Rat und Hilfe für wohnungslose Menschen

  • 02.09.2026

Pressemitteilung 2..9.2026, www.diakoniewerk-duisburg.de

Jeder Mensch, der von Wohnungslosigkeit betroffen oder bedroht ist, hat seine eigene Geschichte. Entsprechend vielfältig müssen die Beratungs- und Hilfsangebote sein. Die Hilfe für wohnungslose Menschen ist nicht nur eine staatliche Aufgabe, sie ist auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Was bedeutet das für eine Stadt wie Duisburg? Am „Tag der Wohnungslosen“ wollen das Diakoniewerk Duisburg, die Ökumenische Bahnhofsmission und der Verein „Gemeinsam gegen Kälte Duisburg e.V.“ auf die Situation der Betroffenen aufmerksam machen und über ihre Angebote informieren. Es gibt u.a. einen Informationsstand in der Innenstadt, verschiedene Einrichtungen haben ihre Türen für interessierte Gäste geöffnet und politische Vertreterinnen und Vertreter sind zu einem Mittags-Impuls eingeladen.

Wohnungslosenhilfe in Duisburg – Wo stehen wir?

Als das Diakoniewerk Duisburg 1979 gegründet wurde, schrieb die Neue Ruhr Zeitung (NRZ) am 10.4.1979: „Die neue Gesellschaft … hat den Zweck, Einrichtungen zu unterhalten und zu betreiben, in denen ausgestoßene und isoliert lebende Menschen mit vorwiegend psychosozialen Störungen… durch Unterkunft, Betreuung und therapeutische Angebote Hilfe erhalten können. Im Mittelpunkt steht dabei das Ziel, diesen Personen wieder eine Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen…“ Der Auftrag ist heute noch aktuell, doch die Hilfe hat sich stark verändert. In den 70er Jahren gab es fast ausschließlich Angebote für Männer, heute sind Männer, Frauen, junge Erwachsene und queere Personen gleichermaßen im Blick. Aus Gruppenunterkünften mit Stockbetten wurden Wohngebäude mit Einzelappartements und Wohngemeinschaften. So wie sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Duisburg verändern, so wie sich die Bevölkerung verändert, so passt sich auch das System der Wohnungslosenhilfe immer wieder an – regelmäßig auch mit wissenschaftlicher Begleitung. Das Diakoniewerk Duisburg ist aktuell gemeinsam mit der Stadt für die Beratung und Unterbringung von wohnungslosen Menschen zuständig in enger Vernetzung und Kooperation mit dem Landschaftsverband Rheinland, dem jobcenter Duisburg, dem Suchthilfeverbund Duisburg sowie Pflege-/ Gesundheitseinrichtungen und weiteren Partnern wie z.B. dem Verein „Gemeinsam gegen Kälte Duisburg e.V.“.

Das Angebot umfasst Beratung in allen Fragen rund um Amtsgänge, Wohnungssuche, Schuldnerberatung, Lebensperspektiven etc., bei Bedarf eine unmittelbare Soforthilfe mit Schlafsäcken, Kleidung, Getränken, Essen, Postadresse und Duschmöglichkeit sowie langfristig eine konkrete Vermittlung in Wohnangebote und reguläre Mietverhältnisse. Hier kann das Diakoniewerk auch intern auf Unterstützung zurückgreifen z.B. bei der Schuldnerberatung, Suchtberatung, Flüchtlingsberatung etc.

Zahlen – Daten – Fakten

Es gibt zahlreiche, zum Teil sehr unterschiedliche Statistiken zum Thema Wohnungslosigkeit – wobei die Menschen, die auf der Straße schlafen, hier kaum berücksichtigt werden. Nach Angabe des statistischen Bundesamtes waren zum Stichtag 31. Januar 2025 in Deutschland rund 474 700 Personen wegen Wohnungslosigkeit untergebracht, in NRW ca. 118.000 Menschen. Das statistische Landesamt NRW verzeichnet am gleichen Stichtag 2.880 untergebrachte wohnungslose Personen in Duisburg. Im Bereich der Wohnungslosenhilfe wurden im Laufe des Jahres 2025 ca. 1.200 Nutzer*innen in der Zentralen Anlauf-, Beratungs- und Vermittlungsstelle (ZABV) des Diakoniewerks Duisburg fachlich beraten, 32.500 Kontakte hat die Ökumenische Bahnhofsmission erfasst, ca. 350 Personen wurden in den stationären Wohnformen des Diakoniewerks gezählt.

Yvonne Wagner, Leiterin des Fachbereiches „Beratung & Wohnen“ beim Diakoniewerk Duisburg fasst die aktuelle Entwicklung zusammen: „Die Zahl der Menschen, die in Duisburg von Wohnungslosigkeit betroffen oder bedroht sind, steigt. Die Dunkelziffer ist hoch, da die Anzahl der Menschen, die bei Bekannten oder auf der Straße schlafen, bislang nur geschätzt wird. Steigende Armut, Überalterung der Gesellschaft, Fluchtbewegungen gehören zu den aktuellen Herausforderungen unserer Arbeit. Wir möchten so viele Menschen wie möglich in Wohnraum vermitteln, aber die Suche dauert oft sehr lange. Gründe dafür sind beispielsweise steigende Mieten, Vorbehalte bei den Vermieterinnen und Vermietern, zu wenig angemessene, bezahlbare Wohnungen für Singles und/oder Familien. Ganz wichtig ist, dass Menschen in Not frühzeitig zu uns kommen, um einen Wohnungsverlust zu vermeiden.“

Gesellschaftlicher und kirchlicher Auftrag

Die Gründe für Wohnungslosigkeit sind sehr unterschiedlich. Häufige Auslöser sind Miet- und/oder Energieschulden, Konflikte im Wohnumfeld, Trennungssituationen, Ortswechsel, Haftstrafe, Sucht, Krankheiten und weitere private Schicksalsschläge sowie der Verlust der Unterstützung durch soziale Netzwerke. Pfarrerin Barbara Montag, Geschäftsführerin des Diakoniewerks Duisburg und Sprecherin der Diakonie Duisburg, betont: „Obdachlosigkeit kann jeden von uns treffen. Und in einer Demokratie, in einem Sozialstaat kann jeder von uns erwarten, dass wir in einer Notsituation Hilfe erfahren. Bei unserer Arbeit im Diakoniewerk steht die Würde des Menschen im Mittelpunkt – unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Religion, Einkommen etc. Wir verurteilen jede Form von Ausgrenzung und Isolation bestimmter Personengruppen. Auch Obdachlose gehören zur Stadtgesellschaft, auch sie haben ein Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft.“ Das Diakoniewerk Duisburg gehört zur Evangelischen Kirche und hat einen klaren sozialen Auftrag. So ist es auch Tradition, dass Hilfsbedürftige in der Weihnachtszeit besonders im Fokus stehen. Am 18.12.2026 findet wieder die „Weihnachtsfeier für alle“ im AV Concept Store statt, am Heiligabend lädt die Ökumenische Bahnhofsmission herzlich zu einer Weihnachtsfeier mit Andacht ein. Die Ökumenische Bahnhofsmission ist mit 113 Jahren das älteste Angebot der Wohnungslosenhilfe.

An vielen Stellen wird die professionelle und ehrenamtliche Wohnungslosenhilfe in Duisburg von der Stadtgesellschaft unterstützt. Die Arbeit des Vereins „Gemeinsam gegen Kälte Duisburg e.V.“ und der Ökumenischen Bahnhofsmission sowie der Betrieb des Streetwork- und Kontaktcafés pro kids im Diakoniewerk Duisburg sind nur möglich dank regelmäßiger Spenden und dank umfassender ehrenamtlicher Mitarbeit. Der Verein ist seit über 25 Jahren in Duisburg auf der Straße im Einsatz. Die Orte, an denen sich Menschen ohne festen Wohnsitz aufhalten und auch viele Betroffene sind dem Team des Vereins bekannt. Uwe Lonzeck, 1. Vorstandsvorsitzender von „Gemeinsam gegen Kälte Duisburg e.V.“ erklärt: „Wir dürfen Menschen, die in Not geraten, nicht verurteilen. Jeder Stadtbesucher kann aktiv werden, wenn Wohnungslose auf der Straße Hilfe benötigen. Ein freundliches Wort wirkt schon sehr nachhaltig. Und natürlich freuen wir uns über jeden Euro, der für unsere Arbeit gespendet wird und wir sind dankbar für jede ehrenamtliche Mitarbeit. Aktuell suchen wir vor allem Ärzte/Ärztinnen und Krankenpfleger*innen, die uns bei unseren Einsätzen mit dem Medibus montags und/oder donnerstags ehrenamtlich unterstützen.“

Angebote am Tag der Wohnungslosen (11. September 2026)

Am 11. September wird die Duisburger Innenstadt wieder zur Partymeile – um 19:30 Uhr beginnt das Haniel Klassik Open Air Konzert. Nebenan auf dem Averdunk-Platz findet man von 11:00 bis 14:00 Uhr den Informationsstand von Diakoniewerk Duisburg, Ökumenischer Bahnhofsmission und dem Verein „Gemeinsam gegen Kälte Duisburg e.V.“, der mit dem Kältebus und mit dem Medibus vor Ort ist. Hier gibt es Wasser, Kaffee, Gebäck, medizinische Beratung und Informationen zu den verschiedenen Hilfsangeboten. Mitarbeitende des Diakoniewerks (die an ihren Warnwesten #teamdiakonie erkennbar sind) sind in der Innenstadt unterwegs und verteilen Notfall-Rufnummern an Betroffene. Interessierte Besucherinnen und Besucher in der Stadt sind herzlich eingeladen, am Stand mit hauptamtlichen/ ehrenamtlichen Mitarbeitenden und Betroffenen ins Gespräch zu kommen. Pfarrerin Barbara Montag findet die Kombination sehr passend: „Das kostenlose Open Air Konzert ist ein wunderbares Geschenk für alle Menschen in Duisburg. Es trifft sich doch gut, dass wir an diesem Tag auch besonders an wohnungslose Mitmenschen denken. Rücken Sie einfach beim Konzert ein wenig zusammen und nehmen sie die Menschen von der Straße in Ihre Mitte.“

Von 9 bis 16 Uhr hat die Zentrale Anlauf-, Beratungs- und Vermittlungsstelle auf der Beekstraße 45a ihre Türen für interessierte Gäste geöffnet, die Ökumenische Bahnhofsmission ist wie gewohnt von 7:30 bis 19 Uhr geöffnet. Beide Standorte stellen an diesem Tag Getränke und Snacks bereit. Für die Klientinnen und Klienten, die im Diakoniewerk ambulant oder stationär betreut werden, gibt es eine Ralley zu verschiedenen Standorten mit abschließendem Imbiss. Kooperationspartner und politische Vertreterinnen und Vertreter sind um 12:30 Uhr zu einem gemeinsamen Austausch und Impuls ins Wolfgang-Eigemann-Haus für wohnungslose Männer eingeladen.

 

Bildunterschrift von links nach rechts:

Uwe Lonzeck (Vorsitzender des Vereins „Gemeinsam gegen Kälte e.V.“), Bodo Gräßer (Leiter der Ökumenischen Bahnhofsmission), Pfarrerin Barbara Montag (Sprecherin der Diakonie Duisburg, Geschäftsführerin vom Diakoniewerk Duisburg), Alhasan Hussein (Mitarbeiter der Ökumenischen Bahnhofsmission), Roland Meier (ehem. Vorsitzender des Vereins „Gemeinsam gegen Kälte Duisburg e.V.“), Yvonne Wagner (Leiterin des Fachbereichs „Beratung & Wohnen im Diakoniewerk Duisburg)/ Foto: Diakoniewerk Duisburg

 

 

 

  • Rolf Schotsch
  • Red