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Schneider, Gauger, Hesse und Maus waren überzeugte Christen. Sie schwammen in Nazi-Deutschland gegen den Strom und bezahlten das mit ihrem Leben. Schneider, Gauger, Hesse und Maus waren überzeugte Christen. Sie schwammen in Nazi-Deutschland gegen den Strom und bezahlten das mit ihrem Leben.

Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft

Für ihren Glauben gestorben

Zwei Weltkriege und die NS-Diktatur haben Millionen Tote gefordert – auf den Schlachtfeldern und als politisch oder rassisch Verfolgte. An sie erinnert der Volkstrauertag. Die rheinischen Protestanten Paul Schneider, Martin Gauger, Helmut Hesse und Georg Maus starben im Nazi-Terror. Ein neues Buch erzählt auch ihre Geschichten.

Schneider, Gauger, Hesse und Maus waren überzeugte Christen. Sie schwammen in Nazi-Deutschland gegen den Strom und bezahlten das mit ihrem Leben. Ihre Schicksale sowie die vieler weiterer evangelischer Persönlichkeiten aus dem Rheinland schildert das jetzt erschienene Buch „Zwischen Bekenntnis und Ideologie – 100 Lebensbilder des rheinischen Protestantismus im 20. Jahrhundert“. Die bewegenden Porträts geben Einblick in die jüngere Kirchengeschichte und sparen auch deren dunkle Seiten nicht aus.

Paul Schneider: Der Prediger von Buchenwald

Bereits 1939 starb Pfarrer Paul Schneider aus Dickenschied im Hunsrück für seine christliche Überzeugung im KZ Buchenwald. Seine kompromisslose Haltung gegenüber der NS-Kirchenpolitik brachte ihn zunächst ins Gestapo-Gefängnis Koblenz, dann nach Buchenwald. Dort leistete er weiter Widerstand. Durch die vergitterten Fenster seiner Einzelzelle verkündete er Tag für Tag den zum Appell angetretenen Mithäftlingen das Evangelium, bis er unter brutalen Stockschlägen der KZ-Wärter verstummen musste. Das Martyrium des „Predigers von Buchenwald“ endete am 18. Juli 1939 durch eine Todesspritze. Sein Begräbnis in seiner Heimat Dickenschied geriet zu einer eindrucksvollen Demonstration der Bekennenden Kirche.

Martin Gauger: Nein zu Hitlers Krieg

Zu offener Konfrontation und politischer Frontalopposition gegen das NS-Regime wie Schneider hatten sich in der rheinischen Kirche nur wenige durchringen können. Martin Gauger (1905-1941) aus Elberfeld verweigerte den Kriegsdienst für Hitler. Der Jurist, der als Justiziar des Lutherrats der Bekennenden Kirche arbeitete, wollte sich aus christlichen Gewissensgründen nicht an Hitlers Angriffskrieg beteiligen. Als er im April 1940 zur Wehrmacht eingezogen werden sollte, versuchte er zunächst, sich umzubringen. Das misslang und Gauger floh in die Niederlande. Dort schnappte ihn die Gestapo. Ohne Prozess wurde er ins KZ Buchenwald verschleppt und zwei Monate später in der Euthanasieanstalt „Sonnenstein“ bei Pirna vergast.

Helmut Hesse: Mutig gegen die Judenverfolgung

Im KZ Dachau endete das Leben des Pfarrers Helmut Hesse aus Elberfeld. Sein mutiges Eintreten gegen die Judenverfolgung brachte ihn ins Visier der NS-Machthaber. In einem Gottesdienst im Juni 1943 in Elberfeld forderte Hesse, die Kirche dürfe nicht länger zur Verfolgung der Juden schweigen. Zwei Tage später wurde er mit seinem Vater, dem Pfarrer der Reformierten Gemeinde Elberfeld und führenden Kopf der Bekennenden Kirche, ins Polizeigefängnis Barmen geworfen. Man nannte ihn einen Hetzer, der sich für Juden einsetze, und warf ihm vor, die Namen inhaftierter Theologen im Gottesdienst vorgelesen und für sie gebetet zu haben. Im November 1943 wurden Vater und Sohn nach Dachau deportiert. Dort starb Helmut Hesse zwölf Tage später völlig ausgezehrt und ohne medizinische Versorgung im Krankenrevier. Er war nur 27 Jahre alt geworden.

Georg Maus lehrte Feindesliebe

Auch dem Religionslehrer Georg Maus (1888-1945), einem Pfarrerssohn aus dem hessischen Bottendorf, wurde seine feste christliche Haltung zum Verhängnis. Im Frühjahr 1944 äußerte er sich im Unterricht am Gymnasium Idar-Oberstein zum Gebot der Feindesliebe. Auf die Frage einer Schülerin, ob das Gebot denn auch für die Engländer gelte, die deutsche Städte bombardierten, und von denen Joseph Goebbels gesagt habe, man müsse sie hassen, entgegnete er: „Auch Dr. Goebbels kann Jesu Gebot nicht aufheben!“. Maus wurde angezeigt und am 16. Mai in der Schule von Gestapo-Leuten verhaftet. Wegen „Wehrkraftzersetzung“ verurteilte ihn der Volksgerichtshof in Berlin zu zwei Jahren Gefängnis. Im Februar 1945, als sich alliierte Truppen Berlin näherten, wurde Maus mit einem Gefangenentransport im Güterwaggon auf den Weg ins Konzentrationslager Dachau geschickt. Bei Plauen im Vogtland starb er in der Nacht vom 14. auf den 15. Februar. In Hochstadt am Main wurde seine Leiche aus dem Zug geworfen. Heute wird in der KZ-Ehrenstätte Flossenbürg an Georg Maus erinnert.  

Thomas Martin Schneider, Joachim Conrad und Stefan Flesch (Hrsg.): „Zwischen Bekenntnis und Ideologie. 100 Lebensbilder des rheinischen Protestantismus im 20. Jahrhundert“, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2018, 30 Euro.

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ekir.de / Ulrike Klös, Collage: Silke Salzman-Buhn, Fotos: Privatsammlung Hartmut Ludwig, Privatsammlung Gerhardt Gauger, Archiv EKiR, privat / 16.11.2018



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