin suchte eine Möglichkeit Musik zu machen und kannte Chorleiterin Lehmann aus der Nachbarschaft. Seit 2011 spielt sie nun Trompete im Chor. Sie ist „stolz darauf“, denn das sei „in jedem Fall etwas Besonderes“, sagt die 17-Jährige. Sie freut sich schon auf den Landesposaunentag. Zehn Bläserinnen und Bläser aus Friedrichsthal werden teilnehmen und beim Festgottesdienst am Sonntag, 26. Mai, 12 Uhr, in der Trierer Basilika mit 400 anderen Bläsern ihre Instrumente erklingen lassen.

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ekir.de / Ulrike Klös / 24.05.2019



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