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Gemütlich wie im Wohnzimmer: Die Feier am Heiligen Abend im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Merzig. Rechts auf dem Bild: Frank Paqué. Gemütlich wie im Wohnzimmer: Die Feier am Heiligen Abend im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Merzig. Rechts auf dem Bild: Frank Paqué.

Weihnachten

„Jeder, der allein ist, ist hier willkommen“

Heiligabend allein – das muss nicht sein: Unter diesem Motto macht die Evangelische Kirchengemeinde Merzig dieses Jahr zum 25. Mal die Türen weit auf und lädt Senioren, Wohnungslose und Mitbürger in Not ins Gemeindehaus ein. Von Anfang an dabei: Frank Paqué, Mitarbeiter der Gemeinde für Kinder- und Jugendarbeit.

Frank Paqué, Jugendmitarbeiter und Presbyter, ist Initiator und treibende Kraft der Heiligabend-Aktion im nordsaarländischen Städtchen Merzig. 1994 – er war gerade neu als Mitarbeiter in die Kirchengemeinde gekommen – organisierte er zusammen mit einem katholischen Kollegen und einer Journalistin die erste Feier. „Merzig war damals soziales Brachland und ich war ja eingestellt worden, um das zu ändern“, erinnert er sich.

Seitdem sind jeden Heiligabend ab 18 Uhr all diejenigen eingeladen, die diese besonderen Stunden mit anderen teilen möchten: Seniorinnen und Senioren, Alleinstehende, Wohnungslose und Menschen in Notsituationen. „Jeder, der allein ist, ist uns willkommen“, sagt Paqué.

Festmenü und Weihnachtslieder

Nach der Christvesper in der Merziger Friedenskirche gibt es für die Gäste im gemütlichen, weihnachtlich geschmückten Gemeindehaus ein Festmenü. In Tischgruppen von sechs bis acht Personen sitzen sie zusammen. Um 19 Uhr wird eine Andacht gestaltet, die Weihnachtsgeschichte wird vorgelesen, es gibt Musik und es wird gesungen. „Wir feiern wirklich den Heiligen Abend“, betont Paqué. Das sei weit mehr als eine wohltätige Bescherung am Nachmittag. „Das hat einen anderen Anspruch. Zu diesen Werten stehe ich als Mann der Kirche.“

Danach ist Zeit, das Menü zu genießen und sich zu unterhalten. „Anfangs war das Essen noch bescheiden“, blickt Paqué zurück. Die Merziger Geschäftsleute reagierten zunächst eher ablehnend auf seine Anfragen um Spenden für die Aktion. Inzwischen kommen mehrere Gänge auf den Tisch. „Wir haben tolle Unterstützung von vielen Merziger Bürgern, Geschäftsleuten und aus der lokalen Politik“, sagt er.

Ehrenamtliche organisieren das Fest

Ein Team Ehrenamtlicher hilft jedes Jahr beim Schmücken der Räume, beim Einkaufen, bei der Andachtsgestaltung, beim Tischdecken, Servieren und beim Aufräumen danach. Profi-Köche bereiten die Speisen zu. Ein Fahrdienst holt Gäste zuhause ab und bringt sie wieder heim. Koordiniert wird das alles von Frank Paqué. Jeder Helfer, der sich meldet, kann selbst bestimmen, wo und wie lange er eingesetzt werden möchte. „Es passt immer“, ist die Erfahrung von Paqué.

In diesem Jahr dürfen sich die 50 bis 60 Gäste, die im Schnitt kommen, auf gegrillte Perlhuhnbrust mit Kroketten und auf ein Wildgulasch freuen. Ein Gastwirtepaar aus Merzig wird dafür im Hof des Gemeindehauses einen großen Schwenkgrill aufbauen. Das Wildfleisch spenden Jäger aus der Region. Merziger Bäckereien stiften Kuchen und Plätzchen.  

Heiligabend, Tag der Emotionen

Offiziell dauert das Fest bis 22 Uhr. Doch nicht wenige Gäste sitzen noch bis Mitternacht zusammen. „Der Heiligabend ist ja ein emotional etwas belasteter Tag. Da kommen Menschen mit tausend Sorgen, und im Gespräch bricht so manches hervor“, sagt Paqué. Auch Tränen dürfen dann mal fließen. Feierabend ist für ihn meist nicht vor zwei, drei Uhr – so lange dauert es, bis alles wieder aufgeräumt ist.

Hat er sich in den 25 Jahren nicht mal gewünscht, an Heiligabend ganz in Ruhe nur mit seiner Frau und den fünf Kindern zu feiern? „Der Gedanke ist mir nie gekommen“, sagt Paqué. „Wir haben uns in der Familie darauf geeinigt, dass für uns Weihnachten am 25. Dezember ist.“ Selbst im Jahr 2000, als seine Frau hochschwanger war, ließ er die Heiligabend-Aktion nicht ausfallen. Als er um drei Uhr nachts nach Hause kam, sei es höchste Zeit gewesen, zur Entbindung in die Klinik zu fahren. Um sechs Uhr am 25. Dezember kam seine Tochter zur Welt.

Wertschätzung fürs Engagement

Für sein unermüdliches Engagement bekommt Frank Paqué auch etwas zurück. Er sei angetreten, weil er etwas geben wolle, und das sei ihm mit der Heiligabend-Aktion auch gelungen, resümiert er. „Dass meine Arbeit in Merzig heute geschätzt wird, ist, was ich dafür bekommen habe.“

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ekir.de / Frida Saar, Foto: Frank Paqué / 21.12.2019



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