Generalsynode 1610

Wie die rheinische Kirche ihre Ursprünge feiert

Manches wird klarer, wenn es alltagstauglich formuliert ist. "Die hatten die Hosen gestrichen voll." Gemeint sind die 36 Herren, die vor nunmehr 400 Jahren ängstlich und auch mutig die 1. Reformierte Generalsynode abhielten.

Pressekonferenz zum Jubiläum 400 Jahre 1. Reformierte Generalsynode in der Duisburger Salvatorkirche. In dieser Kirche fand kürzlich der Gedenkgottesdienst zum Loveparade-Unglück statt, woran die Kerze (l.) erinnert. LupePressekonferenz zum Jubiläum 400 Jahre 1. Reformierte Generalsynode in der Duisburger Salvatorkirche. In dieser Kirche fand kürzlich der Gedenkgottesdienst zum Loveparade-Unglück statt, woran die Kerze (l.) erinnert.

Und aus dieser mit viel Angst besetzten, einem kleinen "Zeitfenster", einer kurzen Atempause vor dem sich am Horizont abzeichnenden Dreißigjährigen Krieg abgerungenen Generalsynode "ist wirklich etwas geworden", wie der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), Nikolaus Schneider weiter sagte. Bei der Pressekonferenz zum Jubiläum der Generalsynode am (vermutlich) historischen Ort, der Duisburger Salvatorkirche, betonte der Präses weiter: "Da merkt man Gottes Geist."

Die rheinische Kirche feiert diese Generalsynode u.a. mit einer außerordentlichen Landessynode am 4. September, einer Festwoche, besonderen Gottesdiensten, einem wissenschaftlichen Kongress, einem Kreiskirchentag und einem Tag im Zirkuszelt. "Wir sind so frei" lautet das Motto des Jubiläums, das bereits mit "Kanzelreden", historischen Stadtführungen und Presbyterfortbildungen in Gang ist.

 

Salvatorkirche Duisburg LupeSalvatorkirche Duisburg

Das Besondere der 1. Reformierten Generalsynode war dem Präses zufolge, dass sowohl Geistliche als auch Nichtgeistliche zusammen kamen und beide stimmberechtigt waren. "Das gab es vorher nicht." Außerdem wurde beschlossen, nichts zu verhandelen, was nicht vorher in den Kirchengemeinden beraten wurden. Das heißt, es wurde nicht länger "von oben nach unten durchgestellt". Das "Unten" hat sich vielmehr selbst auf der Synode repräsentiert und selbst gebunden, so Schneider über die Idee der presbyterial-synodalen Ordnung, die in der EKiR bis heute gilt. "Duisburg war der Nukleus der presbyterial-synodalen Ordnung."

Präses Nikolaus Schneider LupePräses Nikolaus Schneider

Dabei unterstrich der leitende Geistliche, dass diese Struktur auch eine inhaltliche Entscheidung ist, weil die Leitung der Kirche im Grunde beim Herrn der Kirche liegt, und weil Jesus Christus gesagt hat, wo zwei oder drei in seinem Namen zusammen sind, ist er mitten unter ihnen.

Auch weitere Inhalte der Generalsynode prägen bis heute, sind wesentliche Grundprinzipien: "Das Evangelium drängt zur Tat", so Schneider - und folgerichtig installierte "Duisburg" nicht nur Armenkassen, sondern auch Diakoniekirchmeister. Die Bedeutung der Bildung wurde unterstrichen, Schulen verbindlich.

Schweigeminute für Opfer der Loveparade

Da die Salvatorkirche einer der Gedenkorte für die Opfer der Loveparade ist, weil hier der Gedenkgottesdienst stattfand, wird die Sondersynode am 4. September der Opfer gedenken und eine Schweigeminute einlegen, kündige der Präses an. Duisburgs Superintendent Armin Schneider wies auch auf die dritte Kerze hin, die von den im Gedenkgottesdienst für die Verstorbenen und ihre Familien entzündeten Kerzen zeugt.

Der Präses kündigte außerdem an, dass die außerordentliche Landessynode eine Erklärung über die heutige Bedeutung der 1. Reformierten Generalsynode plane abzugeben. Die Themen seien Bildung und der Umgang mit Fremden. "Damals hieß das Religionsfreiheit", heute gehe es um Toleranz und Integration - "dafür wollen wir uns einsetzen".

 

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 26. August 2010. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 26. August 2010. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu / 26.08.2010



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