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Advent

Und wonach sehnst Du Dich?

Im Advent wird vergleichsweise gerne gewartet. Es ist klar: Wenn die Welt nicht in den nächsten vier Wochen untergeht, dann ist am 24. Dezember unweigerlich Heiligabend. Ein Beitrag von Pfarrerin Hanna Jacobs, Leiterin des "Raumschiff Ruhr", eine besondere Gemeinde und Gemeinschaft an der Marktkirche in Essen.

Das ist schon einmal ganz angenehm, wenn man weiß, dass man nicht umsonst wartet. Und dann gibt es auch so viel, was man tun kann, während man auf Weihnachten wartet.

Für die einen ist der Advent eine Vorbereitungszeit. Sie schlagen jeden Tag eine Seite des Kalenders „Der Andere Advent“ um und wissen, dass man jetzt korrekterweise „Macht hoch die Tür!“ singt und noch nicht „Stille Nacht“.

Lebkuchen, Last Christmas und Lichterketten

Für die anderen ist der Advent die Vorweihnachtszeit, in der es schon die ganzen tollen Sachen gibt, die Weihnachten weihnachtlich machen, Lebkuchen, zum Beispiel, und Last Christmas, Lichterketten und Gemütlichkeit. Das Warten gehört zu Weihnachten dazu.

Weder der Christ noch die Atheistin können in nullkommanix von Alltag auf Geschenke unterm Tannenbaum und Gänsebraten mit der Großfamilie umschalten. So sinnvoll-glühweinseliges Warten, da wird einem fast warm ums Herz.

Warten - ohne zu wissen, (ob) was passiert

Den Rest des Jahres und des Lebens gibt es aber viele Situationen, in denen wir ungern warten. Und warten. Ohne, dass wir wissen, was in vier Wochen passiert. Oder ob überhaupt etwas passiert.

Ich finde warten, wenn es nicht gerade um Weihnachten oder ums Reisen geht, ziemlich anstrengend. Nicht die fünf Minuten an der Supermarktkasse und auch nicht die zwei Tage, bis die Amazon-Bestellung bei mir zuhause angekommen ist.

Nicht selten frustrierend

Das Warten auf die großen Dinge ist anstrengend und nicht selten auch frustrierend. Ich könnte hier jetzt lauter Beispiele nennen, auf was man alles sehnlichst, hoffnungsvoll, ängstlich warten kann. Aber wozu? Jeder kennt seine eigene Sehnsucht, jede weiß um ihren geheimen Wunsch.

Wenn nicht auf Anhieb, dann nach drei Sekunden In-sich-hinein-Hörens. Es gibt viel, was wir uns nicht selbst geben können, was nicht – einmal mit dem Finger geschnipst – da und gut und fertig ist. Worauf wartest Du derzeit?

Die Ungeduld teilen, und die Hoffnung

Das Warten wird oft als geistliche Übung angepriesen. Das Warten ist gut für dich, sagt die kirchliche Tradition. Schon die Propheten haben gewartet, Jesus und das Volk Israel. Da ist was dran, würde ich sagen. Warten hat seinen Sinn.

Und das Schöne an den großen kirchlichen Wartezeiten, Advent und Passionszeit, ist, dass wir zusammen warten. Als Freundinnen und Familie und Gemeinde und als weltweite Kirche. Wir warten singend und betend zusammen. Trinken zusammen Punch oder sieben Wochen gar keinen Alkohol. Wir teilen die Ungeduld und die Hoffnung. Ersteres wird dadurch kleiner, letzteres größer.

Zusammen warten

Im Advent wird vergleichsweise gerne gewartet. Wir warten zusammen und sollten damit nach Weihnachten nicht aufhören. Auch das anstrengende und frustrierende Warten auf Diagnosen, Lichtblicke oder Menschenherzen hört nicht auf, es gehört nun mal zum Leben auf Erden dazu.

Aber wir können uns gegenseitig trösten und ermutigen. Einmal per WhatsApp nachfragen, anrufen oder für jemanden beten, der gerade sehr am Warten leidet und verzweifelt. Denn da ist er am Werk. Gott, der die Niedergeschlagenen tröstet und ermutigt (2. Korinther 7,6).

Eine hoffnungsvolle Adventszeit, allerseits!

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ekir.de / Hanna Jacobs, Cartoon: Michael Hüter / 04.12.2018



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