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Der schwebende Engel von Ernst Barlach ist ein Mahnmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen. Der schwebende Engel von Ernst Barlach ist ein Mahnmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen.

Frieden

Die „ultima ratio“ Schritt für Schritt überwinden

Wie kann der Weg zu einer „Kirche des gerechten Friedens“ aussehen? Inwieweit sollte die Bundeswehr in die Diskussionen zum Friedensengagement einbezogen werden? Über den weiteren Umgang mit dem von der Landessynode 2018 verabschiedeten Friedenswort diskutierten die Teilnehmenden der 5. Rheinischen Friedenskonferenz in Bonn.

Das Podium der Friedenskonferenz (von links): Militärdekan Dr. Klaus Beckmann, Tagungsleiter Ulrich Frey und Superintendent Jens Sannig. Das Podium der Friedenskonferenz (von links): Militärdekan Dr. Klaus Beckmann, Tagungsleiter Ulrich Frey und Superintendent Jens Sannig.

Mit dem Appell, das Engagement für den Frieden auf allen Ebenen fortzuführen, ist am 7. März 2018 in Bonn die 5. Rheinische Friedenskonferenz zu Ende gegangen. Aufgrund eines Friedenswortes der Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland im Januar 2018 soll die Weiterentwicklung der Landeskirche zu einer „Kirche des gerechten Friedens“ unterstützt und engere Zusammenarbeit mit Friedensinitiativen und –gruppen gesucht werden, hieß es auf der Konferenz mit rund 30 Besucherinnen und Besuchern.

Zu den geplanten Aktionen gehört die Beteiligung an einem Pilgerweg und einem Gottesdienst vor dem Luftwaffen-Fliegerhorst Büchel in Cochem an der Mosel am 7. Juli mit dem Friedensbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland, Renke Brahms. Auf dem Gelände der Bundeswehreinrichtung lagern US-Atomwaffen. Er ist seit langem das Ziel von Friedensdemonstrationen und – kundgebungen.

Anlass für das Friedenswort der Synode war die 100. Wiederkehr des Endes des Ersten Weltkriegs in diesem Jahr, erläuterte der Jülicher Superintendent Jens Sannig. Er leitet den Synodenausschuss für Öffentliche Verantwortung, der für das Friedenswort verantwortlich zeichnet.

Frieden hat Vorrang vor jeder Überlegung zu militärischem Einsatz

Wie er sagte, gehe es darum, „eine neue Sprache zu sprechen“ und dem Frieden bis hinein in den Schulunterricht Vorrang zu geben vor jeder Überlegung zum Einsatz von Militär. Androhung und Ausübung von Gewalt könnten als „äußerste Möglichkeit“ auf Zeit ethisch legitim sein, aber sie brauchten eine Einbettung in ein friedenspolitisches Konzept.

So heißt es auch im Friedenswort: „Kirche des gerechten Friedens zu sein bedeutet, Krieg und kriegerische Mittel als Möglichkeit der Konfliktlösung, als ,ultima ratio‘, zu überwinden, Schritt für Schritt. Gewaltfreie Lösungen sind möglich. Sie sind schmerzhaft, weil sie eigene, besonders wirtschaftliche, Interessen berühren. Sie sind langwierig und müssen mühsam gelernt werden. Sie sind aber die Lösungen, die sich als roter Faden durch die Bibel ziehen und biblisch geboten sind.“

Der Berliner Militärdekan Klaus Beckmann warb als Vertreter der Evangelischen Militärseelsorge dafür, die Offizierinnen und Offiziere der Bundeswehr in die Diskussionen einzubeziehen und sie nicht auszugrenzen, weil sie sich für ein Friedensengagement auch mit Waffen entschieden hätten. Die militärisch Verantwortlichen debattierten lebhaft, wie das Militär seiner Verantwortung für den Frieden am besten nachkomme.

Warnung vor vorschnellem Nein zu militärischen Einsätzen

Beckmann warnte zugleich vor einem vorschnellen Nein zu militärischen Einsätzen: „Unerlöstes Handeln meiden zu können ist eine Illusion, verbunden mit der Entsolidarisierung mit bedrohten Menschen.“ Er richtete kritische Fragen an das Friedenswort: „Wird hier nicht implizit eine Front der Gute gegen die Bösen, des Lichts gegen die Finsternis, der Gerechten gegen die Ungerechten aufgerichtet?“

Im Bereich der Evangelischen Kirche im Rheinland sind 13 Militärpfarrerinnen und -pfarrer tätig. Ihre Aufgabe, so Beckmann, bestehe nicht darin, Soldaten „fit for fight“ zu machen, sondern ihnen „einen Raum der persönlichen Eigenheit und Gewissensbindung zu garantieren.“ Militärpfarrerinnen und – pfarrer seien besondere Ansprechpartner, weil sie, anders als in allen anderen Armeen der Welt, unabhängig seien von der Kommandostruktur der Bundeswehr.

Das Friedenswort soll Anstöße zu einer dreijährigen Diskussion geben, erläuterte Sannig. Daher gelte es jetzt, einen Diskussionsprozess auf allen Ebenen in Gang zu bringen. 2021 will sich die Synode mit den Rückmeldungen beschäftigen.

 

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ekir.de / Wolfgang Thielmann, Fotos: Anna Siggelkow, Wolfgang Thielmann / 09.03.2018



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