Zu einer Begegnung mit den Kirchenpartnern im Northern District von Daressalam (Tansania) machte sich eine vierköpfige Delegation des Kirchenkreises An der Ruhr im Juli auf den Weg. Bei ihrem Besuch erlebten sie lebendige Gottesdienste, ambitionierte diakonische Projekte und spannende Diskussionen über die wachsende und die schrumpfende Kirche dort und hier.

Freitag, 3. Juli / Samstag, 4. Juli – Ankunft
Mit dem Zug von Duisburg über Utrecht zum Flughafen Amsterdam Schiphol, von dort durch die Nacht nach Nairobi, dann noch ein kurzer Umstieg nach Daressalam – unsre vierköpfiger Delegation macht sich auf den Weg zu den Kirchenpartnern vom Northern District in Daressalam / Tansania. Für den Kirchenkreis An der Ruhr sind unterwegs: Pfarrerin Birgit Meinert-Tack (Pfarrstelle für Seelsorge an der Fliedner Stiftung / KSV-Mitglied), Joel Rühl (Ev. Jugend), Diakon Claudio Gnypek (regionaler Dienst der Vereinten Ev. Mission) und Annika Lante (Öffentlichkeitsreferentin und Mitglied im Partnerschaftskreis).
Überwältigend ist der Empfang am Flughafen Julius Nyerere in der tansanischen Metropole. Von einem guten Dutzend bekannten Geschwistern und neuen Gesichtern aus dem Partnerkirchenkreis werden wir am Flughafen im Empfang genommen. Rosenbouquet für uns vier inklusive. Neben Partnerschafts-Urgestein Victoria sind auch einige aus der letzten Chorbegegnung beim Abholen dabei, ein wunderbares Wiedersehen und Neu-Begegnen am Flughafen, das an Ort und Stelle mit Gebet und Liedern gefeiert wird. In einer Autokolonne geht’s hinein in die Stadt. Wir bleiben die erste Nacht im modern renovierten Luther-Haus, betrieben von der Ost- und Küstendiözese. Wir nächtigen mit Blick auf den Hafen und in Hörweite der von deutschen Missionaren erbauten Kirche Azania Front gleich nebenan. (AL)

Sonntag, 5. Juli – Gottesdienst in Boko
Der Tag begann für uns heute sehr früh. Bereits um 5:30 Uhr wurden wir abgeholt, denn um 6 Uhr begann der Gottesdienst in der Boko Parish. Was wir in der Kirche erleben, haut uns einigermaßen um. Ein riesiger Kirchbau, gefüllt mit Gemeindegliedern in vierstelliger Zahl. Die Menschen feierten den Gottesdienst mit einer beeindruckenden Freude und Hingabe. Beteiligt sind Prediger und Evangelisten, drei Chöre sowie betend, tanzend und sich segnen lassend zahlreiche Gemeindemitglieder.
Besonders spannend war für mich zu sehen, dass jeder Gottesdienst professionell gefilmt und live auf YouTube übertragen wird. Hinter dem Streamingteam steckt viel Engagement, sodass auch Menschen, die nicht vor Ort sein können, den Gottesdienst mitverfolgen können.
Zu Beginn durften wir uns der Gemeinde vorstellen und als Zeichen unserer Verbundenheit eine Hoffnungskerze überreichen. Anschließend besuchten wir zunächst die Sunday School der älteren Kinder und später auch die der jüngeren. In beiden Gruppen sangen wir gemeinsam „Der Himmel geht über allen auf“. Es war schön zu erleben, wie Musik auch über Sprachgrenzen hinweg verbindet und für viele strahlende Gesichter sorgte.
Zurück im Gottesdienst hörten wir einen Teil der Predigt. Und die kommt mit viel stimmlicher Wucht daher. Die Art zu predigen ist hier ganz anders als ich sie aus Deutschland kenne – voller Leidenschaft, laut, kraftvoll und mit spürbar viel Emotion. In Dauer und Ton („Schreien“) für uns zum Teil gewöhnungsbedürftig. Aber die tansanische Gemeinde erlebt das scheinbar ganz anders. Die Menschen in der Kirche zeigen viel Begeisterung und davon lasse ich mich gerne anstecken. Nach insgesamt dreieinhalb Stunden ging der Gottesdienst schließlich zu Ende und wir freuten uns auf das gemeinsame Frühstück.
Während des zweiten Gottesdienstes bekamen wir noch einen Einblick hinter die Kulissen. Uns wurde der Raum gezeigt, aus dem die Livestreams gesteuert werden, sowie der Bereich für gehörlose Gottesdienstbesucher. Es war beeindruckend zu sehen, wie selbstverständlich Inklusion hier mitgedacht wird. Im zweiten Gottesdienst stellten wir uns außerdem noch einmal kurz der Gemeinde vor, bevor wir zurück ins Hotel fuhren. (JR)


Montag, 6. Juli – Besuch bei ECD und VEM, Luther House und Kigamboni

„Welcome home“ ist eine ungewöhnliche Begrüßung an einem Ort, den ich zum ersten Mal besuche. Pastor Dr. Ernest Kadiva, Leiter des Afrika – Büros der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) führt uns zusammen mit unseren Begleiter*innen und weiteren VEM – Mitarbeitenden in einen kleinen Besprechungsraum. Wir sitzen, stehen und quetschen uns um einen großen Tisch. Es ist schön, meine VEM-Kolleg*innen, die ich teilweise nur aus online-Besprechungen kenne, hier persönlich zu treffen. Es ist wie einen Teil einer internationalen Familie zu besuchen.
Als Gemeinschaft von Kirchen in drei Erdteilen hat die VEM neben dem deutschen Büro in Wuppertal auch ein Asien-Büro in Indonesien und das Afrika-Büro in Daressalaam. Von hier aus werden die Kontakte zu den Mitgliedskirchen von Südafrika über Ruanda bis nach Kamerun gehalten, Bildungsprogramme organisiert und Konferenzen veranstaltet.
Nach einer kurzen Einführung lädt uns Ernest Kadiva ein, das neue Projekt der VEM kennen zu lernen, das außerhalb des Zentrums entsteht. Mit einer kleinen Fähre überqueren wir gemeinsam einen Meeresarm, der die Stadt Daressalaam teilt. Auf der anderen Seite liegt es ein 6.000m2 Grundstück direkt am Wasser, von dem wir auf die Skyline der Millionenmetropole sehen. Dieses Stück Land schenkte die Tansanische Kirche der VEM mit der Bitte, hier ein evangelisches Zentrum zu bauen. Wo jetzt noch ein unasphaltierter Parkplatz und eine kleine alte Kapelle steht, soll eine große Kirche, ein Gästehaus und ein neues VEM-Büro wachsen. Es fällt uns noch schwer, uns vorzustellen, wie das später mal aussehen soll. Aber nach den Eindrücken, die wir bisher gewonnen haben, können die Tansanier nicht nur groß denken, sondern auch große Bauprojekte umsetzen. Diese positive kirchliche Aufbruchstimmung zu spüren, tut uns gut. (CG)
Mittwoch, 8. Juli – Mlandizi Vocational Center und Kimara Parish

Um 7 Uhr werden wir am Hotel von Victoria und weiteren Begleitern aus dem District abgeholt, es geht in Kolonne gut zwei Stunden zunächst durch den üblichen Stau bis zu einer typisch tansanischen Bar am Straßenrand, wo wir mit „Refreshments“ versorgt werden. Dazu gehört immer: abgefülltes Wasser, Tee, Suppe, Kochbananen, Pfannkuchen, Hähnchen, Melone. Und selbstverständlich: Hände waschen vorher und nachher – meist sogar unmittelbar am Tisch.
Weiter gehts über unbefestigte Straßen ins Hinterland zum Mlandizi Vocational Center – eine Bildungsstätte für junge Menschen ab 14 mit Behinderungen. Es ist landesweit das einzige staatlich registrierte Zentrum dieser Art. In der Regel bleiben die jungen Menschen für vier Jahre im Vocational Center, das erklärte Ziel ist es, sie auf ein möglichst selbstständiges Leben vorzubereiten, vorhandene Talente zu entdecken und jede:n nach den individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen zu fördern. Dazu gibt es sowohl Unterricht in kleinen Gruppen als auch Einzelförderung in Fragen der Alltagsbewältigung und möglicher Erwerbstätigkeit. Auch bewegungstherapeutische Unterstützung gehört zum Angebot. Die theoretischen Grundlagen ihrer Arbeit, die die Mitarbeitenden uns schildern, sprechen für hochqualifizierte Ausbildung und Engagement. Top Motto: Disabled does not mean un-abled! Übersetzt etwa: eine Behinderung haben bedeutet nicht, unfähig zu sein!
Eine Einsicht, die auch den Familien der Betroffenen meist erst noch nahe gebracht werden muss, die Kindern und Jugendlichen oft alles abnehmen und nichts zutrauen. Auch im deutschen Kontext keine unbekannte Erfahrung.
Nach der ausführlichen Vorstellungs- und Austauschrunde gibt es erstmal…….Refreshments! Es folgt eine Besichtigung von Außengelände mit Garten (Ausbildungsbereich Gardening) und Schlafbereich. Es gibt Platz für 50 Schüler:innen in Schlafräumen mit 4-8 Plätzen in Etagenbetten. Es gibt deutlich mehr Bedarf als Möglichkeiten, junge Menschen mit Disabilities aufzunehmen. Mit ein Grund, warum ein Neubau in Bagamoyo geplant ist, an dem dann alle Angebote für Menschen mit Behinderung zusammengeführt werden. Weder die bisherige Unterbringung noch das Gelände an sich sind barrierefrei, aber alles ist hell, freundlich und spürbar von dem Geist getragen, Menschen mit Behinderung Integration und Zukunft in der Gesellschaft zu ermöglichen.
Wir besichtigen noch die Backstube und Lehrküche, wo die anwesenden Schüler:innen gerade im Teamwork Cookies produzieren, erfahren von Plänen für einen kleinen Kiosk, in dem Selbstproduziertes verkauft werden soll und nach Abschlussrunde, Gruppenfoto, Gebet und Gesang machen wir uns mit noch warmen Cookies frisch aus dem Ofen wieder auf die Reise.
Auch wenn das schon mehr als genug erinnerungswerte Eindrücke für einen Tag waren: Es steht noch ein Besuch in Kimara Parish an, einer Gemeinde, die einen diakonischen Schwerpunkt hat. Wir erreichen ein Neubauzentrum, weiterhin „System under Construction“, das Kirche, vermietete Ladenlokale („income generating project“), ein Waisenhaus für 40 als Baby ausgesetzte Kinder („children without identity“), eine Schule und ein Krankenhaus in sich vereint – Erweiterung nicht ausgeschlossen, sondern erwünscht! All das ist finanziert durch die Kollekten-Gaben der Gemeindemitglieder und getragen durch ihr ehrenamtliches Engagement, auch im Management des Sozialunternehmens.
Der große Innenhof und Parkplatz wird erfüllt von Musik und Gesang aus dem abendlichen Lobpreis-Gottesdienst, Pastor in Charge Willbrord Mastai findet, die 3,5 Stunden Gottesdienste, die wir bisher erlebt hätten, seien ja noch gar nichts – bei Ihnen dauere es eben so lange, wie es bräuchte, das könne auch schon mal der komplette Sonntag sein. (BMT)

Donnerstag, 9. Juli – Bible Study / Gespräch über die wachsende und schrumpfende Kirche
Jeden Mittwochmorgen treffen sich die Mitarbeitenden der Gemeinden des Northern District Dar es Salaam zur Bibelarbeit. Ca. 200 hauptamtliche Pfarrpersonen, Parish Workers, Evangelisten und Verwaltungsmenschen sitzen im Saal des District Office, der Superintendentur. Die Bibeltexte der Woche werden vorgestellt und eine Theologin legt ihn aus. Natürlich werden auch wir willkommen geheißen und stellen uns vor. Dr. Victoria Kisyombe begleitet uns und übersetzt unsere Vorstellung und die Gruß- und Segensworte unseres Superintendenten. Bei der Gelegenheit überreichen wir dem District Pastor (Superintendenten) des Northern District Rev. Jacob Mwangomola eine gestaltete Kerze und einen Playmobil-Luther als Gastgeschenke.
Am Nachmittag sprechen wir mit Mitgliedern des Partnerschaftskreises über das aktuelle Thema der Partnerschaft: die wachsende und schrumpfende Kirche. Happiness Peter Byakatonda, die Geschäftsführerin des District und Organisatorin unseres Besuchsprogramms, stellt uns das Evangelisations-Konzept der ELCT vor: An den Rändern des Kirchenkreises gibt es noch ländliche Gebiete ohne. Dort kauft der Kirchenkreis ein Grundstück, errichtet ein erstes provisorisches Gebäude und schickt einem Evangelisten dorthin. Diese machen Haustür-Evangelisation, sprechen mit den Menschen und bauen Beziehungen auf. Es beginnt der Aufbau von Tochtergemeinden (sub-parishes), die von einer bereits bestehenden Gemeinde unterstützt werden.
Sie zeigen uns Fotos von kleinen Gemeinschaften, die in einem Jahr von 4 auf 60 Mitglieder wachsen und aus kleinen Hütten werden Kirchen gebaut.
Wir sprechen natürlich auch über die Situation der evangelischen Kirche in Deutschland und speziell im Kirchenkreis An der Ruhr. Die Diskussion geht über Jugendarbeit, Säkularisierung und Demografie. Die tansanischen Kolleg*innen erzählen auch von dem Druck, der von vielen schnell wachsenden evangelikalen Pfingstgemeinden ausgeht. Auch die lutherischen Gemeinden suchen einem Weg zwischen Anpassung und Abgrenzung, um nicht Mitglieder an so genannte „falsche Propheten“ zu verlieren. Auch sie singen mehr moderne Lobpreislieder, tanzen in der Kirche und predigen lauter, emotionaler. Auch in der tansanischen Kirche wird gerungen zwischen Aufbruch, Bewahrung und Veränderung. (CG)

Samstag, 11. Juli – Eröffnungsgottesdienst Subparish Nakalekwa
So früh und so eine Sinnesüberflutung. Rein physisch in der schüttelnd-schaukelnden Anfahrt nach Nakalekwa, wo eine Subparish offiziell eröffnet wird. Die letzten Kilometer geht es im Schritttempo über Stock und Stein.

Wenn wir wo ankommen, gibt es natürlich erstmal „Refreshments“. Man könnte es auch Mahlzeit nennen.
Vor der neuen Kirche, die vielleicht 180 Menschen fasst, ist die gesamte Gemeinde auf den Beinen. Die Gemeinde und noch viele andere mehr, weil die Subparish (noch) unter der Aufsicht des Districts steht. Eine gutes Dutzend Geistliche ist gekommen, dazu Evangelisten und natürlich die Church Elders der Gemeinde. Wir dürfen mit in die Kirche einziehen und sitzen gleich hinter dem Bläserchor. Unter zwei großen Zeltdächern nehmen draußen etwa noch einmal so viele Gemeindeglieder Platz wie schon drinnen sind.
Kollekten, Predigt des District Pastors und nach gut drei Stunden wird angekündigt, der Gottesdienst komme jetzt zu einem Ende. Nicht ganz. Vorher gibt’s noch eine Versteigerung zu Gunsten der neuen Gemeinde. Schalen mit Gemüse, ganze Bananenstauden und lebende Hühner, teils in Beuteln, werden per Prozession in die Kirche hineingetragen. Vor den Altarstufen gackert es jetzt etwas.
Beim gemeinsamen Mittagessen trifft sich eine nette internationale Tischgemeinschaft. Mit dabei ist auch ein VEM-Pfarrer aus Indonesien, mit dem wir uns über die hiesigen Predigtgewohneiten austauschen. Auch er fremdelt etwas mit dem hier üblichen Stil. „Ich kann gar nicht anders, als einfach auf meine Art zu predigen“, sagt der Gastpfarrer mit einiger Gottesdiensterfahrung in Daressalam.
Für Claudio gibt es noch ein Wiedersehen mit dem recht betagten Reverend Isaac, der (in den frühen Achtzigern) einige Jahre in Wuppertal gearbeitet hat, wie er immer noch in ziemlich gutem Deutsch berichtet. Isaac hatte uns gleich beim ersten Abend in Boko schon auf Deutsch auf dem Parkplatz begrüßt.
Aus dem spontan ins Programm genommenen Ausflug zur neuen Subparish wird schließlich ein tagfüllendes Programm. Niemand ist böse darum, dass der geplante Besuch im Museum Makumbusho ausfällt. (AL)

Sonntag, 12. Juli – Gottesdienst in Kijotonyama – und Treffen mit dem Partnerschaftskomitee
Der Gottesdienst in Kijitonyama beginnt erst um 7 Uhr. Da laufen bei Ankunft längst die Vorbereitungen auf Hochtouren, Einstimmung der Gemeinde mit Gebet und Gesang, Vorbereitung aller Mitwirkenden, Pastor:innen und Church Elders für die je eigenen Aufgaben. Ein sehr lebendiges, geschäftiges Treiben. Wir werden im Büro des Pastors in Charge, Rev. Eliona Kimaro empfangen und erstmal mit passenden liturgischen Gewändern eingekleidet, Claudio als Prediger mit weißer Albe – die Anwesenden bemerken, er sähe aus wie Jesus. Ob das den Druck vor der Predigt in Englisch, simultan übersetzt auf Swahili vor ca 1000 Menschen plus online Stream erhöht?!
Die besten Wünsche und großer Respekt begleiten Claudio! Wir ziehen mit Posaunenchor, den Pastoren, den Church Elders und den Gästen ein, durch die Gemeinde, die außerhalb und innerhalb der Kirche versammelt ist. Claudio und ich nehmen mit den Pastor:innen am Altar Platz, nicht ohne uns vor dem Kreuz zu verneigen und am Altar kniend mit dem Rücken zur Gemeinde zu beten. Der Gottesdienst wird gestreamt und auch in der Kirche werden Nahaufnahmen, Lied- und Bibeltexte auf zwei großen Leinwänden gezeigt. Tradition trifft auf Moderne.
Claudio predigt über Markus 13, 33-37, „Stay alert“ ist das Motto. Der ruhige und gleichzeitig engagierte Ton und die nachvollziehbaren Gedankengänge tun mir gut, die große Gemeinde lauscht aufmerksam und reagiert stellenweise mit Applaus – ich bin froh und erleichtert: Es braucht kein Gebrüll, um Menschen auch emotional zu erreichen! Danke Claudio! Dein „Stay alert“ bleibt mir in Erinnerung und ich fühle mich dazu aufgerufen wachsam zu bleiben, damit unser Reden und Handeln glaubwürdig und zielgerichtet bleibt!
In Pastors Office gibt‘s anschließend eine herzliche Begegnung mit dem 10-jährigen Sohn des Pastors, der als unser „Ambassador“ unsere Grüße und kleinen Geschenke an die Sunday School überbringen wird.
Anschließend besuchen wir die Church Elders noch beim Zählen und Dokumentieren der Kollekten, bekommen erklärt, wie die Beiträge der Gemeindeglieder kassiert und belegt werden und erfahren, dass diese Aufgabe, überwacht von einem Buchhalter des Districts, schon mal bis zum Nachmittag dauern kann. Der Sonntag gehört der Gemeinde!
Auf uns und das Partnerschaftskomittee wartet auf dem Außengelände ein extra aufgebautes Buffet, nach dem Essen findet hier der Austausch über den Stand und die nächsten Schritte unserer Partnerschaft statt. (BMT)


Mittwoch, 15. Juli – Gespräch mit Frauen aus dem „Binti Mama“-Projekt
Unser Besuch in Daressalam ist auch ein Wiedersehen mit den Frauen aus dem Binti Mama („Mädchen Mütter“) Projekt, das jungen Schwangeren hilft. Das Projekt begleiten wir in unserer Partnerschaft seit seiner Gründung und Leiterin „Mama“ Mwamini war für ihre Arbeit schon mit dem Hoffnungspreis des Kirchenkreises ausgezeichnet worden.
Leider können wir nicht rausfahren zu den Räumlichkeiten der Binti Mama in Mabwepande. Wir treffen Mama Mwamini, einige Projektteilnehmerinnen und ihre Kinder in der Stadt. Teilnehmerin Helen trägt uns einen Projektbericht vor. Auch sie wurde als junge Schwangere von ihrer Familie verstoßen, wie es vielen ungewollt schwangeren Teenagermüttern passiert. Heute besucht sie dank der Hilfe von Binti Mama ein College und studiert Social Work und Community Management.
Wenn eine junge Schwangere die Hilfe von Binti Mama sucht, wird ihr dort zu einer sicheren Geburt verholfen. Generell wird versucht, die Frauen wieder in Kontakt mit ihren Familien, teils auch zu den weggelaufenen Vätern, zu bringen. Nach der Geburt bekommen die Mütter Hilfe, bei Gesundheitsfürsorge und Ernährung für die Kinder. Außerdem wird die Secondary Education für die Frauen bezahlt – dazu braucht es immer wieder finanzielle Unterstützung. Die Binti Mamas bekommen Hilfe im Alltag und Seelsorge.
Seit 2012 haben 55 junge Frauen Unterstützung bei den „Binti Mama“ bekommen. Manche gehen inzwischen eigene Wege, haben geheiratet oder haben die Secondary School angefangen. Einige ehemalige Teilnehmerinnen arbeiten jetzt sogar als Erzieherinnen in dem Projekt – das in DAR zur Institution geworden ist. Allerdings ist Mwamini, Kopf und Herz von „Binti Mama“, mittlerweile schon Rentnerin. Drei bis vier mal wöchentlich ist sie trotzdem noch im Einsatz. Eine direkte Nachfolgerin gibt es nicht. Man arbeite daran, jemanden einzuarbeiten, heißt es.
Einige Teilnehmerinnen berichten uns ihre persönliche Geschichte:
Amina wurde jung schwanger und bekam Unterstützung im Projekt, Mama Mwamini vermittelte ihr nach der Geburt den Zugang zur Secondary School. Amina machte nicht nur dort den Abschluss, sondern auch eine Ausbildung in Landwirtschaft und Fischerei und anschließend einen Bachelor in „Business“. Das alles als Alleinerziehende. Heute ist ihr Kind neun Jahre alt und besucht die vierte Klasse.
Asha kam als 16-Jährige zum Projekt, da war sie in der 9. Klasse. Sie war schwanger und ihre Familie hatte sie aus dem Haus gejagt. Zwei Wochen lang ist sie privat bei Mwamini untergekommen. Und die Sozialarbeiterin hat den Kontakt zur Familie wiederhergestellt. Asha konnte wieder einziehen und ihr Kind bekommen. Aber die Schule weigerte sich, sie wieder aufnehmen. Dieser Praxis wurde mittlerweile gesetzlich ein Riegel vorgeschoben, berichtet man uns. Mwamini brachte Asha in einer Schule für Hotelmanagement unter, aber Arbeit in diesem Bereich zu finden, war schwierig. Heute ist sie mit einem kleinen Friseursalon selbstständig und kann ihre beiden Kinder versorgen. Asha ist übrigens Muslimin. Das von der evangelischen Kirche getragene Projekt war ihr empfohlen worden und bei Binti Mama ist es das Prinzip, jede Frau aufzunehmen, unabhängig von der Religion.
Das Binti Mama Projekt lebt vom unaufhörlichen Einsatz Mama Mwaminis. Insgesamt acht Teilnehmerinnen sind im Laufe der Zeit schon bei ihr privat untergekommen. Jetzt, als Rentnerin, beherbergt sie noch eine junge Frau. Mwamini knüpft für die Frauen Kontakte zu öffentlichen Stellen und auch zum District, um Unterstützung zu bekommen. Wie wir hinterher erfahren, fehlt es auch immer wieder Geld für Transportkosten, Mabwepande liegt halt weit draußen. (AL)


Donnerstag, 16. Juli – Sansibar, Besuch Interfaith Center
Ein Diplom in „Intercultural Relations“, braucht man das? „Auf jeden Fall!“, finden die Schüler des Interfaith Center auf Sansibar. Die Insel, die direkt vor Daressalam im Indischen Ozean liegt, ist Teil unseres Partnerkirchenkreises. Hier verbringen wir den letzten Tag unseres offiziellen Besuchsprogramms.
Anders als auf dem Festland Tansanias sind Christen hier eine kleine Minderheit- und waren bei vielen Muslimen nicht unbedingt beliebt, in der Vergangenheit kam es zu Spannungen. Das friedliche Zusammenleben zu fördern, hat sich das Zentrum, gegründet von der lutherischen Ost- und Küstendiözese gemeinsam mit Kirchen aus Dänemark und Norwegen, auf die Fahnen geschrieben.
Angefangen hat die Arbeit ganz praktisch mit Nähkursen und Kleinkredit-Gemeinschaften für Frauen. Nun gibt es auch den Weiterbildungskurs für die Vermittler zwischen den Kulturen und Religionen. Der Abschluss berechtigt zum Uni-Zugang.
„Bei uns zu Hause“, berichtet Moussa, ein muslimischer Kursteilnehmer, „liegt der christliche Friedhof gleich neben dem muslimischen. Dann haben wir angefangen, auch die christlichen Gröber zu besuchen.“ Aus dem wachsenden Kontakt wurde für Moussa mehr, die interkulturelle Weiterbildung im Interfaith Center. Und Moussa bleibt dabei, auch wenn seine Eltern zwischenzeitlich mal etwas besorgt fragten „Und, wirst du jetzt Christ?“
Moussas christlicher Mitschüler Yohana hielt ursprünglich nicht viel von Muslimen. Für ihn waren die „alle wie Boko Haram“. Dann fing er an, sich mit den verschiedenen Glaubenstraditionen zu beschäftigen. „Eigentlich stammen unsere Religionen ja gleichermaßen von Abraham ab. Und Frieden ist für alle ein großer Wert.“ Yohana nimmt an der Interfaith-Fortbildung teil, weil er glaubt, „dann ein besserer Lehrer zu werden.“
12 Schüler:innen sind derzeit im „intercultural relations“- Programm. Doch die nötige Förderung geht, insbesondere durch die aktuelle US-Politik, zurück. Kursleiter Lusungu Mbilinyi fürchtet, dass der aktuelle Jahrgang der vorerst letzte sein könnte. „Bei der Finanzierung müssen wir sehr kreativ sein.“ (AL)
