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Erholung im Urlaub: Annalena (6) und Tim (3) genießen die Urlaubsstimmung in der Hängematte auf dem Campingplatz. Erholung im Urlaub: Annalena (6) und Tim (3) genießen die Urlaubsstimmung in der Hängematte auf dem Campingplatz.

Gelungener Urlaub

Einfach mal Fünfe gerade sein lassen

Familie Müller aus Haan fährt Ende Juli mit dem Wohnwagen nach Holland – die Erwachsenen und die drei Kinder zählen inzwischen Tage. Stressfallen versuchen sie ganz bewusst zu umschiffen.

Hauptsache Meer: Die Zwillingen Nora und Tim (3) und ihre große Schwester Annalena (7) freuen sich im Urlaub auf den Strand. Hauptsache Meer: Die Zwillingen Nora und Tim (3) und ihre große Schwester Annalena (7) freuen sich im Urlaub auf den Strand.

„Ich freu mich auf das Meer und die Sandburgen“, sagt Annalena. Und das Allerbeste überhaupt sei, dass sie schon ganz alleine im Zelt campen dürfe, ergänzt die Siebenjährige. Sie zählt die Tage, bis sie endlich mit ihren beiden dreijährigen Geschwistern Nora und Tim, Mama und Papa und Hündin Louise im Auto sitzt und sie sich gemeinsam auf den Weg nach Holland machen.

Die Vorfreude auf die Sommerferien ist bei allen fünf Müllers aus Haan schon deutlich spürbar. „Allerdings wissen wir auch, dass die Vorbereitungen schnell in Stress ausarten können“, sagt Birthe Müller-Rosenau. Und deswegen hat sie gemeinsam mit Ehemann Nils Vorkehrungen getroffen.

„Das fängt schon bei der Auswahl des Urlaubszieles an“, sagt die 36-Jährige. Was wünschen sich die Kinder? Wo können auch die Eltern Erholung finden? Welche Orte bieten eine sichere Umgebung für Annalena, Nora und Tim? Gemeinsam hat die Familie über mögliche Urlaubsziele gesprochen. Und nach Frankreich und Spanien haben sie sich dieses Jahr für drei Wochen Holland entschieden.

Listen fürs Packen helfen den Müllers

„Mit Wohnwagen natürlich“, sagt die Familienmutter strahlend. Mit dieser Urlaubsform sei sie selbst aufgewachsen und habe schnell auch ihren Mann begeistern können. „Wir sind alle gerne draußen und auf dem Campingplatz finden die Kinder schnell Freunde“, sagt Birthe Müller-Rosenau. Außerdem sei das mit einer fünfköpfigen Familie auch eine Kostenfrage.

Ehemann Nils ergänzt: „Auch beim Packen hat der Wohnwagen viele Vorteile, man kann immer noch irgendwo etwas unterbringen.“ Und damit spricht der Haaner einen bedeutenden Stressfaktor in vielen Familien an: das Packen. Er und seine Frau hätten inzwischen Listen entwickelt. Die würden helfen. „Gerade wenn man zu mehreren packt, hilft es, den Überblick zu behalten“, sagt Nils Müller. Für jedes neue Stück, das im Wohnwagen oder im Auto untergebracht wurde, gibt es einen Haken auf der Liste.

Dazu komme die wichtige Regel, an die sich beide Elternteile halten: „Wenn wir etwas vergessen, ist das nicht dramatisch. Wir können fast alles im Urlaub kaufen.“ Ganz zu vermeiden allerdings sei der Stress in den Tagen vor dem Urlaub dann doch nicht. Fünf Personen, fünf Erwartungen, viel Gepäck. „Aber wenn man im Auto sitzt und es losgeht, fällt vieles von einem ab“, sagt die Haanerin.

Einfach in den Tag hineinleben

Hauptsache draußen: Familie Müller genießt im Urlaub auch die Zeiten mit den Pferden. Hauptsache draußen: Familie Müller genießt im Urlaub auch die Zeiten mit den Pferden.

Und wie sieht dann der perfekte Urlaubstag aus? „Ohne Pläne in den Tag hineinleben“, sagt Birthe Müller-Rosenau. Und die Antwort ihres Mannes klingt ganz ähnlich. Zu Hause sei alles durchstrukturiert – Kinder anziehen, Termine einhalten, pünktlich essen. „Im Urlaub ist es schön, einen Tag ganz bewusst zu verbummeln“, sagt die dreifache Mutter, „einfach mal Fünfe gerade sein lassen.“

Die Kinder gehen ins Bett, wenn sie müde sind. Die Familie kocht gemeinsam, wenn sie Hunger hat. Am Rande des Spielplatzes finden die Erwachsenen eine Bank zum Lesen. Und bei Regen werden eben Gummistiefel und Regenjacken hervorgeholt. „Das ist eine Kopfsache“, sagt die Haanerin, „man muss einfach mal los lassen. Viele Dinge sind gar nicht so wichtig.“ In diesem Jahr sind außerdem die Schwiegereltern in der Nähe, die bei der Kinderbetreuung mal einspringen können.

Nur einmal täglich die Mails checken

Und wie händeln die Erwachsenen in den Ferien berufliche Fragen? „Im Urlaub bin ich nicht erreichbar“, sagt Nils Müller und das gilt die meiste Zeit auch für seine Frau. Nur abends schauen die beiden in ihre Mails. „Das wissen meine Kollegen“, sagt der Familienvater, „und das bedeutet auch für mich weniger Stress. Dann weiß ich, dass im Zweifelsfall nichts anbrennt.“ Danach wird das Handy wieder zur Seite gelegt, der Tag klingt gemütlich aus.

Und was bleibt von der Erholung zurück, wenn Familie Müller längst aus dem Urlaub zurückgekehrt ist? „Ich finde es schön, wenn wir uns ein bisschen Spontanität des Urlaubs in die Wochenenden retten“, sagt Nils Müller. Außerdem plant die Familie immer so, dass der Alltag nicht gleich am Tag nach der Rückkehr beginnt.

Dann leben die Fünf auch zu Hause in Haan noch ein bisschen in den Tag hinein. Sie basteln mit Muscheln vom Strand, die Erwachsenen freuen sich über eine Flasche Wein, die sie aus dem Urlaub mitgebracht haben. „Und im Auto findet sich noch eine ganze Weile Sand vom Meer“, sagt die 36-Jährige, „selbst wenn der Alltag wieder begonnen hat.“

Profi-Tipp: Keine zu hohen Glückserwartungen

Einen Tipp für den gelingenden Urlaub gibt es übrigens pünktlich zur Sommerferiensaison auch von Christiane Vetter, Pfarrerin und Beraterin in der Evangelischen Hauptstelle für Familien- und Lebensberatung in Düsseldorf. „Bei zu hohen Glückserwartungen an den Urlaub ist die Enttäuschung vorprogrammiert“, sagt die Expertin.

Zwei Wochen am Strand würden keine schwelenden Konflikte lösen, zwei Wochen fern von Zuhause keine Schulprobleme pubertierender Kinder. „Falls es Streit gibt, begrenzen Sie ihn auf das aktuelle Thema und fassen Sie sich kurz“, sagt Christiane Vetter. Biete sich keine Konfliktlösung an, könne nach dem Urlaub professionelle Hilfe der Beratungsstelle ins Boot geholt werden.

Weitere Tipps für einen gelungenen Urlaub gibt es hier

 

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ekir.de / Theresa Demski, Fotos: privat / 10.07.2018



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