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Präses Manfred Rekowski darf sich als Spender auf einem Holzplättchen verewigen, denn die Hälfte der Kollekte aus dem Eröffnungsgottesdienst der Synode geht an das Projekt. Präses Manfred Rekowski darf sich als Spender auf einem Holzplättchen verewigen, denn die Hälfte der Kollekte aus dem Eröffnungsgottesdienst der Synode geht an das Projekt.

Diakonisches Projekt

„Ich komme hierher und mir wird geholfen“

Eine alte Gastronomie als Begegnungsstätte: Im „:Kerit“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler treffen sich einsame und sozial benachteiligte Menschen. Präses Rekowski stattete der Einrichtung am Rande der Diakonie-Synode einen Besuch ab - und verewigte sich mit einer Holzplatte.

Früher war das „:Kerit“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler mal ein Gasthaus. Heute erinnern daran noch der thekenähnliche Aufbau im Foyer und der direkte Durchgang zur großen Küche. Bis vor kurzem stand dort auch noch ein Schreibtisch. Aber der ist jetzt im Aufenthalts- und Ruheraum, berichtet Karl-Peter Gerigk, der für die Informationen über das ökumenische Projekt zuständig ist. Früher hätten die Menschen sonst immer gedacht: „Ach, jetzt bin ich beim Amt.“ Doch genau das sollen sie nicht sein. Es geht um einen niedrigschwelligen Treffpunkt für einsame und sozial benachteiligte Menschen.

Wer häufig kommt, muss mithelfen

„Ich komme hierher und mir wird geholfen“ sei das Gefühl, das die Einrichtung vermitteln wolle, betont Gerigk. Durchschnittlich kämen rund 20 Menschen pro Tag. Zusammen mit den Ehrenamtlichen hielten sie das Projekt am Leben. Denn wer häufig komme, von dem werde auch erwartet, sich beim Putzen oder Aufräumen zu beteiligen. Auch gibt es in dem Haus eine Art WG mit sieben Zimmern, die zurzeit alle belegt sind.

Hinter dem Haus befindet sich laut Gerigk „unser kleiner Park“ mit einem großen, im Sommer schattenspendenden Nussbaum, einem Holunderstrauch für selbst gemachten Saft und einem Hochbeet zur Selbstversorgung etwa mit Küchenkräutern.

Möglichkeiten zum Duschen und zum Handy aufladen

Außerdem gibt es noch einen Speisesaal, einen Aufenthaltsraum mit E-Orgel und einen Waschraum mit Dusche, Waschmaschine und Bügeleisen. Letztere biete vor allem Clochards, also Obdachlosen, eine Möglichkeit zum Duschen und Wäsche waschen, berichtet er. Marion Eisler vom Diakonischen Werk des Koblenzer Kirchenkreises ergänzt, dass es sonst im ganzen Kreis Ahrweiler keine Duschmöglichkeit gebe.

Überhaupt sei die Situation für viele Menschen schwierig, berichtet sie. Eine Fahrt von Neuenahr bis Ahrweiler koste mit den öffentlichen Verkehrsmitteln drei Euro. Das könnten sich viele nicht leisten, was somit auch Menschen vom Projekt ausschließe. Es brauche einen funktionierenden öffentlichen Nahverkehr, fordert sie. Zudem müsse Wohnraum wieder bezahlbar sein.

 Der Name „:Kerit“ erinnert an einen Bach in der Bibel

Es könne auch nicht sein, dass der Hartz IV-Satz um ein paar Euro steige, die Stromkosten dann aber gleichzeitig um ein Vielfaches. Im „:Kerit“ gibt es demnach auch für von Stromsperren Betroffene die Möglichkeit, ihre Handys aufzuladen. Der Name soll an den Bach Kerit oder Krit aus dem Alten Testament der Bibel erinnern, der den Propheten Elia während einer großen Trockenheit mit Wasser versorgte. Gleichzeitig stehen die einzelnen Buchstaben auch für „kommunizieren, engagieren, ratgeben, innehalten, tun“. Im September wurde es offiziell eröffnet.

Die Evangelische Kirchengemeinde Bad Neuenahr und Pfarreien der Pfarreiengemeinschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler tragen das Projekt und kooperieren dabei mit dem Dekanat Ahr-Eifel des Bistums Trier sowie Diakonie und Caritas. Die Deutsche Fernsehlotterie und der Arbeitslosenfonds der Evangelischen Kirche im Rheinland fördern es.

Breites Angebot mit Gesprächen, Gruppen und Sozialberatung

Zu den Angeboten zählen Gespräche und Gruppenarbeiten, eine Strick-Bastelgruppe, Vorträge etwa zur Patientenverfügung oder zur Vorsorgevollmacht sowie Plätzchenbacken im Advent. Eine Sozialberatung unterstützt die Menschen zudem mehrmals in der Woche - etwa bei Schwierigkeiten mit Behörden oder der wirtschaftlichen Haushaltsführung.

Ein Großteil der Möbel sind Spenden, auch die Blumen im Speiseraum oder die Hygieneartikel. Selbst eine 100 Jahre alte Waschschüssel hat eine Nachbarin zur Verfügung gestellt.

Spenden erhält das Projekt auch von der zurzeit tagenden Landessynode der rheinischen Kirche. Denn die Hälfte der Kollekte aus dem Eröffnungsgottesdienst geht an „:Kerit“ – 1.347,23 Euro bleiben somit an der Ahr. Präses Manfred Rekowski nutzte die Gelegenheit, um sich selbst ein Bild zu machen. Er durfte sich auch gleich auf dem Spendenbaum verewigen. Mehrere kleine Holzplatten bilden diesen - auf jeder steht der Vorname eines Spenders oder einer Spenderin.

Info

Das :Kerit hat montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, samstags sowie sonntags von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Die allgemeine Sozialberatung ist montags, dienstags und donnerstags von 9 bis 11.30 Uhr möglich.

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ekir.de / Marc Patzwald (epd), Foto: Hans-Jürgen Vollrath / 14.01.2020



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