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Pskow, Kreml mit der Dreifaltigkeitskathedrale Pskow, Dreifaltigkeitskathedrale

Gedenken an deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941

Schwärzester Tag

"Ich war bestürzt: An dem schwärzesten Tag unseres Landes sollten wir eine deutsche Gruppe in unserer Stadt empfangen?" Nicht unsteinig begann der Versöhnungsweg schon in der Vorbereitung des Gedenkens am 22. Juni 1991, wie diese Worte des früheren Vizebürgermeisters der russischen Stadt Pskow deutlich machen.

Diskussion im Theater von Pskow, Versöhnungsreise, Juni 1991 Diskussion im Theater von Pskow, Versöhnungsreise, Juni 1991

Doch so kam es: Am schwärzesten Tag, genau 50 Jahre nach dem Überfall von Nazi-Deutschland auf die damalige Sowjetunion, nahmen Vertreterinnen und Vertreter der Evangelischen Kirche im Rheinland an den Gedenkfeiern in Pskow teil. Eine Versöhnungsreise, mit dem damaligen Präses Peter Beier an der Spitze der Delegation. Und eine Reise, die bis heute Früchte trägt, denn die Verbindungen sind geblieben, ja gewachsen. Bis heute, Jahrzehnte nach Beginn des "Unternehmens Barbarossa", wie der Deckname des NS-Regimes für den Angriffskrieg lautete.

Das Archiv der rheinischen Kirche hat einige Fotos von der Reise 1991 aufgewahrt, darunter auch eines aus dem Pskower Theater. Über der Bühne hängt ein Plakat, ein ins Bild gesetzter Friedenstraum: Aus dem umgekehrten Soldatenhelm erwachsen Blumen, aus ihm steigt die Friedenstaube auf.

Präses Peter Beier (vorn v. l.), Landeskirchenrat Erich Anders und Erzbischof Wladimir. Präses Peter Beier (vorn v. l.), Landeskirchenrat Erich Anders und Erzbischof Wladimir.

Vorangegangen war der Reise im Januar 1991 ein Beschluss der Landessynode, dem höchsten Entscheidungsgremium der rheinischen Kirche. "Die damals den Menschen in der Sowjetunion zugefügten Wunden sind bis heute nicht vernarbt", heißt es im dem Wort zum 50. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion, dem Millionen zum Opfer fielen. Erst mit der Kapitulation vom 8. Mai 1945 endete der Krieg.

Gedenken am Ehrenmal in Pskow, 22. Juni 1991, am Mikrofon Präses Peter Beier. Gedenken am Ehrenmal in Pskow, 22. Juni 1991, am Mikrofon Präses Peter Beier.

Die Landessynode erinnerte auch an den folgenden Kalten Krieg: "Als Waffen schwiegen, wurde dennoch nicht Friede." Der Fall des Eisernen Vorhangs dagegen, die Grenzöffnungen und das Ende der Konfrontationen galt den Synodalen 1991 als "Wunder vor unseren Augen".

Das Wort ist deshalb auch ein Wort des Dankes: "Dieser Dank soll heute Früchte tragen. Wir wollen die zur Versöhnung ausgestreckten Hände ergreifen, eigene Schuld bekennen und zugefügtes Leid verzeihen." Gesagt, getan. Durch die Versöhnungsreise gleich im folgenden Juni geschah dann aber noch etwas Wunderbares.

Denn: Den Worten sollten auch Taten folgen, fanden etliche, die im Juni 1991 in Pskow dabei waren. Einer von ihnen ist der heutige Ehrenbürger von Pskow und rheinische Theologe Klaus Eberl, Mitbegründer des Heilpädagogischen Zentrums (HPZ) in Pskow, die Keimzelle einer neuen russlandweit einzigartigen Behindertenarbeit.

Zivilgesellschaftliche Kontakte als Chance

Zur Zeit bestimmten "gegensätzliche Narrationen" die Politik, sagt Oberkirchenrat i. R. Eberl. "Für die Europäische Union sind die Krim-Annexion und das militärische Engagement Russlands in der Ostukraine Grund für ihre fortdauernde Sanktionspolitik. In Russland dagegen wird der Vertrauensbruch durch die Nato-Osterweiterung nicht nur als weitere Kränkung nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erlebt, sondern als nahe herangerückte Bedrohung."

Der politische Dialog stecke in einer Sackgasse. "Zivilgesellschaftlichen Kontakte werden da zur Chance für politische Annäherungen. Bürgerbewegungen, NGOs und die Kirchen hatten schon immer den Anspruch, neue Wege zu bahnen.“ Kommende Woche wird ein Fahrradkorso nach Pskow für die Hansetage 2019 in Pskow, eine alte Hansestadt, werben. Das Motto der Hansetage: "Aufeinander zugehen".

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ekir.de / neu; Fotos von 1991: Archiv der EKiR / Wlnfried Oberlinger / 22.06.2018



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