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Ob sich die Zelte bei Freizeiten in diesem Sommer füllen, ist noch unklar. An kreativen Ideen für alternative Angebote mangelt es jedoch nicht, wie bei einem Online-Stammtisch deutlich wurde. Ob sich die Zelte bei Freizeiten in diesem Sommer füllen, ist noch unklar. An kreativen Ideen für alternative Angebote mangelt es jedoch nicht, wie bei einem Online-Stammtisch deutlich wurde.

Sommerfreizeiten in Zeiten von Corona

Zwei Drittel der geplanten Freizeiten sind abgesagt

Sind im Sommer Freizeiten möglich? Wenn ja, wie? Und welche Alternativen gibt es, wenn alles abgesagt werden muss? Damit beschäftigten sich mehr als 30 Mitarbeitende aus der Jugendarbeit der rheinischen und anderer Kirchen bei einem Online-Stammtisch. Es wurde deutlich: die Ungewissheit ist genauso groß wie die Kreativität.

Es ist Punkt 13 Uhr an diesem Nachmittag, als Nils Kruse die Teilnehmenden des zweiten Online-Stammtisches des Amts für Jugendarbeit und der Evangelischen Akademie im Rheinland via Zoom begrüßt. Das Thema: Sommerfreizeiten in Zeiten von Corona.

Mit mehr als 30 Mitarbeitenden aus der Jugendarbeit der rheinischen und anderer Landeskirchen möchte er sich in den kommenden zwei Stunden intensiv über Alternativprogramme und Hygienemaßnahmen austauschen. Auf eine lange Begrüßung verzichtet der Referent für Kulturarbeit/Kulturpädagogik im Amt für Jugendarbeit der rheinischen Kirche dann auch: „Der Stammtisch ist eröffnet.“

Hygiene- und Abstandsregelungen entscheidender Faktor

Die erste Wortmeldung lässt nicht lange auf sich warten. „Wir wollen eine digitale Freizeit veranstalten – mit Workshops, Kochkursen und Sportangeboten“, erklärt Birgit Ruoff, Gemeindepädagogin der Evangelischen Kirchengemeinde Fürth des Dekanats Bergstraße. Ergänzend dazu sollen Treffs im Gemeindehaus stattfinden. „Das hängt aber von den dann geltenden Regelungen in Sachen Teilnehmerzahl, Abstand und Hygiene ab“, betont Ruoff. Ein Aspekt, der viele in der Runde beschäftigt und maßgeblich für eine Absage von Sommerfreizeiten ist. Zwei Drittel der geplanten Freizeiten unter dem Dach der rheinischen Kirche wurden laut Kulturreferent Kruse bereits abgeblasen. „Ein Drittel pokert noch.“

Dazu gehört das Team um Mara Wichmann, Jugendleiterin im Jugendhaus P23 der Evangelischen Gemeinde Neukirchen-Vluyn. „Wir haben mit dem Presbyterium entschieden, die Freizeit noch nicht zu canceln, denken aber parallel über Alternativen nach.“ Dabei stünden sie in engem Kontakt mit dem Ordnungsamt. „Uns wurde gesagt, dass stichprobenartig die Einhaltung der Regeln kontrolliert wird. Bei Verstößen drohen Strafen im vierstelligen Bereich“, führt sie aus – und sorgt durchaus für das ein oder andere verblüffte Gesicht im virtuellen Konferenzraum. Deshalb werde jedes Programm genau mit dem Ordnungsamt abgesprochen, die Eltern ausführlich informiert. „Wir können die Kinder aber ja nicht festbinden.“

Hoher Betreuungsbedarf und digitale Erschöpfung

Mit dieser Aussage trifft sie auf viel Zustimmung. Vor allem bei denjenigen, die bereits die Konsequenzen gezogen haben. Darunter sind die Teams um Daniela Heimlich, Jugendleiterin in der Emmaus-Kirchengemeinde Oberhausen, und Silke Villbrandt, Mitarbeiterin der Jugendarbeit der Kirchengemeinde An der Issel. Die beiden Frauen bedauern die Absagen sehr. Schließlich sei der Bedarf bei den Eltern groß, ihre Kinder betreut zu wissen. Nicht nur, weil viele ihren Urlaub wegen der Corona-Krise bereits aufgebraucht hätten.

Dieser Betreuungsbedarf ist der Ansporn für alle Beteiligten, alternative Angebote auf die Beine zu stellen. Dabei sind sie sich einig, dass nicht-virtuelle Formate dringend nötig sind. Viele Jugendliche hätten genug von Home Schooling und Online-Spielen. Kulturreferent Kruse bezeichnet dies als digitale Erschöpfung. „Darauf müssen wir achten und schauen, wo analoge oder hybride Angebote möglich sind.“

Unter Letzterem werden Formate verstanden, die Digitales mit Analogem verknüpfen. Ideen dafür haben die Teilnehmenden bereits einige im Kopf. Beispielsweise ein Zirkusworkshop, bei dem die Aufführungen einzeln eingeprobt und am Ende digital zusammengefügt werden. Oder eine Tanzchoreografie, die online eingeübt und am Ende als Gemeinschaftserlebnis auf einem Sportplatz aufgeführt wird.

Vom Bogenschießen bis zu „Scavenger Hunt“

Noch kreativer zeigen sich die Stammtisch-Gäste hinsichtlich analoger Angebote, die mit dem notwendigen Abstand umsetzbar sein sollten. Die Vorschläge reichen von Bogenschießen, Fahrrad-, Kanu- oder Wandertouren über Frisbee-Golf und Blindenparcours im Wald bis hin zum Mieten von Bühnenbussen sowie Kinoevents. Letztere seien Open-Air, aber auch in Kirchen möglich. Schließlich seien dort ohnehin schon Hygienemaßnahmen getroffen worden.

Mehrfach angepriesen wird auch das Spiel „Scavenger Hunt“. Dabei handelt es sich um das amerikanische Pendant zur Schnitzeljagd. Die Teilnehmenden bekommen eine Liste mit Aufgaben, die sie aber im Gegensatz zur deutschen Version nicht nach einer festgelegten Reihenfolge abarbeiten müssen. Diese könnten zudem in biblische Geschichten und somit ein Thema eingebettet werden.

Weitere analoge Formate ordnen die Teilnehmenden der Überschrift „Heimat erlebbar machen“ zu. So könnten Kirchtürme angefahren werden und diese Ausflüge mit einer Instagram-Berichterstattung sowie einem Meet-and-Greet mit dem Besitzer kombiniert werden. Selbst kreierte Geocaches könnten zudem Familien zur Verfügung gestellt werden. Der Vorteil: Interessierte können diese moderne Art der Schatzsuche starten, wann immer sie möchten. Weitere Überlegungen beziehen sich auf größere Angebote, die jeweils mehrere Kleingruppen nutzen können. Ein Beispiel dafür ist der Escape Room in Wittlich im Kirchenkreis Trier, der nach jeder Nutzung desinfiziert wird.

Essen bereitet Mitarbeitenden Sorgen

Viele Mitarbeitende schielen auf eine Kombination all dieser Formate, darunter das Team um Jugendleiter Marc Schmidt von der Evangelischen Gemeinde Köln-Bickendorf. „Da wir unsere Jugendfreizeit wohl absagen werden, wollen wir Ferien vor Ort anbieten, ohne Übernachtung, aber mit einem Mix aus Aktivitäten und Do-It-Yourself-Tagen.“

Am meisten Sorgen bereite bei den Planungen das Mittagessen. Damit stehen Schmidt und seine Mitstreitenden nicht alleine da, weiß Kruse. Ein guter Weg sei sicherlich, die Eltern Lunchpakete für ihre Kinder packen zu lassen. Genau das sieht Iris Schumann, Leiterin des Jugendreferats des Kirchenkreises Essen, jedoch skeptisch. „Ich glaube nicht, dass dies bei allen Eltern klappt. Und wir wollen da keine Benachteiligung.“ Deshalb würden sie über eine portionsweise Lieferung diskutieren. „Grillen ist sicher auch denkbar, wenn die Wurst mit der Zange auf den Teller gelegt wird.“ Am Ende sind die lokalen Regelungen entscheidend, betont Bert Walther vom Jugendreferat des Kirchenkreises An der Ruhr. „Es ist wichtig, sich bei den Gesundheitsämtern zu informieren.“

Ressourcen durch Kooperationen bündeln

An dieser Stelle zeigt sich erneut, mit wie vielen Fragezeichen die Planungen verbunden sind. „Es gibt viele rechtliche Unterschiede in den Kommunen. Die Kollegen vor Orte müssen deshalb sehr individuell reagieren“, ist sich Kulturreferent Kruse den Herausforderungen bewusst. Um Ressourcen zu bündeln, wird vielerorts über Kooperationen nachgedacht, mit örtlichen Vereinen, aber auch trägerübergreifend. Für Kruse liegt darin ein wichtiger Schlüssel. „Durch Absprachen können möglichst viele Angebote zu unterschiedlichen Zeiten geschaffen werden.“ Vor allem im kleineren städtischen Bereich sei das sinnvoll.

„Egal, was am Ende umgesetzt wird, gilt es jedoch, die geltenden Hygieneverordnungen zu berücksichtigen“, sagt Kruse und verweist diesbezüglich zum Abschluss auch auf die Corona-Sonderseiten der Evangelischen Jugend im Rheinland. Dort gebe es neben Wissenswertem dazu auch Anregungen, Tipps sowie Hinweise zu möglichen Zuschüssen, sollten beispielsweise Stornokosten anfallen.

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ekir.de / Andreas Attinger, Foto: EMK Schlierbach / 25.05.2020



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