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Viele Freiwillige der Tafel Niederberg helfen dabei, Waren zu sortieren und Pakete für mehr als 45 Haushalte zu packen und auszuliefern. Viele Freiwillige der Tafel Niederberg helfen dabei, Waren zu sortieren und Pakete für mehr als 45 Haushalte zu packen und auszuliefern.

Tafeln

Wie sich Tafeln in Zeiten von Corona organisieren

„Die Essensausgabe zu schließen, war kein Thema.“ Wer sich derzeit bei Tafeln unter Trägerschaft rheinischer Kirchengemeinden oder der Diakonie erkundigt, hört diesen Satz oft. Es wird versucht, den Betrieb trotz Corona aufrecht zu erhalten – mit verschiedenen Herangehensweisen, aber demselben Ziel: für Bedürftige da zu sein.

Am 14. März hat die Tafel Niederberg der Bergischen Diakonie ihren Betrieb an allen sechs Standorten eingestellt. „Für uns war aber sofort klar, dass wir einen Lieferdienst organisieren möchten“, betont Renate Zanjani, Abteilungsleiterin der Zentralen Unternehmenskommunikation. Klar sei auch gewesen, dass sich das Angebot nicht nur an Tafelkundinnen- und Kunden richten solle. „Die Krise trifft viele Menschen hart.“

Manche würden arbeitslos, andere gehörten zur Risikogruppe. Zudem seien lange Zeit günstige Lebensmittel ausverkauft gewesen und in den Monaten März bis Mai belaste etwa die Jahresstromabrechnung das Budget zusätzlich. Umso glücklicher ist Zanjani, dass der Lieferdienst dank vieler Freiwilliger schnell starten konnte. Wer Hilfe sucht, kann sich online registrieren – ebenso wie Spenderinnen und Spender.

Prominente Unterstützung von #wekickcorona

Dienstagmorgens wird laut Zanjani bei Supermärkten alles an Obst, Gemüse und Frischeprodukten eingesammelt, was länger als ein oder zwei Tage haltbar ist. Dann beginne das muntere Sortieren und Aufteilen der Waren. Für mehr als 45 Haushalte werden Pakete für rund 14 Tage zusammengestellt. Ausgeliefert wird dienstags und donnerstags mit bis zu sechs Fahrzeugen. Zanjani koordiniert all das mit ihrer Kollegin Tanja Högström. Dabei haben sie auch promintente Unterstützung. „Wir haben von der Initiative #wekickcorona der Fußballprofis Joshua Kimmich und Leon Goretzka 5000 Euro bekommen“, sagt Zanjani und freut sich. Genutzt werde das Geld für Zukäufe bei regionalen Caterern. „Denen geht es gerade sehr schlecht, sie unterstützen uns aber sonst auch immer.“ Ohnehin sieht Zanjani in der Krise etwas Gutes: „Die Gesellschaft beweist an vielen Stellen Solidarität.“

Bis zu 90 Lebensmittel-Taschen für zirka 350 Menschen

Diese Erfahrung macht auch Stefan Gebhardt, Bereichsleiter Bildung und Soziale Teilhabe beim Diakonischen Werk Saar. „Die Unterstützung aus der Bevölkerung ist riesig. Wir haben mehr Freiwillige als Arbeit“, berichtet er mit Blick auf die Illinger Tafel. Allein 14 Ehrenamtliche seien neu dabei. „Dadurch können wir den Tafelbetrieb aufrechterhalten, wenn auch anders als gewohnt.“

Denn: die Ausgabestelle und das Café der Tafel, die in Trägerschaft der Diakonie Saar und dem Caritasverband Schaumberg-Blies ist, seien geschlossen. Dafür sammelten Ehrenamtliche Waren bei kleinen Geschäften und großen Discountern ein. Dauerhaft haltbare Produkte wie Mehl und Nudeln würden durch Spendengelder dazu gekauft. „Pro Woche werden zwischen 75 und 90 Taschen für zirka 350 Menschen gepackt“, erklärt Gebhardt und ergänzt: „Immer mittwochs ab 14 Uhr werden die Sachen an den Mann und die Frau gebracht.“

Gesundheit der Mitarbeitenden liegt Gebhardt am Herzen

All das läuft laut Gebhardt völlig reibungslos – auch dank der Gemeinde Illingen. „Sie dient als Ansprechpartner. Hilfesuchende und diejenigen, die helfen möchten, können dort anrufen. Die Mitarbeiter geben die Infos dann an unseren Koordinator weiter“, führt Gebhardt aus, dem vor allem eine Sache am Herzen liegt: die Gesundheit aller Beteiligten. „Deshalb stellen wir genügend Hygienemittel bereit und achten auf genügend Abstand.“

Dieses Credo gilt auch bei der ebenfalls von der Diakonie getragenen Völklinger Tafel. Dort werden weiterhin dienstags und freitags ab 14 Uhr gespendete Waren an Bedürftige ausgegeben. Dafür stehen im Hof Lebensmittelkisten bereit, aus denen sich die Kunden nach Zuweisung bedienen können.

„Hier läuft alles wie immer, nur anders“

Auf ein ähnliches Modell wie in Völklingen setzt die Merziger Tafel, die von der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde betrieben wird. „Normalerweise werden unsere Kunden elektronisch erfasst. Damit kontrollieren wir die Zugangskriterien und zählen, wie viele Menschen da waren“, berichtet Tafel-Leiter Frank Paqué. Darauf werde derzeit verzichtet, ebenso wie auf den Eigenanteil der Hilfesuchenden.

„Alle bekommen eine exakte Uhrzeit, wann sie da sein sollen“, beschreibt Paqué den Ablauf. An der Ausgabe im Hof erhielten sie schließlich montags und freitags eine fertig gepackte Kiste mit Lebensmitteln. „Durch dieses System haben wir null Kundenkontakt“, bekräftigt der Tafel-Leiter, der das Treiben schmunzelnd mit den Worten zusammenfasst: „Hier läuft also alles wie immer, nur anders.“

Ältere Ehrenamtliche müssen kein schlechtes Gewissen haben

Ungefähr 420 Kunden aus 200 plus x Haushalten, darunter 170 Kinder, hat die Merziger Tafel laut Paqué, für den es nie ein Thema war, die Ausgabe zu schließen. Dass sein Stammpersonal vor allem aus Senioren und Seniorinnen besteht, sei diesbezüglich auch kein Problem gewesen. „Ohne Aufruf haben sich viele junge Leute gemeldet, die helfen wollten“, sich Paqué, „deshalb konnte ich unseren älteren Helferinnen und Helfern sagen, dass sie ohne schlechtes Gewissen zu Hause bleiben können.“

Kirchengemeinde St. Johann verteilt Care-Pakete

Eine Welle der Hilfsbereitschaft schwappte auch durch die Evangelische Kirchengemeinde St. Johann in Saarbrücken. Seit Kurzem packt dort ein Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen sogenannte Care-Pakete mit Grundnahrungsmitteln und Hygieneartikeln. Ein Teil der Waren wird von den Globus-Märkten zur Verfügung gestellt, andere kauft die Kirchengemeinde mit Spendengeldern zu. „Wir haben uns im kleinen Kreis gefragt, was wir jetzt tun können, um als Gemeinde da zu sein, in Zeiten, in denen das kirchliche Leben quasi stillsteht“, berichtet Pfarrer Herwig Hoffmann. Weil die Saarbrücker Tafel geschlossen habe, hätten sie in diesem Bereich großen Bedarf gesehen. Und so werden die Pakete nun dienstags und freitags von 12 bis 14 Uhr im Kirchgarten der Alten Kirche verteilt.

100 Menschen kommen zum Start der Aktion

Unter Achtung des Sicherheitsabstandes von zwei Metern dürften maximal fünf Personen den Kirchgarten betreten. Wer ein Care-Paket haben wolle, müsse zudem die Bedürftigkeit nachweisen. „Beim ersten Mal waren 100 Leute da. Wir rechnen aber mit einer deutlich größeren Nachfrage, nachdem wir es jetzt publik ist“, sagt Hoffmann. Dafür sieht sich der Pfarrer gut gerüstet. Schließlich mangelt es nicht an Helfenden. „Egal ob Pfarrer, Pfarrerinnen, Jugendleiterin, Hausmeister oder Studierende der THW Saarbrücken, jeder packt mit an“, ist Hoffmann glücklich über die große Hilfsbereitschaft

Bundesweit läuft Tafelbetrieb vielerorts weiter

Die Beispiele zeigen, wie Freiwillige sich trotz Corona für Bedürftige einsetzen – und das bundesweit. Einen Überblick und Informationen sowie Kontaktdaten zu geöffneten Tafeln gibt es auf der Corona-Seite der Tafeln Deutschland.

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ekir.de / Andreas Attinger, Foto: Bergische Diakonie / 06.04.2020



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