Wolf will Vielfalt

  • 10.09.2026

Wolf Clüver, Inklusionspfarrer, Kommunikator, Netzwerker und Wortkünstler, wurde in den Ruhestand verabschiedet.

Wolf Clüver sei ein Mensch, der das Wort liebe und die besondere Formulierung finde, der die Fähigkeit zum Durchhalten habe, die Haltung von Menschen verändern könne, der das Evangelium so kommunizieren könne, dass alle es hören und verstehen können. Beim Abschiedsgottesdienst von Pfarrer Wolf Clüver in der Hephata-Kirche zeigten Weggefährten die ganze Bandbreite seines Engagements, seiner Aktivitäten und seiner Wirkung auf. In diesem Gottesdienst entpflichtete Superintendent Dietrich Denker den Inklusionspfarrer, der beim Kirchenkreis für die Querschnittsaufgabe Inklusive Gemeindearbeit zuständig war, von seinem Dienst. Wolf Clüver geht damit nach knapp vierzig Dienstjahren, davon 17 Jahre im Kirchenkreis Gladbach-Neuss, in den Ruhestand.

Wolf Clüver ist ein Nordlicht. Sein Vikariat hat er in Hamburg abgeleistet. Im Kirchenkreis Süderdithmarschen hatte er einen halbe Gemeindestelle inne. Zur anderen Hälfte war er, der nicht nur Theologe, sondern auch Kommunikationswirt ist, für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Für zwei Kirchenkreise an der schleswig-holsteinischen Westküste brachte er ein Magazin heraus, das er auch persönlich auslieferte, wenn die Ressourcen nichts anderes hergaben. 2009 wechselte er der Liebe wegen ins Rheinland und wurde Inklusionspfarrer im Kirchenkreis Gladbach-Neuss. „Die Schnittmenge dieser unterschiedlichen Tätigkeiten ist die Kommunikation“, stellt er fest. „Es geht immer darum, dass und wie man einander versteht.“

Bei der Vernetzung mit den Gemeinden hätte er sich mehr Interesse an inklusiven Themen gewünscht, die Vernetzung in die rheinische Kirche hingegen hat wunderbar funktioniert. „In der Projektgruppe Inklusion sprudelten die Ideen nur so“, sagt er rückblickend. Es entstand die Orientierungshilfe „Da kann ja jede(r ) kommen – Inklusion und kirchliche Praxis“, die noch immer auf der Seite wir-wollen-vielfalt.de zum Download bereitsteht. Beeindruckend auch das Zelt der Begegnung aus Tausenden gehäkelten Quadraten, das unter anderem ein Eyecatcher beim Kirchentag in Dortmund war und es sogar in die Tagesschau schaffte. Oder die Vielfalter, handgemachte Schmetterlinge, die beim Kirchentag in Stuttgart für Vielfalt und Inklusion warben. Inhaltlich hat Wolf Clüver als Inklusionspfarrer weit über den Kirchenkreis hinausgewirkt. „Wir werden noch lange davon profitieren, dass bei uns professionelle, inklusive Arbeit geleistet wurde“, stellt Superintendent Denker fest.

Der Religionsunterricht am Hephata-Berufskolleg hat Wolf Clüver in den letzten Jahren zunehmend beschäftigt. „Ich wollte nie Lehrer werden und habe doch gemerkt, dass ich immer Religionspädagoge war“, sagt er. „Es ist großartig, mit erwachsenen Menschen über das zu sprechen, was mich zeitlebens bewegt hat.“ Und seine Schülerinnen und Schüler wussten zu schätzen, dass er Themen wie Trauer und Sterben auf den Lehrplan setzte. In seinem Buch „Religionssensible Assistenz“ stellt er ein Konzept für religionssensible Heilerziehungspflege vor, das er auch an der Ev. Hochschule Hessen in Darmstadt lehrt.

Anfang September wurde Wolf Clüver in den Ruhestand verabschiedet. Wie geht es für ihn weiter? „Ich muss noch Prüfungsarbeiten lesen und zuhause mein Büro aufräumen“, sagt er. „Aber ich habe mir auch vorgenommen, Staffelei und Pinsel zum Einsatz zu bringen. Zur Malerei bin ich durch das Atelier Strichstärke von der Ev. Stiftung Hephata gekommen.“

  • Angela Rietdorf
  • Angela Rietdorf