5.8 Nachhaltiges Bauen

Der Begriff des nachhaltigen Bauens wird sehr verschieden definiert und umfasst ein weites Themenspektrum – es reicht von der Auswahl ökologisch unbedenklicher Baustoffe bis zur energetischen Instandsetzung zur Erreichung der Klimaneutralität. Die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) definiert nachhaltiges Bauen z. B. so: „Nachhaltiges Bauen bedeutet einen bewussten Umgang und Einsatz vorhandener Ressourcen, die Minimierung von Energieverbrauch und ein Bewahren der Umwelt.“

Mehr als Minimierung des Energieverbrauches

Erster Schritt eines nachhaltigen Gebäudemanagements ist eine mittelfristige und an den personellen und finanziellen Ressourcen orientierte Gebäudebestandsplanung, die zukünftige Bedarfe und benötigte Gebäudefläche in Einklang bringt.

In Zukunft wird dabei ein ganz grundlegendes Umdenken notwendig sein: nämlich den so ermittelten Bestand möglichst zu erhalten und umzubauen bzw. umzunutzen. Bauen muss vermehrt ohne Neubau auskommen. Priorität kommt dem Erhalt und dem materiellen wie konstruktiven Weiterbauen des Bestehenden zu und nicht dessen leichtfertigem Abriss. Nur so kann die bereits eingesetzte, sogenannte „graue Energie“ sinnvoll weiter genutzt und damit Ressourcen gespart werden.

Daher ist auch eine lange Lebensdauer der Gebäude anzustreben. Diese kann erreicht werden, wenn solide Konstruktionen gewählt werden und wertige Materialien zum Einsatz kommen. In Gebäuden mit einem möglichst neutralen Grundriss lassen sich unterschiedliche Nutzungen ohne aufwendige Umbauten realisieren, was positiv für die Energiebilanz ist. Auch eine gute Gestaltung und Detaillierung der Gebäude ist anzustreben, da dies zu einer höheren Wertschätzung führt.

Sinnvolle Baustoffauswahl

Für zukunftsfähige Gebäude sind die Wahl der Materialien und die fachliche Beurteilung des gesamten Baustoff-Lebenszyklus von der Rohstoffgewinnung bis zur Wiederverwendung besonders wichtig. Sogenannte „cradle to cradle- Konzepte“ betrachten ein Gebäude von der Herstellung der Baustoffe bis zu deren Entsorgung und streben einen Kreislauf an, der möglichst geringe Ressourcen verbraucht. Hier spielt die Dokumentation der verbauten Materialien und die Möglichkeit der Trennung von Rohstoffen beim Abriss eine wichtige Rolle.

Die Erzdiözese München-Freising hat einen Leitfaden zur Auswahl nachhaltiger Baustoffe entwickelt.

 

Cradle-to-Cradle-Prinzip (C2C)

Das Cradle-to-Cradle-Prinzip (C2C) findet immer häufiger im Zusammenhang mit dem Thema der Nachhaltigkeit Erwähnung – dabei wurde das Konzept bereits in den 1990er-Jahren von Michael Braungart, William McDonough und der „Environmental Protection Encouragement Agency“ (EPEA Hamburg) entwickelt. Übersetzt heißt es von der Wiege zur Wiege und bezeichnet einen idealisierten, geschlossenen Rohstoffkreislauf nach dem Vorbild der Natur, bei dem alle Rohstoffe eines Produkts nach dem Nutzungszeitraum zu 100 Prozent im Kreislauf bleiben und wiederverwendet werden können. Somit würde es Müll, wie er durch das bisherige „Take – make – waste“ -Modell entsteht, nicht mehr geben, sondern nur noch nutzbare Wertstoffe.

 

Nachhaltigkeit und Denkmalschutz

Oft wird ein Widerspruch zwischen den Zielen des Denkmalschutzes und des Klimaschutzes gesehen. Dabei dient der Erhalt von denkmalgeschützten Gebäuden grundsätzlich der Nachhaltigkeit, da Materialien und Bausubstanz in Nutzung verbleiben und nicht durch zusätzliche Ressourcen ersetzt werden müssen. Auch energetische Verbesserungen sind an Denkmälern nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sie bedürfen jedoch einer sorgfältigen Planung und Umsetzung sowie einer denkmalrechtlichen Erlaubnis oder Genehmigung. In dem dazu veröffentlichten Arbeitsheft der Vereinigung der Landesdenkmalpflege sind dazu wertvolle Hinweise und konkrete Handlungsempfehlungen zu finden.

Im Hinblick auf die Beheizung von historischen Kirchengebäuden sind im Sinne des Klimaschutzes zukünftig neue Wege -vor allem ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe- zu suchen. Die bisher weit verbreiteten Warmluftheizungen mit Öl- oder Gasbrennern haben keine Zukunft, wenn die Gebäude treibhausgasneutral betrieben werden sollen. In vielen Fällen wird die Abkehr von der Erwärmung des gesamten Raumvolumens und stattdessen eine sogenannte körpernahe Temperierung (z. B. als Unterbankheizung oder Paravents) die Lösung sein. So wird mit geringem Energieaufwand (in der Regel Ökostrom) eine gute Behaglichkeit für die Nutzenden erreicht.

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