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Afghanistan heute: Projekte, Reisebericht und Info-Abend in Bad Kreuznach

  • 21.10.2026

Humanitäre Hilfe unter der Talibanherrschaft: Ein Lagebericht aus Afghanistan

Dass humanitäre Hilfe für Menschen in Not auch unter den aktuellen politischen Bedingungen in Afghanistan möglich ist, beweist die jüngste Projektreise der Afghanistan – Hilfe die ankommt e.V. Im August dieses Jahres reiste die Vereinsvorsitzende Najiba Behmanesh für zwei Wochen in die nordafghanische Provinz Baghlan, um die Projekte vor Ort zu betreuen. Begleitet wurde sie von Dr. Katja Mielke, einer ausgewiesenen Afghanistan-Expertin des Bonn International Center for Conflict Studies (BICC).

Das Fazit der Reise ist zwiespältig: Zwar habe sich die Sicherheitslage deutlich verbessert – Anschläge und Überfälle bleiben aus, und das Reisen in den Provinzen ist wieder sicherer geworden –, doch gleichzeitig haben Armut und soziale Not im Land massiv zugenommen. Humanitäre Hilfe für die Ärmsten der Gesellschaft ist heute unverzichtbarer denn je.

Familienpatenschaften: Überleben im Winter sichern

Ein zentraler Pfeiler der Vereinsarbeit sind die Familienpatenschaften. Najiba Behmanesh nutzte die Reise, um die unterstützten Familien persönlich zu treffen. Aktuell fördert der Verein 95 Haushalte. Es handelt sich vorwiegend um Familien, in denen keine männliche Person arbeiten kann und Frauen sich alleine um die Kinder kümmern müssen. Der Verein sichert durch regelmäßige Geldzahlungen für Lebensmittel das Überleben dieser Menschen. Die einzige, aber essenzielle Bedingung: Die Kinder müssen die Schule besuchen und dürfen nicht zur Kinderarbeit gezwungen werden. Angesichts der knappen Brennmaterialien ist für den kommenden Winter zudem eine einmalige Nothilfe zum Heizen geplant.

Kampf der Wasserknappheit: Brunnenbau und Aufforstung

In den vergangenen Jahren wurden in der Umgebung von Pul-I-Khumri bereits 13 Brunnen gebaut, von denen vier während der Reise inspiziert wurden. Ein Brunnen muss aufgrund mangelhafter Wasserqualität neu gebohrt werden. Noch immer gibt es viele Dörfer ohne Trinkwasserversorgung, was Kinder oft zwingt, stundenlange Fußmärsche auf sich zu nehmen – Zeit, die ihnen für den Schulbesuch fehlt. Um nicht nur akute Linderung zu schaffen, sondern der Wasserknappheit nachhaltig entgegenzuwirken, plant der Verein großangelegte Aufforstungsprojekte. Im Februar 2027 wird Najiba Behmanesh erneut in die Region reisen, um die Pflanzung von 500 Bäumen pro Brunnenstandort auf den Weg zu bringen.

Bildung als Ausweg: Schulpatenschaften für Mädchen

Die vor 12 Jahren vom Verein erbaute Schule ist weiterhin in Betrieb. Unter der Leitung derselben Lehrerin wie am ersten Tag werden hier Mädchen bis zur 6. Klasse und Jungen bis zur 5. Klasse unterrichtet. Da Mädchen ab der 7. Klasse der Besuch staatlicher Schulen derzeit untersagt ist, setzt die Afghanistanhilfe ab 2027 einen neuen Fokus: Durch gezielte Schulpatenschaften soll älteren Mädchen der Besuch von Privatschulen ermöglicht werden. Dies schafft gleichzeitig Arbeitsplätze für arbeitslose Lehrerinnen. Bereits mit 20 Euro im Monat kann einem Mädchen der weitere Schulbesuch finanziert werden.

Medizinische Nothilfe und politische Forderungen

Als Ärztin behandelt Najiba Behmanesh bei ihren Reisen chronisch und akut kranke Menschen, verteilt Medikamente und organisiert Klinikaufenthalte. Oft geschieht dies in enger Zusammenarbeit mit Dr. André Borsche von Interplast Germany e.V., der im November unter anderem ein vierjähriges afghanisches Mädchen mit schweren Verbrennungen in Bad Kreuznach behandeln wird.

Trotz ihres unermüdlichen pragmatischen Einsatzes hat Behmanesh eine klare politische Forderung an die Bundesregierung: Sollte es zu Verhandlungen mit den Taliban über Rückführungen kommen, dürfe dies nicht ohne harte Bedingungen geschehen. Die Einhaltung der Rechte von Frauen sowie das Recht auf Schulbesuch und Studium für Mädchen müssen zwingend eingefordert werden.

Information & Diskussion: Der Afghanistan-Abend

Der Verein lädt herzlich ein, sich aus erster Hand über die aktuelle Lage und die Fortschritte der Projekte zu informieren.

Wann: Samstag, 7. November 2026 | 18:00 – 22:00 Uhr
Wo: Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Kurhausstr. 6, 55543 Bad Kreuznach

Gäste & Programm:

  • Dr. Katja Mielke (BICC Bonn) & Najiba Behmanesh: Reisebericht aus August 2026 & Einblicke in die Projektarbeit (Brunnenbau, Familienhilfe, Mädchenschule)
  • Dr. André Borsche (Interplast Germany): Aktivitäten und medizinische Kooperationen
  • Ali Mohammadi & Samira Khani: Klassische persische Musik und Lieder
  • Kulinarik: Buffet mit afghanischen Spezialitäten

Zur Vereinswebsite

Helfen Sie uns, Zukunft zu stiften

Mit 20 Euro monatlich finanzieren Sie den Schulbesuch eines Mädchens. Auch kleine Beträge machen einen gewaltigen Unterschied für den Bau neuer Brunnen und die Sicherung der Lebensmittelversorgung.

Spendenkonto

Empfänger: Afghanistan – Hilfe die ankommt e. V.

Bank: Sparkasse Rhein-Nahe

IBAN: DE37 5605 0180 0017 0401 22

BIC: MALADE51KRE

  • Verena Häuser
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