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Begeisternd: Aktfotografien des Seniorentreffs der Kirchengemeinde Uellendahl-Ostersbaum. Begeisternd: Eine Auswahl der Aktfotografien des Seniorentreffs sind in der Ausstellung der Kirchengemeinde Uellendahl-Ostersbaum zu sehen.

Wuppertal

Ganz wunderbar

Am Anfang steht das Wort. Das biblische Wort. In diesem Fall aus Psalm 139. Dort heißt es: „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin…“ Und so lautet der Titel eines Gemeindeprojekts in Wuppertal: „Wunderbar gemacht. Uellendahler Senior*innen fotografiert von Andrea Rompa“.  Es geht um Aktfotografie.

Großes Interesse an dem Projekt, starker Vernissage-Besuch. Großes Interesse an dem Projekt, starker Vernissage-Besuch.

Sie gehören dem Seniorentreff der Evangelischen Kirchengemeinde Uellendahl-Ostersbaum an. Bei dem Projekt gehe es darum, einen anderen Blick auf sich selbst zu bekommen - "abseits des Schönheitsideals von Makellosigkeit und Jugend", erklärte Gemeindepfarrer Dr. Holger Pyka schon im Spätsommer im Beitrag der Westdeutschen Zeitung unter dem Titel "Alte Körper und ihre schönen Lebensspuren". Auf der Gemeindewebsite steht dieser Gedanke: dass gerade die Spuren eines gelebten Lebens einen Körper erst richtig schön machen. Die Älteste wird dieser Tage 100.

Auf Facebook hat der Theologe skizziert, wie das Fotografieren für die Beteiligten zur biblischen Verheißung wurde. Nun spiegelt eine Auswahl der Fotos in einer Ausstellung im Gemeindezentrum die Erfahrungen, die die Beteiligten im Laufe des Projekts gemacht haben. Schwarz-Weiß-Aufnahmen, um die sich die riesengroße Schar der Gäste bei der Vernissage drängelte.

Gemeindepfarrer Dr. Holger Pyka Gemeindepfarrer Dr. Holger Pyka

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde und er sah, dass alles, was er gemacht hatte, gut war. „Es war alles sehr gut“, erinnert Pfarrer Pyka bei der Vernissage an die Genesis. Wobei ja die Schlange alsbald „erste Zweifel in die Welt zischelte“, Adam und Eva sich im Zuge ihrer „Apfeldiät“ feige beblätterten, „Sie wissen, wie die Geschichte weiter geht“. Und so ist das bis heute: Gott sieht, alles ist sehr gut. „Und wir stehen vor dem Spiegel und sagen: Naja.“

Oder heftiger, wie Pyka im Netzwerk Facebook nach dem Fotoshooting erzählt, natürlich ohne Namensnennung: Eine Seniorin berichtete von dem Verdikt ihrer Mutter, sie sei hässlich. Das saß. Ihr Leben lang, fast: Nun, mit der frischen Erfahrung der Fotoaufnahme, sagt sie, ganz widerständig: "Heute haben wir bewiesen, dass das nicht stimmt. Ihr nicht. Aber mir."

Zu alt, zu dick, zu dünn, zu groß, zu klein, zu männlich, zu weiblich? Bei der Vernissage sagt Holger Pyka es so: „Wir erheben unsere Stimme und widersprechen der Schlange.“ In diesem Fall statt Stimme: mit Fotos.

Annette Horn im WDR-Interview Annette Horn im WDR-Interview

Doch wie kommt solch ein Projekt zustande? Anfang des Jahres kam der Pfarrer mit seiner „ein bisschen grenzwertigen“ Idee, wie er selber sagt, und traf bei Seniorentreffleiterin Annette Horn auf offene Ohren: „Und ich habe schon die Fotografin.“ Denn sie hatte sich selbst bereits einmal von Andrea Rompa fotografieren lassen. So wusste sie auch, es kostet anfangs Überwindung, man muss erstmal Vertrauen gewinnen. Doch dann: „Man erlebt sich ganz anders.“

Nun ist Horn sehr wichtig, dass der Seniorentreff kein Kaffeeklatsch und ihr Part nicht schnöde Bespaßung ist. Seniorenakademie, sagen manche Teilnehmende, und das passt eher. Horn: „Ich möchte den Menschen etwas mit auf den Weg geben.“

Rund 170 Menschen sind zur Vernissage gekommen. Rund 170 Menschen sind zur Vernissage gekommen.

Nur: Die Projektidee Aktfotos löste zunächst „ganz viel Skepsis“ aus. Erst im Laufe vieler Gespräche, vor allem während der gemeinsamen Arbeit an einer Marilyn-Monroe-Collage, wich die Skepsis. Stattdessen wuchs „richtige Abenteuerlust“. Einmal im Leben etwas Verruchtes tun, etwas Keckes.

Nicht nur die ausführlichen Gespräche, insbesondere über Schönheitsideale. Die Gruppe hat auch gemeinsam die Kinokomödie „Kalender Girls“ geguckt, die furiose Geschichte einer Gruppe von Frauen, die einen Akt-Kalender herstellen. Das brachte ganz nebenbei auch einen Praxistipp ein, wie Holger Pyka in der Lokalzeit Bergisches Land im WDR-Fernsehen im Studiogespräch verriet: BH zwei Stunden vor den Aufnahmen ausziehen; wegen der Druckstellen.

Die Aufnahmen sind im Juli entstanden. Die Aufnahmen sind im Juli entstanden.

Im Juli dann war an zwei Wochenenden Fotoshooting. Manche Seniorin, mancher Senior ließ sich im improvisierten Studio im Gemeindezentrum ablichten. Andere kamen in Andrea Rompas Fotostudio. Dort auch war Beate Deutsch (63), die anders als manche andere auf jegliches Accessoire verzichtete, kein Hut, kein Tuch. „Ich habe mich bewusst nicht bekleidet.“ Auf dem Foto ist sie „so wie Gott mich geschaffen hat“; ihre Gottesrufer-Kette hat sie anbehalten. Dass sie wie ein Embryo daliegt, diese Idee entstand spontan im Studio, „das war Wohlfühlen und Sicherheit“, erzählt Beate Deutsch, während sie ihr Bildnis betrachtet.

Vertrauen gewonnen. Gemeinschaft ebenso: „Unsere Beziehungen sind viel enger geworden. Das hat mich so angerührt“, sagt Seniorenkreisleiterin Annette Horn. In ihrer Rede bei der Vernissage formuliert sie es so: „Das Wir in unserem Kreis ist wichtiger geworden.“

Trotzdem: Warum macht die Kirche sowas? „Weil es das ist, was wir als Kirche machen sollten“, erklärt Pfarrer Pyka dem Vernissage-Publikum. „Gottes Spuren in der Welt suchen und in den Gesichtern der Menschen finden.“ Oder, um Annette Horns Erkenntnis zu teilen: „Wir sind Gottes Ebenbilder – in jeder Lebensphase, auch mit Runzeln und Falten.“

Großer Dank gilt der Fotografin Andrea Rompa. Großer Dank gilt der Fotografin Andrea Rompa.

Die Ausstellung "Wunderbar gemacht" ist noch bis 4. November zu sehen: Gemeindezentrum, Röttgen 102, Wuppertal-Uellendahl. Öffnungszeiten: während der Herbstferien am 15., 16., 17., 24., 25. und 26. Oktober jeweils von 15 bis 18 Uhr. Danach unter der Woche von 10 bis 12 und von 15 bis 18 Uhr, sonntags nach dem 10-Uhr-Gottesdienst

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ekir.de / neu / 14.10.2018



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