4.1 Ergebnisorientierte Steuerung: Ziele – Ergebnisse – Controlling

Das kirchliche Finanzwesen ist mehr als die Darstellung von Einnahmen und Ausgaben, wie wir das aus dem früheren Finanzsystem, der sogenannten Kameralistik, kannten.

Im heutigen kirchlichen Finanzwesen stellen wir nicht nur dar, wofür Geld verwendet wird, sondern auch, was wir erreichen wollen – das Ziel der Arbeit oder der Arbeitsfelder. Im Haushalt finden sich diese als „Handlungsfelder“ wieder. In einem Ziel verdichtet sich das zu einem Satz, in dem beschrieben wird, was wir wann mit welchen Mitteln erreicht haben wollen.

Zielorientierte Planung ist auch in der kirchlichen Arbeit möglich – es erfordert ein verabredetes System der Dokumentation, die sich im kirchlichen Finanzwesen widerspiegelt. Das zentrale Element dieser Planung ist der Haushalt, der vom Presbyterium beziehungsweise der Synode beschlossen wird.

Planung im Alltag

Zielorientierte Planung ist übrigens etwas, was wir ständig im Alltag und im Leben tun: So machen wir eine Wanderung in der Regel, um ein Ziel zu erreichen. Am Ende der Wanderung haben wir einen Berg erstiegen, körperliche Bewegung gehabt und schöne Erlebnisse in beeindruckender Landschaft gehabt.

Hierfür brauchen wir eine Vorstellung davon, wie anspruchsvoll der Weg ist, den wir laufen wollen, damit wir wissen, welche Schuhe wir brauchen, welche Ausrüstung darüber hinaus, wie viel Zeit wir benötigen werden und was wir an Verpflegung dabei haben sollten. Vielleicht haben wir uns auch mit den Rahmenbedingungen auseinandergesetzt und uns informiert, wie das Wetter wird und welche Aussichtspunkte auf dem Weg liegen.

Wenn wir das nicht gemacht haben, könnte eine anspruchsvollere Wanderung zu einer großen Enttäuschung werden, wir unsere Kräfte überschätzt finden oder die Verpflegung nicht ausreichend und von anderen hören, dass wir die entscheidende Sehenswürdigkeit verpasst haben.

Im „richtigen Leben“ planen wir daher eine solche Wanderung immer – so tun wir es nun auch im kirchlichen Leben.

Die Basis für diese Steuerung liefert der Haushalt – im engeren Sinne ein Handlungs- und Ressourcenplan, wobei hier die benötigten Geldmittel zwar nicht allein, aber im Vordergrund stehen. Mit dem Haushaltsbeschluss durch die Gremien wird technisch jedem Ziel ein Budget zugeordnet. Das Controlling liefert während des Jahres Übersichten darüber, wieweit Ziele umgesetzt werden beziehungsweise wurden, die dann wiederum Grundlage für neue Entscheidungen sind. Das Controlling als Organisationseinheit stellt die notwendigen Kennzahlen so zur Verfügung, dass Gremien und Leitung in der Lage sind, aufgrund dieser Kennzahlen Entscheidungen zu treffen, also: zu steuern.

Controlling

Die Steuerung anhand von Zielen und Ergebnissen ist das, was im Finanzwesen „Controlling“ genannt wird. Der ins Deutsche unterdessen übernommene Begriff „Controlling“ bedeutet nicht „Kontrolle“, sondern meint etwas anderes, was eher als „die Kontrolle behalten“ übersetzt und verstanden werden kann, nichts weniger also als „steuern“.

Regelkreislauf Controlling

Dieser Kreislauf wird auch als Regelkreis des Controlling dargestellt, etwa in der Grafik dargestellten Weise.

In der Wirtschafts- und Verwaltungsverordnung (WiVO) sind neben dem Prinzip der Haushaltsaufstellung als Steuerungsinstrument auch Prinzipien genannt, wie mit den verfügbaren Mitteln umzugehen ist.

Unter dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit spielt den angemessenen Einsatz von (Geld-)Mitteln. Dass die verfügbaren Mittel begrenzt sind und nicht nur das eigene Handeln in den Blick genommen werden soll, sondern auch die Handlungsfähigkeit zukünftiger Verantwortungsträger, kommt im Prinzip der Nachhaltigkeit zum Ausdruck. Sie geht über das Prinzip der Wirtschaftlichkeit hinaus.

Nachhaltigkeit

Der Begriff der Nachhaltigkeit wird insbesondere in ökologischen Zusammenhängen gebraucht und bedeutet, dass zur Erhaltung der Fortdauer eines ökologischen Systems nicht mehr entnommen, abgeholzt, geerntet oder genutzt wird, als innerhalb einer angemessenen Zeit nachwachsen kann.

Übertragen auf unseren Zusammenhang bedeutet Nachhaltigkeit, dass bei der Verwendung von Mitteln für die kirchliche Arbeit auch daran gedacht werden muss, dass Einnahmen, etwa das Steueraufkommen, nicht kontinuierlich mehr werden, sondern auch weniger werden können und wir uns als Kirche auch darauf vorbereiten müssen, dass die Einnahmen mit den Mitgliederzahlen sinken werden. Insofern geht Nachhaltigkeit über die Sparsamkeit hinaus.

Von einem ausgeglichenen Haushalt sprechen wir im kirchlichen Finanzwesen nur dann, wenn die regelmäßigen und absehbaren Einnahmen ausreichen, um die geplanten Aktivitäten zu finanzieren. Als eine Gefährdung des Haushalts bezeichnen wir eine Situation, in der die laufenden Mittel aus Einnahmen nicht ausreichen, um die Vorhaben zu finanzieren.

 

Strukturelles Defizit

Ein fortgesetzt nicht ausgeglichener Haushalt wird auch als „strukturelles Defizit“ bezeichnet. Ein solches Defizit entsteht beispielsweise, wenn die Einnahmen sinken, die Aufwendungen sich dem jedoch nicht anpassen und gleich bleiben.

In einer solchen Situation ist die Veränderung des eingespielten Handelns notwendig, es muss „gesteuert werden“. Die Steuerung zur Behebung eines strukturellen Defizits wird auch „Konsolidierung“ genannt.

Eine Haushaltsgefährdung ist insbesondere dann ein Problem, wenn sich nicht abzeichnet, wie diese behoben werden soll. Deshalb wird hier besonders auf den Konsolidierungsplan hingewiesen. So kann es durchaus notwendig sein, einen nicht ausgeglichenen Haushalt im laufenden Jahr hinzunehmen. Die WiVO will es aber nicht dabei bewenden lassen. Deshalb soll in einem solchen Falle darauf hingewiesen werden, ob der aktuelle Haushalt den Auftakt für ein strukturelles Defizit bedeutet oder ob der Haushalt in künftigen Jahren mit besonderen Sparmaßnahmen wieder ausgeglichen wird und die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit damit langfristig gesichert ist.

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