Christinnen und Christen vieler Konfessionen feierten in der Friedenskirche in Kirchberg den diesjährigen Schöpfungstag. „Hast du erkannt, wie weit die Erde ist?“, dieser Vers aus dem Prophetenbuch Hiob stand dabei im Mittelpunkt des bunten Gottesdienstes, der geprägt war von der Erkenntnis, dass Gott der Schöpfer ist, der die Welt in ihrer Größe und Weite geschaffen hat, die aber von den Menschen für eigene Zwecke ausgenutzt wird mit all ihren negativen Folgen für das Klima und die Lebenswelt.
„Wir feiern die Schöpfungszeit. Eine Zeit, die uns verdeutlicht, dass die Schöpfung Gottes Werk ist, so wie die Menschwerdung, wie die Auferstehung, Gottes Wirksamkeit ist“, betonte Pastoralreferentin Anna Werle im Gottesdienst. Menschen seien ein Teil der Schöpfung, hineingestellt in Gottes Wirken und mit Verantwortung betraut. „Und wir alle erfahren mittlerweile hautnah, was es heißt, wenn wir dieser Verantwortung nicht gerecht werden. Von Menschen verursachte Erhitzung der Erde trifft alle, auch uns“, machte sie deutlich. Und fügte hinzu: „Die Schöpfung ist uns nicht als Besitz geschenkt. Wir sind Teil der Schöpfung und deshalb passt der Satz, den Gott in dieser Geschichte Hiob vor die Füße stellt, auch für uns: Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sage mir´s, wenn du so klug bist.“
Und die Pastoralreferentin machte in ihrer Predigt deutlich: „Wir Menschen sind Geschöpfe, nicht die Schöpfer. Gott macht hier Hiob nicht klein. Im Gegenteil: Er geht mit ihm in eine echte Beziehung und weist ihn zurecht. Er fordert Ehrfurcht und Demut ein gegenüber seinem Wirken, denn die Schöpfung ist nicht unsere Beute, sie ist das großartigste Geschenk, das wir bekommen haben, denn ihr verdanken wir unser Leben.“ Und damit werde deutlich, dass es wichtig sei, endlich die Konsequenzen für das menschliche Handeln zu begreifen „und die Lebensgrundlage für uns und unsere Kinder leidenschaftlich schützen“, so Anna Werle.
Die Menschen heute würden über ein unfassbares Wissen verfügen, gab die Pastoralreferentin in ihrer Predigt zu bedenken. „Aber selbst heute, mit all unserem Wissen unserem voneinander wissen und unserer globalen Vernetzung gibt es ungeheuerlich viele Kriege, ist es grauenhaft, was Menschen anderen Menschen antun und wie die Erde heiß läuft, obwohl wir alle die Ursache kennen und trotzdem so weiter machen wie bisher“, mahnte Anna Werle und sah die Gefahr: „Mein Eindruck ist, dass unsere Fähigkeit, denken zu können, uns immer wieder dazu verleitet, uns als Zentrum des Universums anzusehen.“
Mahnende Worte zum Tag der Schöpfung, der seit 2010 von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland jährlich am ersten Freitag im September gefeiert wird und der mittlerweile auch im Hunsrück zu einer festen Tradition geworden ist. In der ökumenischen Verbundenheit aller Konfessionen. Superintendent Markus Risch vom evangelischen Kirchenkreis Simmern-Trarbach feierte die Eingangsliturgie, Dave Sindhu von der Christuskirchengemeinde Kirchberg lud zu einer Zeichenhandlung im Gottesdienst ein, bei der sich alle mit einem Seil im Altarraum der Friedenskirche miteinander verbanden als Ausdruck, dass alle zusammen und zu Gott gehören. Vater Danyal Riad von der koptisch-orthodoxen Kirche St. Nikolaus in Kirchberg sprach das koptische „Lobgebet der Schöpfung“ und der Trierer Weihbischof Robert Brahm sprach am Schluss des Gottesdienstes allen den Segen Gottes zu. Musikalisch wunderbar umrahmt wurde der Gottesdienst von Carsten Braun an der Orgel und am Klavier sowie vom Taizé-Singkreis Kirchberg.