Gemeindezentrum Kornelimünster setzt auf erneuerbare Energien

  • 22.09.2026

Klimafreundlich heizen, eigenen Strom erzeugen und Energie intelligent nutzen

In der Kirchengemeinde Kornelimünster-Zweifall ist das Gemeindezentrum in Kornelimünster seit Jahrzehnten ein wichtiger Mittelpunkt des Gemeindelebens. Das Gebäude wurde 1965 errichtet und 1997 um weitere Bereiche erweitert, unter anderem wurde ein neuer Gottesdienstraum geschaffen. Um das Gemeindezentrum zukunftsfähig aufzustellen und auf den Einsatz fossiler Energien zu verzichten, wurde die Wärmeversorgung grundlegend modernisiert. Heute verbindet das Gebäude Wärmepumpen, Photovoltaik, Batteriespeicher und eine intelligente Heizungssteuerung.

Gottesdienstraum (Versammlungsraum), Foto: Kirsten Neumann
Von der Gasheizung zur Wärmepumpe

Herzstück der energetischen Modernisierung ist die neue Wärmeversorgung. Die bisherige Gasheizung aus dem Jahr 1989 hatte eine Leistung von max. 90 kW und wurde durch drei modulierende Luft-Wasser-Wärmepumpen mit jeweils 21 – 24 kW ersetzt. Zum Einsatz sind Anlagen von iDM Energiesysteme GmbH gekommen.

Die Planung wurde durch ein Ingenieurbüro fachlich begleitet. Auf Grundlage der Fachplanung wurden vier Firmen angefragt, jedoch gingen nur zwei wertbare Angebote ein. Eines davon stammte von Theod. Mahr Söhne GmbH. Im weiteren Projektverlauf wurde die ursprüngliche Fachplanung in gegenseitiger Absprache mit dem günstigsten Bieter auf die schlussendliche Ausführung hin überarbeitet. Dadurch konnte gegenüber der ersten Preisabgabe durch die diversen Änderungen eine Einsparung von ca. 40.000 Euro erreicht werden.

Das im Gottesdienstraum bereits eingesetzte dezentrale Umluft-Heizsystem (MAHRCALOR® Wärmestation von Theod. Mahr Söhne GmbH), das speziell für sakrale Räume und den Denkmalschutz entwickelt wurde, konnte auch mit der Umstellung von einer Gas- auf eine Wärmepumpenheizung weiterverwendet werden – lediglich die Regelung wurde modernisiert und dem Stand der Technik angepasst.

Vergrößerte Heizfläche, Foto Kirsten Neumann

Temperaturaufzeichnungen eines Arbeitskreises der Kirchengemeinde über einen längeren Zeitraum gaben für die Auslegung der neuen Heizungsanlage eine Außentemperatur von minus 7 °C vor. Da der Wärmepumpenbetrieb nun mit einer Heizungsvorlauftemperatur von 55 °C (statt ursprünglicher Auslegung auf 75 °C) arbeitet, zeigte sich im ersten Winterbetrieb, dass (lediglich) zwei Räume mit der vorhandenen Heizkörperdimensionierung nicht ausreichend warm wurden. In diesen Räumen wurden dann insgesamt vier Heizkörper vergrößert. So konnte die Wärmeabgabe an die tatsächlichen Anforderungen der Räume angepasst werden.

Wärme nur dann, wenn sie gebraucht wird

Neben der neuen Wärmeerzeugung setzt das Gemeindezentrum auf eine bedarfsgerechte Regelung der Raumtemperaturen. Digitale Thermostatköpfe ermöglichen es, die Temperierung an die jeweilige Raumbelegung anzupassen.

Räume, die gerade nicht genutzt werden, werden deshalb nur auf einer Grundtemperatur gehalten und nicht dauerhaft auf voller Temperatur. Wird ein Raum für eine Veranstaltung, einen Gottesdienst oder eine andere Nutzung benötigt, kann die Beheizung entsprechend angepasst werden. Das reduziert unnötige Wärmeverluste und unterstützt einen möglichst effizienten Betrieb der Wärmepumpen.

Eigener Solarstrom für das Gemeindezentrum

Die Modernisierung der Wärmeversorgung wird durch eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher ergänzt. Die PV-Anlage mit 30 kWp wurde im Dezember 2024 installiert. Der erzeugte Solarstrom kann direkt im Gemeindezentrum genutzt werden. Überschüssige Energie wird in einem 21 kW- Batteriespeicher zwischengespeichert und steht zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung. Zu erwähnen ist, dass vor Installation der Solar-Panels eine umfangreiche Sanierung der Dacheindeckung einschließlich Wärmedämmung erfolgte. Diese Kosten lagen deutlich höher als die der Photovoltaikanlage selbst.

Hydraulik-Module und gedämmte Heizungsrohre, Foto: Waldemar Schutzki
Eine Investition in die Zukunft

Die Gesamtkosten der Wärmepumpe belaufen sich auf rund 290.000 Euro. Auch hier muss erwähnt werden, dass die eigentlichen Kosten der Wärmepumpenanlage hiervon nur rund 70 % ausmachen. Der Rest sind vorlaufende Tätigkeiten wie neue, größere E-Einspeisung, Erd- und Fundamentarbeiten, etc.
Das Projekt wurde vom Bund (Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen) mit einer Förderung von 40 Prozent unterstützt. Darin enthalten sind 5 % Förderung für den Einsatz des klimafreundliche Kältemittels R290. Insgesamt konnten 116.000 Euro Fördermittel eingesetzt werden.

Eine besondere Herausforderung bei der Antragstellung zur Förderung war die Einordnung des Gottesdienstraums. Da dieser zunächst nicht als förderfähig angesehen wurde, musste die Nutzung des Gemeindezentrums im Allgemeinen und des Gottesdienstraumes als Versammlungsraum im Besonderen entsprechend begründet werden. Nach dieser etwas aufwendigen Begründung wurde die Maßnahme für das Gemeindezentrum in der Gesamtheit als förderungswürdig akzeptiert.

Pufferspeicher + Batteriespeicher, Foto: Wolfgang Schierp
Nachhaltiger Betrieb braucht auch gute Wartung

Damit die neue Anlagentechnik dauerhaft zuverlässig und effizient arbeitet, wurde ein Wartungskonzept vereinbart, in das auch der Hersteller der Wärmepumpen involviert ist. Die regelmäßige Wartung der Wärmetechnik übernimmt das Installationsunternehmen im Rahmen eines jährlichen Wartungsvertrags.
So ist nicht nur die technische Modernisierung gewährleistet, sondern auch der langfristige und effiziente Betrieb der Anlage abgesichert.

https://oeko.ekir.de/inhalt/foerder-weg-weiser/
Ein Beispiel für die energetische Zukunft von Gemeindezentren

Am Beispiel des Gemeindezentrums in Kornelimünster zeigt sich, wie auch ein Gebäude aus den 1960er-Jahren sich schrittweise für eine klimafreundlichere Zukunft aufstellen lässt. Wärmepumpen ersetzen die alte Gasheizung, eine Photovoltaikanlage erzeugt erneuerbaren Strom, ein Batteriespeicher erhöht dessen Nutzbarkeit und digitale Thermostate sorgen für eine bedarfsgerechte Temperierung der Räume.

Das Beispiel macht zugleich deutlich: Ein erfolgreicher Umstieg auf erneuerbare Energien besteht nicht allein aus dem Austausch einer Heizungsanlage. Entscheidend ist das Zusammenspiel von guter Fachplanung, passender Heizflächen, intelligenter Regelung, erneuerbarer Stromerzeugung, entsprechender Speichermöglichkeiten und einem verlässlichen Wartungskonzept.

Damit wird aus der Modernisierung nicht nur ein technisches Projekt, sondern ein wichtiger Schritt hin zu einem energieeffizienteren und zukunftsfähigen Gemeindezentrum.

  • Red
  • Red