Kirchenräume neu denken – Leitfaden für die Umnutzung von Kirchen

Kirchengebäude prägen das Stadtbild und erfüllen wichtige Funktionen für das gesellschaftliche Leben vor Ort. Doch viele Kirchengemeinden stehen in den kommenden Jahren auch vor der Herausforderung, sich von Gebäuden trennen zu müssen. Nach Angaben von Baukultur NRW werden von den ungefähr 6000 vorhandenen Kirchengebäuden in Nordrhein-Westfalen „circa 3000 in absehbarer Zukunft nicht mehr für Gottesdienste und Gemeindearbeit gebraucht“. Der Verein für aktuelle baukulturell bedeutsame Themen hat unter dem Titel „Kirchenräume neu denken“ einen Leitfaden herausgebracht, der den Umgang mit Kirchengebäuden und deren Umgestaltung beleuchtet.

Wichtige Hinweise für Kirchenumnutzungen

Gudrun Gotthardt, leitende Landeskirchenbaudirektorin (Foto: EKiR/Hans-Jürgen Bauer)

Der Leitfaden richtet sich an Kommunen, Kirchengemeinden, Initiativen und Engagierte, die sich mit der Zukunft von Kirchengebäuden befassen und ist als „Arbeitsinstrument für die Praxis“ gedacht. Auch für die evangelischen Kirchengemeinden im Rheinland biete der Leitfaden wertvolle Hinweise, sagt Gudrun Gotthardt, leitende Landeskirchenbaudirektorin der Evangelischen Kirche im Rheinland. „Unsere Gemeinden befinden sich in Gebäudestrukturprozessen und entscheiden sich bis spätestens Ende 2027, welche Gebäude in kirchlicher Nutzung bleiben und für welche Gebäude eine neue Nutzung gefunden werden muss. An dieser Stelle setzt die Handreichung an und gibt wichtige Hinweise für den Prozess, der dann angestoßen werden sollte.“

Erfahrungsberichte, Fachbeiträge und praktische Inhalte

Das Team der landeskirchlichen Bauberatung nehme bei Kirchengemeinden eine große Unsicherheit darüber wahr, wie der Prozess der Umnutzung gestaltet werden könne, berichtet Gudrun Gotthardt. Etwa im Hinblick darauf, welche Institutionen und Behörden zu beteiligen sind oder in welcher Reihenfolge die notwendigen Schritte geplant werden sollen. Auch dazu biete der Leitfaden nützliche Erfahrungsberichte und praktische Inhalte. Neben Fachbeiträgen aus Politik, Architektur, Baukultur, Verwaltung und Denkmalpflege haben auch die evangelischen und katholischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen einen Beitrag zu der Publikation beigesteuert.

Gute Lösungen für die Gebäude und für die Gemeinden

In dem Artikel informiert die Landeskirchenbaudirektorin zusammen mit der Erzdiözesankonservatorin des Erzbistums Köln, Dr. Anna Pawlik, über Wege zur Umnutzung von Kirchen.  „Wichtig war uns dabei insbesondere, dass – so individuell die jeweilige Gebäudesituation zu beurteilen ist – die Gemeinden von den Erfahrungen anderer profitieren und lernen können“, sagt Gudrun Gotthardt. „Es hat sich gezeigt, dass ein gut aufgesetzter Prozess auch zu guten Lösungen führen kann – gute Lösungen für die Gebäude, aber auch für die Gemeinde.“

Teil des Projekts „Zukunft – Kirchen – Räume“

Der Leitfaden „Kirchenräume neu denken“ ist Teil des Fokusthemas „Zukunft – Kirchen – Räume“. Mit dem Projekt setzt sich Baukultur NRW dafür ein, Sakralbauten in Nordrhein-Westfalen vor Leerstand und Abriss zu bewahren. Dazu gehört ebenfalls aktuell die Ausstellung „Kirchen als Vierte Orte“. Der Leitfaden umfasst 100 Seiten und kann kostenlos als Printausgabe bei Baukultur NRW bestellt werden. Zudem steht er auf der Internetseite als Download zur Verfügung. Die Initiative Baukultur NRW besteht seit dem Jahr 2020. Sie wird vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung gefördert.

Vorstellung mit anschließender Diskussionsrunde

Am 26. Mai 2026, um 19 Uhr, wird der Leitfaden in der Lutherkirche in Solingen vorgestellt. Fachleute aus Kommune, Kirche und Denkmalpflege diskutieren im Anschluss über die Zukunft von Kirchengebäuden. Die Veranstaltung Kirchen neu denken – eine kommunale Aufgabe?“ ist Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung Kirchen als Vierte Orte. Perspektiven des Wandels“ des Museums der Baukultur NRW, die noch bis zum 6. Juni in der Lutherkirche in Solingen zu sehen ist.

 

 

  • Simone Becker
  • Baukultur NRW / Felix Hemmers