sinnundsegen.de

Falk Schöller verlässt Krefeld und wechselt nach Koblenz

  • 20.10.2026

Krefeld. Nach sechseinhalb Jahren endet ein besonderes Kapitel evangelischer Stadtkirchenarbeit. Falk Schöller verlässt Krefeld und wechselt nach Koblenz. Er hat die Alte Kirche als Ort des Glaubens, der Kultur und der Begegnung in der Krefelder Innenstadt geprägt. Am 30. Oktober um 18 Uhr wird er mit einem „Feierabend komm spezial“ verabschiedet und von seinem Dienst als Citykirchenpfarrer entpflichtet. Anschließend wird er Gemeindepfarrer in Koblenz.

Wie kann Kirche Menschen erreichen, die mit traditionellen kirchlichen Angeboten wenig anfangen können oder sich längst von ihr verabschiedet haben? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Arbeit von Falk Schöller als Krefelder Citykirchenpfarrer. Sein Anliegen war es, Kirche mitten in der Stadt sichtbar und erlebbar zu machen – und Menschen dort zu begegnen, wo sie leben, arbeiten und ihren Interessen nachgehen.

„Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie Kirche mit und für andere ist“, sagt Schöller. Unter seiner Mitwirkung entwickelte sich die Alte Kirche am Schwanenmarkt zu einem offenen Ort für Musik, Kunst, Tanz, Theater, ökumenische Begegnungen und gesellschaftliche Debatten. Ziel war es, den Kirchenraum nicht nur zu erhalten, sondern als lebendigen sozialen, kulturellen und geistlichen Ort in der Innenstadt zu gestalten.

Ein Beispiel dafür ist DanceFlowSpirit, ein als „Erprobungsraum“ der Evangelischen Kirche im Rheinland gestartetes Projekt, das Menschen mit Tanz und Bewegung in die Alte Kirche brachte. Auch Kunstschaffende fanden zunehmend ihren Weg in den Kirchenraum. Mit vergleichsweise kleinen Veränderungen an Licht, Ausstattung und Möblierung wurde dieser flexibler nutzbar. „Die Alte Kirche ist ein Schatz. Mit vielen Beteiligten haben wir sie zu einem evangelischen Zentrum für Kirche und Diakonie in Krefeld entwickelt“, so Schöller.

Glaube verständlich und lebensnah vermitteln

Ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit war der gemeinsam mit Kantorin Christiane Böckeler gestaltete Gottesdienst „Feierabend komm!“. In fünf Jahren kamen 100 Gottesdienste zusammen. Von Oktober bis Ostern lädt das Format freitags dazu ein, die Arbeitswoche mit Musik, geistlichen Impulsen und gemeinsamem Singen ausklingen zu lassen. Klassische Kirchenmusik und Pop stehen dabei gleichberechtigt nebeneinander. Auch ökumenische Friedensgebete gehörten zum Leben der Alten Kirche.

Für Schöller geht es dabei auch um die Sprache, in der Kirche Menschen anspricht: „Martin Luther hat uns aufgegeben, den Leuten auf den Mund zu schauen,und ins Herz. Und daraus eine einfache, verständliche, klare Sprache zu entwickeln, die Menschen einfach verstehen – und die Gott mit den Menschen in Beziehung setzt.“

Entsprechend griff Schöller Themen auf, die Menschen in Krefeld bewegen: Einsamkeit, Krieg und Frieden, gesellschaftliche Spaltung, Flucht und Segen. Er arbeitete mit der queeren Community zusammen, gestaltete Gottesdienste mit Partnern aus Stadtgesellschaft und Ökumene und bot seelsorgerliche Begleitung an. Wie wichtig dafür ein offener Kirchenraum sein kann, hat er immer wieder erlebt: „Es gab viele Gespräche, scheinbar aus dem Nichts, weil die Kirche offen war, weil Begegnungen möglich waren, weil Raum und Zeit war. Das haben viele gesucht, geschätzt, angenommen.“

Gemeinsam für die Stadt

Auch die Zusammenarbeit mit der Evangelischen Allianz und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) entwickelte sich zu einem wichtigen Teil seiner Arbeit. Als ACK-Vorsitzender für Krefeld und Meerbusch gestaltete Schöller ökumenische Projekte und öffentliche Begegnungen mit. Darüber hinaus brachte er sich in kirchliche Gremien und in Veränderungsprozesse im Kirchenkreis ein.

Dass die Arbeit nur gemeinsam gelingen kann, ist für ihn ein wesentlicher Teil des kirchlichen Auftrags. Haupt- und Ehrenamtliche, Kunst- und Kulturschaffende sowie kirchliche und gesellschaftliche Partner arbeiteten bei vielen Projekten zusammen. Dazu gehörten unter anderem „Einfach heiraten“ und die Konfilympics, die zum ersten Mal in diesem Jahr in Krefeld ausgetragen wurden.

Schöller sieht darin eine zeitgemäße Umsetzung des biblischen Auftrags, der Stadt Bestes zu suchen. „Wir haben versucht, den Auftrag des Propheten Jeremia in unsere Zeit zu ziehen – gemeinsam, multiprofessionell, im selbstverständlichen Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen auf Augenhöhe.“

Wie geht es mit der Citykirchenarbeit weiter?

Die halbe Stelle als Citykirchenpfarrer war seinerzeit neu geschaffen worden und vom Dienst im Gemeindepfarramt freigestellt. Nach sechseinhalb Jahren endet diese besondere Aufgabe nun. Ob und in welcher Form die Citykirchenarbeit fortgeführt wird, ist noch offen. Für Schöller sollte die Entscheidung nicht allein von finanziellen Möglichkeiten abhängen, sondern auch davon, welchen Stellenwert Kirche als offener Ort in der Stadtgesellschaft künftig haben soll.

„Als Kirche sind wir nicht nur da, um uns um uns selbst zu drehen, um Finanzen, Gebäude, Strukturen, sondern in die Stadt hineinzuwirken und die Menschen zu erreichen. Diese Aufgabe bleibt“, betont Schöller.

„Feierabend komm spezial“ zum Abschied

Der Abschiedsgottesdienst am Freitag, 30. Oktober, steht unter dem Titel „Wo der Glaube heute zu finden ist“. Noch einmal treffen Klassik und Pop, Worte und Melodien aufeinander. Falk Schöller gestaltet die Liturgie und gibt einen geistlichen Impuls. Prof. Dr. Karlheinz Schüffler spielt die Vleugels-Orgel, Toni Ullrich bringt neue Lieder zu Gehör. Das Hülser Vokalensemble singt unter der Leitung von Christiane Böckeler. Auch Musik von Herbert Grönemeyer gehört zum Programm. Superintendentin Dr. Barbara Schwahn entpflichtet Schöller aus seinem Dienst.

Der Gottesdienst beginnt um 18 Uhr in der Alten Kirche Krefeld am Schwanenmarkt. Im Anschluss sind die Besucherinnen und Besucher zu einem Stehempfang im Gemeindehaus eingeladen. Alle, die sich von Falk Schöller verabschieden möchten, sind herzlich willkommen.

Foto: privat

  • Ramona Kullick
  • Red