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Präses Manfred Rekowski, Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, Tanja Rutkowski, Helga Siemens-Weibring, Prof. Dr. Klaus Selle und Dr. Frank Vogelsang (r.) auf der Podiumsdiskussion im KD 11/13 Präses Manfred Rekowski, Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, Tanja Rutkowski, Helga Siemens-Weibring, Prof. Dr. Klaus Selle und Dr. Frank Vogelsang (r.) auf der Podiumsdiskussion im KD 11/13

Sozialpolitischer Aschermittwoch

„Gemeinsam der Stadt Bestes suchen“

Wie sieht kirchliche Präsenz im Quartier aus, wenn die Anzahl der Christinnen und Christen geringer wird? Welche neuen Partner braucht die Kirche? Wie kann Kirche Integration unterstützen? Eine Diskussionsveranstaltung am Aschermittwoch sucht nach Antworten.

KD 11/13 – Zentrum für Kooperation und Inklusion KD 11/13 – Zentrum für Kooperation und Inklusion

Die Ortswahl ist Programm. Der diesjährige Sozialpolitische Aschermittwoch fand im „KD 11/13 – Zentrum für Kooperation und Inklusion“ in Altenessen statt. Teil des Zentrums ist auch ein Café, das die Menschen aus dem Stadtteil zum Verweilen einlädt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Kindergarten, an dessen Zaun ein Banner hängt: „Der Essener Norden ist bunt“ – daneben die Logos von evangelischen Kirchengemeinden, katholischen Pfarrgemeinden und islamischen Moscheevereinen, außerdem sind die Arbeiterwohlfahrt und weitere Kulturvereine mit ihren Logos abgebildet. Diese Szenerie spiegelt den gesellschaftlichen Wandel wider, für den auch Altenessen steht. Migrantinnen und Migranten bringen ihre Kultur und Religion mit, die Arbeitswelt wandelt sich, im Ruhrgebiet wird keine Kohle mehr abgebaut. Wie kann eine Gesellschaft, die sich so stark verändert, noch zusammenhalten oder einen neuen Zusammenhalt finden? Welche Rolle können die Kirchen in diesem Stadtteil spielen? Ist es Rückbau und Krise oder Chance und Möglichkeit, Neues zu schaffen?

Kristina Wendland, Geschäftsführerin des KD 11/13 Kristina Wendland, Geschäftsführerin des KD 11/13

Ein evangelisches Gemeindehaus wird zu einem Begegnngszentrum

Das KD 11/13 – benannt nach der Straße und Hausnummer des Gebäudes Karl-Denkhaus-Str. 11-13 – war ein evangelisches Gemeindezentrum. Mit seinen 2600 Quadratmetern war es zu groß für die kleiner gewordene Kirchengemeinde. Ehemalige Pfarrer und engagierte Bürgerinnen und Bürger wollten den Raum deshalb als Versammlungsort für den Stadtteil erhalten und gründeten dazu einen Verein. Das nahegelegene Einkaufszentrum hätte gerne das Grundstück erworben und aus dem Gemeindehaus Parkplätze gemacht. Der Verein erhielt den Zuschlag, das Gemeindehaus blieb als Gebäude erhalten und wurde zu einem Zentrum für Dialog und soziale Inklusion. Nun treffen sich hier unter anderem Russlanddeutsche, ein türkischer Elternverband, der Essener Verbund der Immigrantenvereine,  ein interkultureller Bühnenkunstverein im Zentrum. Mit dabei sind auch die evangelische Jugend- und Familienhilfe und die Neue Arbeit der Diakonie Essen, aber Kirche und Diakonie sind nur ein Anbieter unter vielen.

Kristina Wendland, Geschäftsführerin des KD 11/13, erläutert die Arbeit des Zentrums. Das Café sei wie ein Wohnzimmer für den Stadtteil, das Menschen zum Kommen einlädt. Aber, so Wendland, „wir gehen auch raus und machen Stadtteilrundgänge, um die Schätze im Stadtteil sichtbar zu machen.“ Mit dabei Menschen, die gerade Deutsch lernen, sie treffen bei den Rundgängen auf Menschen, die schon lange in Altenessen wohnen. Solche Begegnungen seien nicht immer konfliktfrei, aber notwendig.

Präses Manfred Rekowski (l.) und Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck Präses Manfred Rekowski (l.) und Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Zusammenleben der Religionen im Quartier

Nach dieser Einführung beginnt die Diskussion. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck betont, Kirche wird im sozialen Miteinander, das sich in Gemeinden abbildet, erfahrbar. In den Veränderungsprozessen der Gesellschaft dürfe es nicht nur darum gehen, dass Kirche kleiner werde, sondern Kirche müsse auch anders werden. Die Kraft des Christentums hänge daran, Jesus bei den Menschen präsent zu machen. Darunter versteht Overbeck auch Solidarität – also nah bei und mit allen Menschen zu sein, unabhängig von ihrer Religion. Früher war Kirche nur klassisch konfessionell geregelt, so der Bischof, heute geht es nur ökumenisch und nur in Gemeinschaft mit Menschen anderer Religion oder auch ohne Religion. Ein gelungenes Zusammenleben der Menschen verschiedener Religion sei jetzt besonders wichtig, gerade weil es in der Gesellschaft keinen Millimeter nach rechts gehen dürfe. Denn bei kirchlicher Präsenz in Quartieren gehe es eben nicht um Immobilien, sondern um Standpunkte, so Overbeck.

Begegnungen fördern

Ähnlich argumentiert auch Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Aufgabe der Kirche sei es, alle Stadtteile wahrzunehmen mit ihren Potenzialen und auch Problemen. Die Kirche im Dorf – das sei die Geschichte und auch Stärke von Kirche gewesen. Leider habe die Kirche zu lange allein auf die institutionelle Präsenz gesetzt. Aber vor Ort nahe bei Menschen zu sein, sei immer noch eine Stärke der Kirche, auch wenn sie nicht mehr die dominante Kraft sei. Aufgabe sei es nun, mit Diakonie und Caritas, Schulen, Vereinen und Verbänden gemeinsam der Stadt Bestes suchen, als ein Partner unter anderen.

Begegnung zwischen Menschen verschiedener Herkunft sei für den Zusammenhalt der Gesellschaft wichtig. So erzählt Manfred Rekowski als ein Beispiel von einer Aktion aus Wuppertal. Zum Ramadan hätten muslimische Familien ihre Nachbarn zu sich nach Hause eingeladen. Im Advent lud der Präses seine Gastgeber zum adventlichen Kaffeetrinken zum Gegenbesuch ein. „Also jede Gelegenheit zu nutzen, Begegnung zu fördern, ist etwas, wozu wir als Kirche beitragen wollen,“ schließt Präses Rekowski die Diskussion ab.

Seit 22 Jahren Sozialpolitischer Aschermittwoch

Seit 1998 laden das Ruhrbistum und die Evangelische Kirche im Rheinland jährlich zum Sozialpolitischen Aschermittwoch ein. In Anlehnung an die traditionellen Partei-Veranstaltungen an diesem Tag möchten die Kirchen hier einen politischen Akzent aus christlicher Perspektive setzen. So wollen sie zum Ausdruck bringen, dass christlicher Glaube zugleich christlicher Einsatz für eine gerechte Gesellschaft bedeutet.

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ekir.de / rpr, Fotos: Alexandra Roth / 26.02.2020



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