Almuth Seeger ist entspannt. Sie lächelt, sie blickt zurück und zugleich nach vorne, dankbar, allerdings mit einem „Hauch von Wehmut“, denn am Sonntag, 6. September, wird die Pfarrerin der Evangelischen Rheingemeinde Duisburg nach mehr als 36 bewegten und bewegenden Dienstjahren in einem Festgottesdienst um 14 Uhr in der Wanheimerorter Gnadenkirche, Paul-Gerhardt-Straße, offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Die Gemeinde lädt herzlich zum Abschied ein.
„Es ist wirklich ein Abschied“, sagt sie, „denn wir ziehen ja nach Bonn, in die Nähe unserer Kinder und Enkelkinder“. Ihr Mann Rolf, ebenfalls Pfarrer in der Rheingemeinde, wurde bereits vor knapp zwei Jahren in den Ruhestand verabschiedet. „Es waren erfüllte Jahre“, so Almuth Seeger, denn man habe viel Bewegendes erlebt, aber auch viel selbst bewegt.
In Bonn geboren und aufgewachsen, hat sie dort sowie in Tübingen und Wuppertal Theologie studiert. In der letzten Studien- und Examenszeit hat sie ihren Mann kennengelernt. Nach Examen, Vikariat und Probedienst war es dann soweit. In Wanheimerort war eine Pfarrstelle ausgeschrieben. Die beiden, inzwischen verheiratet, haben sich als Ehepaar dort beworben.
„Damals, Anfang 1990, gab es nur wenige Pfarrstellen und viele Bewerber. Dass Frauen den Pfarrdienst ausüben, war auch nicht alltäglich, und dass sich ein Ehepaar eine Pfarrstelle teilt, immer noch ungewöhnlich“, erinnert sie sich. Aber es hat „geklappt“. Die beiden wurden gewählt: „Wir durften machen und ausprobieren. Das war richtig toll und ermutigend“.
Und Almuth Seeger, die „Frau im Talar“ hat Spuren hinterlassen. Durch ihren einfühlsamen Dienst für Menschen, mit Menschen und am, Menschen hat sie ihren Glauben gelebt, erlebt, gestärkt und weitergeben. „Unsere zwei Töchter kamen zur Welt, und da bot sich geradezu an, dass ich verstärkt mit jungen Familien und jungen Menschen gearbeitet habe.“ Es war gar nicht so selten, dass es zu bestimmten Zeiten fast zehn Mini-Clubs pro Woche gab. Viel Spaß und Freude bereiteten auch die zahlreichen Familienfreizeiten.
Das war zunächst ein Schwerpunkt ihrer Arbeit, aber längst nicht alles. Sie hat andere Gottesdienstformate auf den Weg gebracht, wie etwa den Taizé-Gottesdienst oder das „Innehalten in der Woche“, zuletzt gemeinsam mit der katholischen Gemeinde und der Freien Evangelischen Gemeinde in Wanheimerort. Und da gab es auch viele geistliche Angebote, Bibelgesprächskreise oder den Kurs „Stufen des Lebens“. Dies waren stets Erlebnisse auf Augenhöhe, Dialoge, keine Monologe. „Das Miteinander im Glauben war uns immer wichtig“, sagt die scheidende Pfarrerin.
Nicht zu vergessen bei all‘ ihrem Wirken ist die Musik. Almuth Seeger lächelt wieder. Schon als Kind hat sie in Bonn in Gottesdiensten mit musiziert und in Wanheimerort ihre Geige ebenfalls erklingen lassen. Musik verbindet und nimmt die Menschen mit, sagt sie und verweist auf das vielfältige, unterschiedliche Chor- und Musikangebot in der Rheingemeinde. Da gibt es den Popchor „PraiSing“ unter der Leitung von Daniel Drückes, den Singkreis, geleitet von Beate Hölzl und den Chor „Soul, Heart & Spirit“ von Lothar Rehfuß. „Und von allen dreien“, freut sie sich, „wird in meinem Abschiedsgottesdienst auch was zu hören sein. Ansonsten lasse ich mich einfach überraschen.“
Wenn sie in diesem Gottesdienst von Superintendent Dr. Christoph Urban entpflichtet wird, endet eine lange „Reise“ und eine neue Wegstrecke steht bevor: Almuth Seeger und ihr Mann werden mehr Zeit für das Familienleben haben und sich insbesondere den Enkelkindern widmen. Das Wort Dankbarkeit spielt in jedem Fall eine große Rolle. Das wird auch beim anschließenden Empfang deutlich werden. Viele langjährige Weggefährtinnen und Weggefährten werden dann dabei sein. Wehmut und Dankbarkeit werden mitschwingen, denn das seelsorgerische, menschliche Wirken von Almuth Seeger in Wanheimerort und dann in der Rheingemeinde hinterlässt wunderbare Spuren. Ihre Pfarrstelle wird wieder besetzt. Das Presbyterium bringt die Wiederbesetzung derzeit auf den Weg.
Text: Reiner Terhorst
Das Bild zeigt Pfarrerin Almuth Seeger in „ihrer“ Gnadenkirche, Foto – Reiner Terhorst