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Barbara Rudolph ist hauptamtliches Mitglied der Kirchenleitung. Sie ist Leiterin der Abteilung 1 (Theologie und Ökumene). Barbara Rudolph ist hauptamtliches Mitglied der Kirchenleitung. Sie ist Leiterin der Abteilung 1 (Theologie und Ökumene).

Interview

„Die jungen Leute haben keine Lust mehr nur zu reden“

Besuch bei Freunden: Oberkirchenrätin Barbara Rudolph hat in zehn Tagen alle Leitungen der US-amerikanischen Partnerkirche der Evangelischen Kirche im Rheinland besucht. Jens Peter Iven sprach mit der Ökumene-Expertin über die Begegnungen bei der United Church of Christ (UCC).

Frau Rudolph, Sie haben mit der Wisconsin-, der Penn Central- und der Southern-Conference alle rheinischen Partnerkirchen in den USA abgeklappert. Warum?

Barbara Rudolph: Anlass der Reise waren junge Leute. Eine Young-Generation-Gruppe aus Deutschland, an der auch fünf Frauen und Männer aus der Evangelischen Kirche im Rheinland beteiligt sind, war dort zu Besuch.  Am Ende haben wir uns dort zum Austausch getroffen. Und bei der Gelegenheit habe ich auch bei unseren Partner-Conferences vorbei geschaut.

Was ist eine Young-Generation-Gruppe?

Rudolph: Das sind junge Leute, die unsere Partnerschaft mit der UCC weitertragen möchten. So ganz jung sind sie auch nicht mehr – so bis 40 Jahre alt. Aber die erste Generation der UCC-Freunde ist ja mittlerweile im Ruhestand.

Angesichts der schwierigen gesellschaftlichen Situation in den USA und eines Präsidenten, der das Land eher spaltet denn eint: Was beschäftigt die United Church of Christ derzeit besonders?

Rudolph: Erst einmal natürlich – wie bei uns auch – die Aufgabe, den Glauben einladend und ermutigend zu leben. Aber dann sind es drei große Themen, die eine wichtige Rolle spielen: 1. Klimawandel, 2. Rassismus und 3. Migration. Und da gibt es dann verschiedene Erfahrungsebenen. Bei den „Jungen“ haben manche Themen andere Prioritäten als bei den „Alten“. Mir haben sie gesagt: „Wir haben gar keine Zeit, uns mit diesem Präsidenten aufzuhalten. Dafür sind die Probleme der Menschen viel zu drängend.“ Die jungen Leute in den Gemeinden, und diesen Eindruck hat mir unsere Young-Generation-Gruppe bestätigt, haben keine Lust mehr nur zu reden, sondern sie wollen handeln. Und so erarbeiten sie derzeit zum Beispiel ein Programm, wie Umwelt- und Klimaschutz in den UCC-Gemeinden vorangetrieben werden kann.

Das findet sich ja auch jenseits des großen Teiches bei uns.

Rudolph: Ja, sicher. Und es gibt noch mehr Themen, die uns ebenso betreffen wie die Geschwister in den USA.

Nämlich?

Rudolph: Dekolonialisierung, die Zerstörung des Mythos der weißen Überlegenheit und der Kampf gegen versteckten Rassismus.

Ich glaube, das müssen Sie erklären.

Rudolph: Die Welt ist durch den Kolonialismus zutiefst geprägt, selbst wenn dessen Zeit offiziell zu Ende ist. Aber die Frage nach der wirtschaftlichen Ausbeutung Afrikas und der Gerechtigkeit ist hoch aktuell. Wir in den Industriestaaten leben ja auf Kosten dieses Kontinents.
Der Mythos von der Überlegenheit der Weißen findet sich als Subtext ja auch in den nationalistischen und völkischen Reden, mit denen Politikerinnen und Politiker in Deutschland und Europa in diesen Zeiten Abgrenzung und Abschottung predigen. So wie afroamerikanische US-Bürger jeden Tag Alltagsrassismus erleben, so erleben ihn hierzulande türkischstämmige Menschen, Geflüchtete aus Syrien und andere. Und alles das steht im krassen Gegensatz zur biblischen Botschaft.
Die Reise in die USA und der Austausch auch mit den jüngeren Vertreterinnen und Vertretern unserer Kirche haben mir noch einmal deutlich gemacht, dass diese Themen für uns als Kirche dran sind. Hier brauchen wir mehr Bewusstsein, mehr Aufmerksamkeit und die Bereitschaft sich zu verändern.

 

Zur Person: Barbara Rudolph

Barbara Rudolph ist hauptamtliches Mitglied der Kirchenleitung. Sie ist Leiterin der Abteilung 1 (Theologie und Ökumene). Die Theologin war von 1986 bis 2001 Gemeindepfarrerin in Meerbeck. Vor ihrer Wahl zur Oberkirchenrätin war sie Leiterin der Ökumenischen Centrale und EKD-Referentin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Die 61-Jährige war Mitglied im Präsidium des 2. Ökumenischen Kirchentags 2010 in München.

 

 

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ekir.de / Jens Peter Iven, Foto: Uwe Schinkel / 06.09.2019



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