„Man kann Menschen entlang vieler Stationen ihres Lebens begleiten“, das ist das Schönste am Pfarrberuf, findet Pfarrerin Petra Jäger. Nach 35 Jahren in der Mülheimer Markuskirchengemeinde wird die Pfarrerin jetzt in einem feierlichen Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet. Dazu lädt die Markuskirchengemeinde herzlich ein am Sonntag, 27. September, 11 Uhr, in die Markuskirche am Springweg 10.
Persönliche Nähe, Seelsorge und Gemeinschaft, das waren die Dinge, die der Pfarrerin in ihrem Berufsleben wichtig waren. Ein persönliches Highlight, an das sie sich gerne erinnert, war „das Taufgespräch, in dem mir die Mutter sagte: Eigentlich würde ich gerne eine Krabbelgruppe gründen“. Pfarrerin Jäger war schnell mit von der Partie. Sie sah sie es als gute Gelegenheit an, Kinder, die sie getauft hat, darüber hinaus zu begleiten. Aus der Krabbelgruppe wurde eine Kindergruppe. Mit den Müttern traf sich Pfarrerin Jäger auch noch als die Kinder schon im Jugendalter waren. „Vor Kurzem habe ich sogar das Kind eines einstigen Krabbelgruppen-Kindes getauft“, freut sich die Pfarrerin. „Gemeindeleben ist dann am schönsten, wenn es über Generationen hinweg ineinandergreift.“

Zu der Begleitung über viele Lebensstationen gehören auch die schwereren Momente. „Vor meiner Entscheidung Pfarrerin zu werden habe ich mir überlegt – ,Wie sieht es mit Beerdigungen aus? Kannst Du das?‘ Meine Antwort war: ja. Darüber bin ich froh, denn ich habe erlebt, wie viel Nähe aus diesen geteilten Momenten rund um Verlust und Trauer doch erwachsen kann“, so Petra Jäger. In der Seelsorge war ihr immer wichtig: „Die Menschen sollen wissen, dass sie bei Gott aufgehoben sind. Ich wollte immer allen Menschen mitgeben: ,Gott liebt dich, so wie du bist.‘ Kein Mensch muss sich vor Gott verbiegen.“ Ein Bibelvers, der Pfarrerin Jäger auf ihrem persönlichen Weg begleitet hat, kommt aus Psalm 32: „Ich will (…) dir den Weg zeigen, den du gehen sollst, ich will dich mit meinen Augen leiten.“
Ein besonderes Arbeitsgebiet, für das sich Pfarrerin Jäger in ihrem Berufsleben eingesetzt hat, ist die Gehörlosenseelsorge. „Als mein Vorgänger Pfarrer Lessmann in den Ruhestand ging, brauchte es eine Nachfolge“, erinnert sie sich. Etwas Gebärdensprache hat die Theologin dann im „training on the job“ gelernt und in der Folge viele Gottesdienste mit der Gehörlosengemeinde in der Markuskirche gefeiert. Deren Angehörige kamen übrigens nicht nur aus dem Mülheimer Stadtgebiet, sondern auch aus Essen und weiteren Nachbarstädten. Nun wird die Arbeit für und mit gehörlosen Menschen in einer größeren Region fortgesetzt: In Essen ist eine Pfarrstelle für neun Kirchenkreise im westlichen Ruhrgebiet und am Niederrhein angesiedelt.
Gesellschaftliche Veränderungen machen vor der Kirche nicht Halt. Das konnte Pfarrerin Jäger in 35 Dienstjahren in der Markuskirchengemeinde beobachten. „In den Familien sind heute oft beide Eltern berufstätig. Kinder kommen heute früher in die KiTa und nach der Schule sind sie in der OGS-Betreuung. Da müssen wir als Gemeinde neue Wege suchen, die Familien zu erreichen.“ Auch den demografischen Strukturwandel hat die Pfarrerin in der eigenen Gemeinde miterlebt: „Anfangs hatten wir noch vier Pfarrstellen, jetzt bin ich seit vier Jahren die einzige Pfarrerin in Markus.“ Unterstützt fühlt sie sich vom Einsatz vieler ehrenamtlich Engagierter „Das macht die Menschen hier bei uns in der Gemeinde aus. Die Identifikation ist sehr stark. Und für Dinge, die ihnen wichtig sind, kämpfen die Menschen wie ein Löwe.“ So wie der sinnbildliche „Markus-Löwe“, der auch das Gemeindesiegel ziert. Einen aus Gips gegossenen Löwen, den sie von ihrem Vorgänger geschenkt bekam, bewahrt Petra Jäger bis heute auf. „Und auch im Ruhestand werde ich im Herzen sicher immer ,Markus-Löwe‘ bleiben.“
Nach ihrer Entpflichtung freut sich Petra Jäger auf mehr Zeit zum Reisen. „Nach Irland und Schottland wollte ich schon immer einmal. Und ich habe immer gerne Sprachen gelernt, Italienisch oder Spanisch könnte ich mir gut vorstellen“. Auch in der näheren Umgebung wird die Pfarrerin viel unterwegs sein: „Ich bin ja sehr an Kunst und Geschichte interessiert. Da gibt es ja einiges zu erkunden und ich kann endlich so richtig mein Deutschlandticket nutzen.“
