Pfarrer Roland Kühne in den Ruhestand verabschiedet

  • 04.08.2026

Sein Engagement für Menschenrechte geht weiter


Kempen. Fast 30 Jahre lang war Pfarrer Roland Kühne als Berufsschulpfarrer am Rhein-Maas-Berufskolleg in Kempen tätig. Zum Abschied blickt er auf eine prägende Zeit zurück und zugleich nach vorn: Für Menschenrechte, Demokratie und sein Haiti-Projekt will er sich auch im Ruhestand weiter einsetzen.

Für viele Generationen von Schüler*innen war Pfarrer Roland Kühne weit mehr als ein Religionslehrer. Fast drei Jahrzehnte lang begleitete er junge Menschen am Rhein-Maas-Berufskolleg in Kempen – als Seelsorger, Gesprächspartner, Lehrer und Initiator von Projekten, die weit über den Schulalltag hinausreichten.

Am Sonntag, 2. August, wurde Kühne in einem Gottesdienst in der Thomaskirche in Kempen von seinen pfarramtlichen Aufgaben entpflichtet. Mit 69 Jahren beginnt für ihn damit offiziell der Ruhestand. Dass dieser für Kühne vor allem eine Zeit des Rückzugs wird, ist allerdings nicht zu erwarten.

Gottesdienste feiern, Menschen taufen und beerdigen oder das Abendmahl austeilen vieles davon kann er auch als Ruhestandspfarrer übernehmen. Vor allem aber möchte er sich den Themen widmen, die seine Arbeit über Jahrzehnte geprägt haben.

Schule als Ort gelebter Verantwortung

Seit 1997 war Kühne als evangelischer Berufsschulpfarrer am Rhein-Maas-Berufskolleg tätig. Sein Verständnis von Schule ging dabei weit über die reine Wissensvermittlung hinaus. Junge Menschen sollten erfahren, dass sie selbst Verantwortung übernehmen und gesellschaftliche Entwicklungen mitgestalten können.

Menschenwürde, Demokratie, soziale Gerechtigkeit und internationale Solidarität wurden deshalb zu wichtigen Themen seiner Arbeit. Ein besonders prägendes Beispiel ist die Auseinandersetzung mit dem Schicksal des chinesischen Bürgerrechtlers und Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo. Seit 2010 beschäftigten sich seine Schüler*innen mit seinem Einsatz für Meinungsfreiheit und Menschenrechte. Aus der schulischen Auseinandersetzung entstanden konkrete Aktionen, unter anderem demonstrierten Jugendliche vor der chinesischen Botschaft in Berlin.

Kühne ging es dabei um eine Botschaft, die ihn bis heute begleitet: Menschenrechte sind keine abstrakten Begriffe. Sie beginnen im eigenen Umfeld und im eigenen Handeln.

Aus einer Idee wird ein Hilfsprojekt für Haiti

Auch das Projekt „Schüler bauen für Haiti“ ist eng mit Kühnes Wirken verbunden. Nach dem schweren Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 entstand im Religionsunterricht einer Maurerklasse die Idee, nicht nur über die Situation der Menschen zu sprechen, sondern selbst anzupacken.

Aus dem Gedanken „Wir sind doch Maurer, wir können Häuser bauen!“ entwickelte sich ein langfristiges Schulprojekt und schließlich ein eigener Verein. Kempener Schüler*innen engagieren sich seitdem gemeinsam mit Partnern in Haiti für bessere Lebens- und Bildungschancen.

Unter anderem unterstützten die Jugendlichen den Aufbau einer Schule im Süden Haitis in Torbeck. Im Frühjahr 2026 reiste Kühne erneut mit einer Gruppe nach Haiti, um sich vor Ort über die Entwicklung des Projekts zu informieren. Ab Oktober sollen rund 180 Mädchen und Jungen die Schule besuchen.

Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand möchte Kühne das Projekt weiter unterstützen. Ein Teil des Preisgeldes, das er kürzlich mit dem erstmals verliehenen „Liu Xiaobos Human Rights Award“ erhielt, soll deshalb in das Haiti-Projekt fließen.

Ein Abschied – aber kein Schlussstrich

Mit seinem Ruhestand endet eine fast 30-jährige Tätigkeit als Berufsschulpfarrer am Rhein-Maas-Berufskolleg. Die Themen, für die Roland Kühne in dieser Zeit eingestanden ist, wird er jedoch weiter verfolgen.

Die Achtung der Menschenwürde, die Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen und die Ermutigung junger Menschen, Verantwortung zu übernehmen, bleiben für ihn wichtige Anliegen.

Und so ist sein Abschied aus dem aktiven Pfarrdienst letztlich kein Schlussstrich: Für Haiti und für die Menschenrechte will Roland Kühne sich auch künftig einsetzen.

  • Red
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