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Jugendsynode

Gutes und gleichberechtigtes Miteinander

Mit fünf Beschlüssen an die Landessynode verabschiedet sich die erste Jugendsynode der rheinischen Kirche aus Bad Neuenahr. Die Bilanz fällt positiv aus: Von der Jugendsynode gehe ein „dickes Signal“ für mehr Beteiligung der jungen Generation aus, erklärte Präses Manfred Rekowski bei der abschließenden Pressekonferenz.  

Eine positive Bilanz der ersten Jugendsynode der Evangelischen Kirche im Rheinland ziehen Präses Manfred Rekowski und die stellvertretende Vorsitzende der Evangelischen Jugend im Rheinland, Fiona Paulus. „Es war ein unglaublich gutes und gleichberechtigtes Miteinander. Jeder konnte seine Meinung vertreten und wurde von den anderen ernstgenommen“, erklärte Fiona Paulus bei der Pressekonferenz am Sonntagmittag in Bad Neuenahr.

Dem stimmte auch Präses Rekowski zu. Bereits die Vorbereitung der Jugendsynode sei immer paritätisch abgelaufen, hob er hervor. „Von der Landeskirche ist nichts vorgegeben worden.“ Er sieht ein Geheimnis des Erfolgs der Jugendsynode im Zusammenbringen der unterschiedlichen Generationen. „Dabei haben wir gemerkt, dass wir manchmal die Bilder voneinander korrigieren und die unterschiedlichen Erfahrungswelten miteinander ins Gespräch bringen müssen.“

Am Ende bündelten sich die Gespräche und Beratungen in fünf Beschlüssen, die die Jugendsynode den Landessynodalen mit auf den Weg gaben:  

Partizipation

Um verbindliche Formen der Teilhabe junger Menschen in ihrer gemeindlichen Arbeit und in ihren Gremien geht es im ersten Beschluss der Jugendsynode zum Thema Partizipation. Die Jugendsynode schlägt der Landessynode vor, mit fünf Kirchenkreisen drei Jahre lang innovative Modelle zur Partizipation junger Menschen zu erproben. Zudem hofft sie, dass Kirchenkreise künftig mehr junge Menschen zur Landessynode entsenden werden. Alle Gemeinden sollen darüber hinaus verbindlich Jugendausschüsse einsetzen, die hälftig aus jungen Menschen bestehen.

„Zum einen sollen in kirchenleitenden Gremien mehr junge Menschen sitzen“, erklärt Fiona Paulus.  „Andererseits sollen in den Gremien, in denen vor Ort über finanzielle Mittel, Aufgaben und Ziele der Jugendarbeit entschieden wird, 50 Prozent der Menschen beteiligt sein, die das betrifft.“

Kinder- und Jugendarbeit

Die Jugendsynode setzt sich zudem für die finanzielle und personelle Sicherung der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit vor Ort ein. Dies gelte besonders für den ländlichen Raum, wo Kinder- und Jugendarbeit aufgrund sinkender Mitgliederzahlen und weiten Entfernungen immer schwieriger werde, erklärt die stellvertretende Vorsitzende der Evangelischen Jugend im Rheinland. Hier solle die Landessynode Unterstützungsmöglichkeiten prüfen, die – so die Überlegung der Jugendsynode – in Anschubfinanzierungen, Budgets, Co-Finanzierungen oder Fundraising liegen könnten. Zudem soll für alle beruflich Tätigen in der Kinder- und Jugendarbeit ein verbindliches Qualifikationsniveau vorgeschrieben werden.

Jugend- und Familienarmut

Zu verstärktem Engagement gegen Kinder-, Jugend- und Familienarmut fordert die Jugendsynode die Evangelische Kirche im Rheinland auf. Unter anderem soll sie sich für niederschwellige lokale Servicestellen einsetzen, die Kinder, Jugendliche, Eltern und Familien beraten und unterstützen. „Im Moment gibt es ganz viele Stellen, die einzeln angelaufen werden müssen, das ist eine Schwelle, die es für viele schwierig macht“, sagt Fiona Paulus. Auch die eigenen Angebote nehme der Beschluss in den Blick: Dort, wo der Kontakt zu betroffenen Kindern und Jugendlichen bestehe, müssten Wege gefunden werden, die Menschen zu erreichen, ohne sie zu Bittstellern zu machen.

Geflüchtete an den EU-Außengrenzen

Neben diesen Themen debattierten die Delegierten der Jugendsynode auch über zwei Vorlagen der Landessynode, deren Anmerkungen nun in die Tagung der Landessynode einfließen werden. So beschäftigte die Teilnehmenden vor allem das Schicksal unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. In ihrem Beschluss fordert die Jugendsynode die Gemeinden ihrer Kirche auf, im Vorfeld der Europawahl im Mai 2019 das Gespräch mit Politikerinnen und Politikern zu suchen und sie für die besondere Schutzbedürftigkeit dieser jungen Menschen zu sensibilisieren. „Die Jugendsynode hat hier noch einmal einen deutlichen Akzent gesetzt und eine Akzentverschiebung in der Vorlage angeregt“, sagt Präses Rekowski. „Ich bin gespannt, was in den synodalen Beratungen daraus wird.“

Gemeindeformen

Viel Lob für die Landessynode und die Kirchenleitung gab es zum Stichwort „Gemeindeformen“. Die Jugendsynode schließt sich der Entwicklung neuer Gemeindeformen an. Dazu sollen über einen befristeten Zeitraum jährlich 500.000 Euro Anschubfinanzierung für Erprobungsräume zur Verfügung gestellt werden. Die Landessynode hat nun im Einzelnen über Mittel für die Finanzierung, auch von Pfarrstellen, sowie Richtlinien für deren Vergabe und eine Projektstelle zur Koordinierung zu entscheiden. Die Jugendsynode hat der Landessynode zudem aufgetragen, im Vergabegremium auch junge Menschen sowie die Evangelische Jugend im Rheinland zu beteiligen.

Mehr Raum und Gestaltungsmöglichkeiten

Rekowski räumte ein, dass der jungen Generation bisher zu wenig Raum und Gestaltungsmöglichkeiten gegeben worden sei. Die Jugendsynode sei ein „dickes Signal“, dass sich dies nun ändern solle. Wie sich die Zusammenarbeit zwischen Jugend und Landeskirche in Zukunft gestalten und ob es noch einmal eine Jugendsynode geben werde, darüber wollen die Beteiligten im Gespräch bleiben. „Unser Anspruch ist“, erklärt Fiona Paulus, „zu gewährleisten, dass das Thema dauerhaft auf dem Tisch bleibt“.

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ekir.de/sbe / 06.01.2019



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