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Mit der Taufe übernehmen Eltern und Paten auch einen Bildungsauftrag.             ©Tomy - stock.adobe.com Mit der Taufe übernehmen Eltern und Paten auch einen Bildungsauftrag. ©Tomy - stock.adobe.com

Bildung und evangelische Kirche 2

Wenn Eltern und Paten ein Versprechen einlösen

Als Melanie Faßbender ihre Tochter taufen ließ, da gab sie ein Versprechen. „Ich will mein Kind im christlichen Glauben erziehen“, sagte  die 29-Jährige. Was diese Zusage bedeutet, erlebt sie im Alltag, wenn ihre Kinder religiöse Bildung einfordern.

Manchmal hat Samuel Fragen. Dann versteht der Fünfjährige nicht, warum er seine Uroma im Himmel nicht besuchen kann. Oder warum Gott ausgerechnet seine Gebete nie erhört. Und dann löchert er seine Mutter, stellt Fragen, bleibt hartnäckig, entwickelt Ideen, die mit Flugzeugen und Wunschzetteln zu tun haben. Und manchmal ist Melanie Faßbender dann auch ratlos. Dann hat sie keine Antworten für ihren Fünfjährigen.

„Manchmal sage ich ihm dann, dass ich nicht auf alle Fragen eine Antwort habe“, räumt die 29-Jährige ein, „und vielleicht ist es auch wichtig, dass er weiß, dass uns Erwachsenen das auch so gehen kann.“ Und doch freut sie sich über diese Gespräche mit ihrem Sohn, über seine Fragen und Ideen. Manchmal erinnert sie sich dann an jenen Sonntagmorgen in der Kirche in Tente, als sie und ihr Mann ein Versprechen gaben.

Ein Versprechen, den Bildungsauftrag zu übernehmen

Vor einigen Wochen haben sie dieses Versprechen wiederholt, als sie ihr zweites Kind, Tochter Juna, taufen ließen. Da fragte Pfarrerin Sabrina Frackenpohl-Koberski die Eltern und Paten: „Versprecht ihr, im besten Wissen und Gewissen, euer Kind im christlichen Glauben zu erziehen.“ Damals antworteten alle entschlossen, dass sie diesen Bildungsauftrag übernehmen würden. Und manchmal denkt Melanie Faßbender an diesen Moment zurück, wenn die Fragen auftauchen.

„Ich habe damals ganz bewusst geantwortet“, sagt sie, „denn ich will mein Kind mit dem ausstatten, was es braucht, um irgendwann eine persönliche Entscheidung treffen zu können.“ Darum geht es der zweifachen Mutter, wenn sie an die religiöse Bildung ihrer Kinder denkt und an das Versprechen, das sie gegeben hat. Juna und Samuel sollen ihre Gemeinde und ihre Religion kennenlernen, sollen verstehen, was es bedeutet zu beten und Gottesdienst zu feiern. „Dann können sie irgendwann entscheiden, ob sie den Weg mit Gott weitergehen wollen“, sagt Melanie Faßbender.

Fragen rund um Gott und Religion im Alltag unterbringen

Unterstützung gibt es dabei von Patentante Tamara Dicke, die ihre Aufgabe wörtlich nimmt. Es sei ihr wichtig, Themen und Fragen rund um Gott und Religion im Alltag unterzubringen, sagt die 30-Jährige. „Wir versuchen unseren Kindern vorzuleben, dass Gott und Glaube nichts Abgehobenes sind, sondern in unserem Leben vorkommen“, sagt sie. Bücher, Gebete, Bilder helfen ihnen dabei.

Pfarrerin Sabrina Frackenpohl-Koberski weiß, dass die Tauffrage nicht immer so bewusst beantwortet wird wie bei Melanie Faßbender und Tamara Dicke. „In unseren Taufgesprächen begegnen wir natürlich auch Unsicherheiten“, sagt die Pfarrerin. Allerdings hätten die seltener mit Fragen rund um die religiöse Erziehung der Kinder zu tun, als mit den Abläufen während der Taufe, dem Anzünden der Taufkerzen oder einer Kleiderordnung in der Kirche. Dann antwortet die Pfarrerin, versucht den Menschen Sicherheit zu geben und Raum, um in der Kirche und in der Gemeinde anzukommen.

Taufe ist für viele Eltern vor allem emotional

Und sie bietet das Gespräch an, lädt Eltern ins Team der „Kirche für Kleine und Große“ ein, wo dann auch mal Fragen auf den Tisch kommen, die besprochen werden wollen: über die Kinder und ihre ersten Erfahrungen im Glauben, über Möglichkeiten, ihnen das Gemeindeleben näher zu bringen oder über die großen Fragen, auf die auch Eltern keine Antworten haben. „Aber ich vermeide auch, zu versuchen, den Menschen zu erklären, wie der Hase läuft“, sagt Sabrina Frackenpohl-Koberski, „ich mache ihnen Mut, ihren eigenen Fragen und ihrer eigenen Religiosität nachzuspüren.“

Ohnehin habe Kirche dem Verstand und dem Verstehen lange einen sehr hohen Stellenwert eingeräumt. „Aber die Taufe ist für viele Eltern vor allem sehr emotional“, sagt die Pfarrerin. Und auch darauf gelte es, zur Taufvorbereitung einzugehen. Sie mache die Erfahrung, dass viele Eltern am Taufstein sehr berührt seien – wenn ihren Kindern Gottes Segen zugesprochen wird, wenn die Gemeinde sie willkommen heißt und schließlich die Taufkerze am Osterlicht entzündet wird.  „Dann geht es vor allem ums Herz, nicht so sehr ums Wissen“, sagt sie.

Info
Die ARD-Themenwoche 2019 trägt den Titel „Zukunft Bildung“ und beschäftigt sich vom 9. bis 16 November mit den vielfältigen Aspekten dieses zentralen Aspekts des menschlichen Lebens. Eine Programmübersicht finden Sie hier.
Einen kompakten Überblick über das evangelische Verständnis von Bildung bieten die Leitlinien für die Bildungsar-beit in der Evangelischen Kirche im Rheinland.

 

 

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ekir.de / Theresa Demski / 09.11.2019



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